Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Pleitewelle von Stromio und Co: Worauf betroffene Kunden achten müssen
Nachrichten Wirtschaft

Pleitewelle von Stromio, Gas.de und Co: Worauf betroffene Kunden achten müssen 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:44 06.01.2022
Von Ulrich Metschies
Auch die Gaspreise sind bei vielen Anbietern zum Jahreswechsel deutlich gestiegen.
Auch die Gaspreise sind bei vielen Anbietern zum Jahreswechsel deutlich gestiegen. Quelle: Holger Hollemann (dpa)
Anzeige
Kiel

Wenn eine Kündigung ins Haus flattert, dann ist das nie besonders schön. Kündigt einem jedoch der Strom- oder Gasanbieter, dann kann das bei vielen Menschen schon Existenzängste wecken. Dabei ist es mehr als eine kurzfristige Kündigung, die angeschlagene Energiediscounter ihren Kundinnen und Kunden derzeit schicken, sondern eine Mittelung über die Einstellung der Lieferung – und zwar ab sofort.

So kündigte etwa Gas.de

So schockierte jüngst der Gas-Billigheimer Gas.de seine Abnehmer mit einer E-Mail, in der es lapidar heißt: „Leider machen es uns die fortlaufenden Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten unmöglich, Ihre Versorgung mit Gas fortzusetzen. Wir sehen uns daher leider gezwungen, die Lieferung mit Gas kurzfristig einzustellen.“

Das Unternehmen verweist in dem Schreiben auf die „Berichterstattung in den Medien“, wonach man „seit einigen Wochen mit einer nie da gewesenen Preisexplosion an den europäischen Energiehandelsplätzen konfrontiert“ sei. Immerhin bittet Gas.de um „Verständnis für diese Entscheidung, die uns sehr schwergefallen ist“.

Und dann der erst mal doch beruhigende Hinweis: Die Gasversorgung werde „automatisch durch den zuständigen Grund- und Ersatzversorger in Ihrer Region übernommen“.

Stromversorger hat gekündigt: Erst durchatmen, dann handeln

Also erst mal: durchatmen? Ja, sagt Lenia Baga, Energierechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Kiel: „Zunächst gilt es, Ruhe zu bewahren, da die Weiterbelieferung gesichert ist.“

Doch dann heißt es handeln: Zunächst sollten die Zählerstände abgelesen, fotografisch festgehalten und an den ehemaligen Versorger sowie den neuen Anbieter – beispielsweise die Stadtwerke – übermittelt werden. Dann ist es wichtig, die Einzugsermächtigung zu widerrufen oder den Dauerauftrag bei der Bank zu kündigen.

Abrechnung gründlich prüfen – Boni einfordern

Und die Abrechnung? Die muss der alte Versorger innerhalb von sechs Wochen nach der Belieferungseinstellung vorlegen. Diese Abrechnung gilt es gründlich zu prüfen und gegebenenfalls ausstehende Boni einfordern.

Übersteigen die Abschlagszahlung den Verbrauch, dann muss der Versorger das Guthaben an den Kunden auszahlen. Hat der Anbieter Insolvenz angemeldet, dann wird es allerdings schwierig: „Dann kann der Betrag nur beim Insolvenzverwalter zur Tabelle angemeldet werden“, sagt Verbraucherschützerin Baga.

Keine Schnäppchen mehr bei Verifox: Auf jeden Fall wird es teurer

Formal fallen Kunden nach einem Lieferstopp automatisch in die sogenannte Ersatzversorgung, für die in der Regel der örtliche Energieanbieter zuständig ist – meistens also die jeweiligen Stadt- oder Gemeindewerke. Wer dann drei Monate nichts unternimmt, landet automatisch im Grundversorgungstarif der örtlichen Versorger.

Die haben allerdings für so viele Neukunden, wie ihnen derzeit zufallen, gar nicht den nötigen Strom oder das nötige Gas eingekauft – müssen sich also an den Spotmärkten eindecken, wofür derzeit horrende Preise fällig sind.

Um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben, geben die Anbieter diese Preise an die neuen Kunden weiter. Die können sich zwar kurzfristig einen neuen Anbieter suchen, doch das ist im aktuellen Marktumfeld ein schwieriges Unterfangen: Auch auf den großen Plattformen wie Verivox oder Check24 gibt es längst keine Schnäppchen mehr – einige Energieanbieter nehmen derzeit sogar überhaupt keine Neukunden auf.

Billiger Strom ist nicht immer sicher

Müssen am Ende die treuen Kunden die Zeche zahlen? „Nein. Die Bestandskunden profitieren von unserer langfristig angelegten Beschaffungsstrategie“, versichert Sönke Schuster, Sprecher der Stadtwerke Kiel. Denn die Mengen für deren Verbrauch, „sind zu erheblich günstigeren Konditionen schon eingekauft.“ Und ein wenig Genugtuung mag mitschwingen, wenn Schuster sagt: „Dies macht noch einmal die Bedeutung der lokalen, regionalen Stadtwerke deutlich. Billig ist nicht immer sicher.“

Was tun, damit sich so ein Schock nicht wiederholt? Lenia Baga rät vor allem, nicht voreilig einen neuen Vertrag abschließen: „Die Preise sind in allen Bereichen extrem gestiegen und wie sich dies in der Zukunft weiter verhält, ist ungewiss. Bei der Suche auf den Vergleichsportalen sollte man die Grundeinstellungen auf „kurze Kündigungsfristen“, „Preisgarantien“ und eine „kurze Mindestvertragslaufzeit“ setzen.