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Wirtschaft Klimaschutz: Plant Zalando Paketpfand und Mindestbestellwert?
Nachrichten Wirtschaft Klimaschutz: Plant Zalando Paketpfand und Mindestbestellwert?
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17:00 22.05.2019
Zalando will Umweltfreundlicher werden und das Klima schützen. Quelle: Bodo Marks/dpa
Berlin

Weniger Müll, weniger Kohlendioxid: Der Online-Händler Zalando will umweltfreundlicher werden. Deo und Lippenstift kommen jetzt in Papier- statt in Plastiktaschen, in immer mehr Ländern gilt ein Mindestbestellwert; und statt in herkömmlichen Pappkartons sollen die Kunden Schuhe und Kleidung eines Tages in Mehrwegverpackungen bekommen. „Wir denken, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Treiber unseres Geschäfts wird“, sagte Vorstand David Schneider am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Berlin.

Auch die Aktionäre legen Wert auf das Thema. Ihr Treffen zeigt aber, dass Onlinehändler Umweltschutz und Geldverdienen wohl nur sehr langsam in Balance bringen. Der Versand mache 60 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes bei Zalando aus, machte Nicolas Huber vom Vermögensverwalter DWS deutlich. Das Thema werde sehr kritisch betrachtet, warnte er den Vorstand – eine Erfahrung, die auch andere Unternehmen schon gemacht haben.

Ein nun von Zalando angepeiltes Instrument: Weil Italiener sehr oft für kleines Geld bestellten, liefert Zalando dort nur noch ab einer bestimmten Summe versandkostenfrei. Das gilt inzwischen auch in Spanien und auf den britischen Inseln, in Kürze auch in Skandinavien. Ergebnis: Die Warenkörbe werden wieder etwas größer, wie Vorstand Rubin Ritter sagte. 2018 Jahr war dies ein großes Problem: Bestellungen wurden kleiner, die Paketflut wuchs - mehr Transporterfahrten, mehr CO2.

Kein Mindestbestellwert in Deutschland

Ritter meint aber, dass der Trend sich nur bremsen lasse, nicht aber stoppen. „Wir glauben nicht, dass es für das Geschäft gut wäre, zu versuchen, diesen Trend auf Biegen und Brechen umzukehren.“ Im wichtigsten Markt Deutschland komme wohl kein Mindestbestellwert.

Beispiel Pakete: Noch dieses Jahr will Zalando Mehrwegverpackungen versenden. „Kunden würden dann Textilien oder Kosmetikprodukte in einer Transportbox oder -tasche geliefert bekommen, die danach viele weitere Male für den Versand oder die Retoure genutzt werden kann“, erklärte Zalando-Managerin Melanie Hultsch. Allerdings wird das zunächst nur ein Pilotversuch, Ablauf und Ausgang offen. Viele Fragen, etwa zum Pfand für die Boxen, sind noch unbeantwortet.

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Die häufigen Retouren im Versandhandel haben auch Klimaschützer ins Visier genommen. In einer Studie hatten Wissenschaftler der Universität Bamberg kürzlich herausgefunden, dass jedes sechste Paket zurück zum Händler geht – und deshalb täglich so viel CO2 ausgestoßen werde, wie bei 2200 Autofahrten zwischen Hamburg und Moskau.

Inwiefern Versandhandel und Paketdienste insgesamt dem Klima schaden, ist allerdings unklar: Studien zum Thema sind widersprüchlich. Das Umweltbundesamt will eine detaillierte Untersuchung bis Ende des Jahres vorlegen. Allerdings gebe es zahlreiche Unbekannte, die pauschale Aussagen verunmöglichen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Kritik an Vorstandsvergütung

Unterdessen konnte sich Zalando bei der Hauptversammlung über glückliche Aktionäre freuen. Obwohl die Aktie im vergangenen Jahr die Hälfte ihres Wertes verloren hatte und die Anteilseigner auch in diesem Jahr zugunsten von Investitionen keine Dividende bekommen, zeigten sich deren Vertreter insgesamt zufrieden.

Für Kritik seitens einiger Aktionäre sorgte allerdings die mögliche Höhe der Vergütung des Vorstands. Je nach Aktienkurs können die Zalando-Gründer Ritter, Schneider und Robert Genz in knapp fünf Jahren jeweils bis zu 170 Millionen Euro einstreichen. Grundlage sind Aktienoptionen mit der Voraussetzung, dass der Umsatz des MDax-Unternehmens um 15 Prozent wächst. Bei weniger als 10 Prozent gibt es keinen Bonus. Das Grundgehalt der Vorstände liegt nur bei 65 000 Euro pro Jahr.

„Gute Arbeit soll auch gut bezahlt werden“, sagte Michael Kunert, der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Aber nach ein paar Jahren hunderte Millionen auszahlen - diese ethische und moralische Diskussion möchte ich Zalando nicht zumuten.“

Von RND/dpa/hö