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Wirtschaft Personalabbau dürfte stärker ausfallen
Nachrichten Wirtschaft Personalabbau dürfte stärker ausfallen
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12:15 05.10.2019
Von Ulrich Metschies
Stefan Ermisch ist Vorstandsvorsitzender der Hamburg Commercial Bank. Quelle: Markus Scholz/dpa
Kiel/Hamburg

Eigentlich hätte es schlimmer kaum kommen können: Im März dieses Jahres besiegelte die aus der HSH Nordbank hervorgegangene Hamburg Commercial Bank (HCOB) einen radikalen Personalabbau, dessen Eckdaten den Mitarbeitern zuvor bereits das Weihnachtsfest vermiest hatten. Demnach fällt bei der HCOB in den kommenden beiden Jahren fast jeder zweite Arbeitsplatz weg. Nun ließ Bankchef Stefan Ermisch vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) durchblicken: Es könnte noch schlimmer kommen.

Umfangreiches Dossier

Das Ende der HSH Nordbank

Dass die ohnehin stark geschrumpfte Bank noch einmal an der Kostenschraube drehen muss, liegt offenkundig an den stark eingetrübten Wachstumsaussichten und der labilen Verfassung der Kapitalmärkte. Er mache sich "Sorgen um die deutsche Konjunktur", sagte Ermisch, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Als die ehemalige Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein die Halbierung der Stellenzahl angekündigt habe, sei sie noch von Wirtschaftswachstum in Deutschland ausgegangen, nun befürchte sie eine Rezession: "Deshalb ist es aus meiner Sicht sehr logisch, dass wir uns intensiv damit auseinandersetzen, ob wir noch weitere Hausaufgaben zu erledigen haben", sagte Ermisch auf die Frage nach zusätzlichen Stellenstreichungen. Die HCOB hatte im Frühjahr den Abbau von fast der Hälfte der Jobs besiegelt. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten soll von 1716 Ende 2018 auf rund 950 bis 2022 sinken.

Besonders gebeutelt ist der Standort Kiel: Hier sollen nach der bislang bekannten Planung von einst fast 1000 Vollzeitstellen nur noch rund 230 übrigbleiben. "Wir haben hier die absolute A-Karte gezogen", sagt ein Ex-Mitarbeiter und langjähriges Betriebsratsmitglied. Zu der Frage, ob es für Kiel nun noch schlimmer kommen wird, wollte sich die Bank am Freitag nicht äußern – der Personalabbau laufe "nach Plan". Nach Informationen der Kieler Nachrichten sind weitere Einschnitte am ehesten im Bereich Kapitalmarkt zu erwarten, der unter der Herrschaft der neuen Eigentümer in Kiel ohnehin auf Null gefahren wird.

IT ist Schwerpunkt am Standort Kiel

Der Standort Kiel, vom Standing her einst auf Augenhöhe mit Hamburg, hat mit dem operativen Bankgeschäft schon jetzt nichts mehr zu tun, sondern liefert nur noch die für das Geschäft notwendigen Dienstleistungen. Ein Schwerpunkt ist die IT.

Wie berichtet, sucht die HCOB intensiv nach einem Käufer für das einstige Landesbank-Hochhaus am Kleinen Kiel. Alle Mitarbeiter sind bereits in ein benachbartes Gebäude umgezogen. Als Übergangsmieter ist die Investitionsbank Schleswig-Holstein mit rund 80 ihrer Beschäftigten in drei Etagen eingezogen.

Die Gewerkschaft sieht durch die Ermisch-Äußerungen ihre Befürchtungen bestätigt. "Leider tritt genau das ein, wovor wir gewarnt haben", sagt Verdi-Sprecher Frank Schischefsky: "Nun zeigen die von den Landesregierungen hofierten Bankmanager, was von Ihren Versprechungen zu halten ist.“ Gewinnmaximierung durch deutliche Erhöhung der Eigenkapitalrendite gehe bei der HCOB offenbar nur mit Personalabbau: "Wir erleben hier Kapitalismus pur."

Ermisch: "Wir nehmen jeden Euro raus, den wir rausnehmen können"

Hamburg und Schleswig-Holstein hatten die HSH Nordbank in der Schiffs- und Finanzkrise mit Milliardenhilfen gerettet. Auf Druck der EU verkauften sie die Bank für rund eine Milliarde Euro an Finanzinvestoren um Cerberus und J.C Flowers. Nun soll das Institut kleiner werden und seine Rendite auf über acht Prozent vor Steuern steigern. "Wir nehmen jeden Euro raus, den wir rausnehmen können", sagte Ermisch zu möglichen Sparmaßnahmen. So wolle die Bank erfolgreich überwintern, um nach Ende der Wirtschaftsflaute auch von der Schwäche der Konkurrenz profitieren zu können. 2021 soll die ehemalige Landesbank von der Institutssicherung der öffentlich-rechtlichen Banken ins Haftungssystem der Privatbanken wechseln. Dafür muss die HCOB nach Angaben Ermischs eine harte Kernkapitalquote von mehr als 16 Prozent und eine Rendite von acht Prozent vor Steuern ausweisen. Zudem dürfen keine großen Risiken in der Bilanz schlummern.

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