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Wirtschaft Ostseepark: Keiner will nachgeben
Nachrichten Wirtschaft Ostseepark: Keiner will nachgeben
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00:17 24.02.2013
Von Andrea Seliger
Die Mergenthalerstraße ist die zentrale Verkehrsader des Ostseeparks. Quelle: sel
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Kiel/Schwentinental

Die zuständigen Ausschüsse Schwentinentals hatten der Bauvoranfrage des Investors HBB bereits vor einem Jahr grünes Licht gegeben. Damit will die Stadt ihr Gewerbegebiet attraktiver machen. Das Konzept einer Shopping Mall mit 15000 Quadratmetern Verkaufsfläche und Veranstaltungssaal erinnert an den 2006 eingeweihten Neubau im CITTI-Park, dem schärfsten Konkurrenten des Schwentinentaler Gewerbegebietes. Denn beide Standorte liegen an der B76 und sind vorrangig auf autofahrende Kunden ausgelegt. Der Ostseepark ist mit knapp 89000 Quadratmetern Verkaufsfläche größer als der Kieler Mitbewerber (64500 Quadratmeter). Zum Vergleich: In der Kieler Innenstadt wird auf 123100 Quadratmetern gehandelt.

 Über die Bauvoranfrage zu entscheiden hat eigentlich der Kreis Plön, der dies aber bis zum Showdown morgen verschoben hat. Sowohl Kiel als auch der Investor haben bereits angekündigt zu klagen, sollte ihnen das Ergebnis nicht gefallen. Es wäre nicht das erste Mal: Ostseepark-Themen landeten häufig in Schleswig, seit die Gemeindevertretung Raisdorf im Jahr 1972 die Ansiedlung des Verbrauchermarktes DIVI genehmigte und damit einen Sog auslöste. Denn was der Gemeinde Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bescherte, rief bei den Nachbarn Widerstand hervor.

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 Schon 1980 zwang das Land deshalb die Gemeinde dazu, ihre Bebauungspläne zu ändern und den „Wildwuchs“ zu regulieren. Doch immer wieder gelang es Unternehmen, sich vor Gericht eine Baugenehmigung zu erstreiten, und der zuletzt gültige B-Plan wurde Anfang der 90er-Jahre vom Oberverwaltungsgericht Schleswig für nichtig erklärt. Ein neuer Anlauf zur Überplanung wurde 2001 eingestellt, unter anderem, weil die Gemeinde Entschädigungsklagen befürchtete. Deshalb gibt es heute für den Großteil des Gewerbegebietes keine baurechtlichen Vorgaben außer den allgemeinen Paragrafen – dazu gehört seit 2004 allerdings, dass von einem Vorhaben keine schädlichen Auswirkungen auf die bestehende Versorgung ausgehen dürfen.

 Die aus der Fusion von Raisdorf und Klausdorf entstandene Stadt Schwentinental hat nun einen neuen Anlauf genommen: Vier neue B-Pläne verabschiedete die Stadtvertretung im November 2012. Sie sollen ab dem 11. März für Einwände jeglicher Art ausliegen. Die Aufgabe gleicht einem Spagat: Die Nachbarn würden im Ostseepark am liebsten gar keinen Zuwachs mehr sehen, die ansässigen Unternehmen fürchten Einschränkungen, was der Stadt Klagen bescheren könnte – und die Einnahmen fließen nur dann, wenn es Firmen und Kunden dort gefällt.

 Die Pläne sind auf das HBB-Vorhaben zugeschnitten, darüber hinaus wird das Einzelhandelssortiment zukünftig beschränkt. Mehrere Vorhaben im besonders umkämpften Markt Bekleidung wurden mit Blick auf das HBB-Vorhaben von der Stadt bereits abgelehnt, beispielsweise im Baltic-Center.

 Mit diversen Gutachten haben die Beteiligten versucht, ihre Position gerichtsfest zu untermauern. Wie auch immer das Gespräch in der Staatskanzlei morgen also ausgeht – es wird vermutlich nicht das letzte Kapitel in dieser Sache sein.