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Wirtschaft Reeder wollen Innovationstreiber sein
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10:32 13.06.2019
Von Anne Holbach
Klima-Aktivisten haben mit ihrer Aktion gegen die "Zuiderdam" die Debatte über die Umweltfreundlichkeit von Kreuzfahrern neu entfacht. Quelle: Frank Behling
Kiel

Die betroffene US-Reederei Holland America Line will die Landeshauptstadt trotz der Blockade genauso wie Aida, Tui Cruises, Hapag Lloyd und MSC Cruises weiterhin anlaufen.

Der nächste Protest ist schon angekündigt

Nach der „Zuiderdam“ in Kiel kündigt sich bereits der nächste Protest gegen ein Kreuzfahrtschiff an: Aktivisten wollen gegen die MS „Deutschland“ demonstrieren, die am Sonnabendmorgen in der Eckernförder Bucht vor Anker geht. Dazu ruft das „Bündnis gegen Kreuzfahrt“ auf, das in erster Linie aus der Eckernförder „Fridays for Future“-Bewegung hervorgeht. „Wir wollen nicht boykottieren oder sabotieren“, sagte Jacob Grimm, der die Demo angemeldet hat. Geplant sei ein friedlicher Protest im Hafen, wo die Passagiere mit Tendern vom Schiff aus an Land ankommen.

2050 sollen Schiffe nur noch halb so viel CO2 ausstoßen wie 2008

„Klimakiller Nummer Eins? Kreuzfahrtschiffe sind heute die Innovationstreiber für eine nachhaltige Schifffahrt“, entgegnet Hanja Maria Richter von Costa Crociere den Klimaaktivisten. Alle Reedereien befassen sich nach eigenen Angaben mit der Umweltproblematik – auch weil sich das positiv auf deren Image auswirkt.

Zielsetzungen der International Maritime Organization gibt es einige: So sollen bis 2050 die Treibhausgas-Emission der Schiffe im Vergleich zu 2008 auf die Hälfte gesenkt werden. Ab Anfang 2020 dürfen Schiffe auf hoher See nur noch Treibstoff verbrennen, der einen Schwefelgehalt von höchstens 0,5 Prozent hat, oder sie müssen die Abgase reinigen. Bislang lag der Wert bei 3,5 Prozent. In der Nord- und Ostsee darf seit vier Jahren nur Treibstoff mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt genutzt werden.

Aidanova schneidet dank LNG-Antrieb in Nabu-Ranking gut ab

In seinem Kreuzfahrtranking bemängelte der Naturschutzbund (Nabu) im vergangenen Jahr, dass die Mehrzahl der Reedereien an Schweröl als Kraftstoff festhält. Positiv hervorgehoben wird die Aidanova, die mit Flüssiggas (LNG) betrieben wird.

Bis 2023 will die Rostocker Reederei zwei weitere LNG-Schiffe in Dienst stellen. Das Flüssiggas gilt aktuell als sauberster fossiler Brennstoff, die gesamte Lieferkette trübt aber die Nachhaltigskeitsbilanz, so Kritiker.

Viele haben Interesse an Landstrom

Gemeinsam mit der Landeshauptstadt und dem Jamaika-Koalition hat sich Aida für die Errichtung einer Landstromanlage bis 2020 in Kiel starkgemacht. „Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Luftreinheit, denn die Emissionen unserer Schiffe reduzieren sich dadurch auf nahezu null“, sagt Sprecher Hansjörg Kunze.

Die zwölf Schiffe der Aida-Flotte sollen bis dahin alle Landstrom beziehen können. Acht sind aktuell mit modernen Abgasreinigungssystemen ausgestattet, an Bord der anderen werden sie noch eingebaut.

Costa will die Ausrüstung seiner Flotte mit Filtersystemen bis nächstes Jahr komplettiert haben. Auch die italienische Reederei setzt bei Neubauten auf LNG. Bei MSC Cruises sind etwa die Hälfte der 17 Schiffe mit solchen Systemen bestückt. Bis Ende des Jahres sollen es elf sein. Die Reederei ist ebenso wie Costa gewillt, in Kiel Landstrom zu nutzen. Vier MSC-Schiffe verfügen bislang über einen Anschluss. 2022 soll das erste LNG-Schiff von MSC in Dienst gestellt werden.

Hapag Lloyd stellt auf Marinegasöl um

Hapag Lloyd will bei seinen Expeditionsschiffen ab Juli 2020 vollständig auf den Einsatz von Schweröl verzichten und auf das schadstoffärmere Marinegasöl umsteigen. „Der Schutz der Gebiete, die wir bereisen, liegt uns am Herzen und auch für unsere Gäste ist dies ein wichtiges Thema“, sagt Sprecherin Janina Baldin.

Die „Europa 2“, die im September nach Kiel kommt, ist mit einem SCR-Katalysator ausgestattet, der den Ausstoß von Stickoxiden um rund 95 Prozent reduziere. „Der wirksamste Weg, Emissionen einzusparen ist, weniger Treibstoff zu verbrauchen“, so Baldin. Dass werde sowohl durch moderne Technologien wie Spezial-Ruder erreicht als auch durch eine intelligente Routenplanung.

Tui Cruises setzt auf niedrigen Treibstoffverbrauch

Tui Cruises bezeichnet seine „Mein Schiff“-Flotte als die „modernste und umweltfreundlichste“ weltweit. Die Neubauten verbrauchten bis zu 40 Prozent weniger Treibstoff als Schiffe vergleichbarer Größe, sagt Sprecherin Friederike Grönemeyer.

Ein System zur Abgasnachbehandlung aus Scrubbern und Katalysatoren sorge dafür, dass der Ausstoß von Schwefel, Stickoxiden und Partikeln drastisch verringert werde. „Das System ist weltweit rund um die Uhr im Einsatz. Damit sind wir Vorreiter.“

Fähren setzten Abgaswäscher ein

Auch Kieler Fährbetreiber wie die Stenaline und die Colorline räumen dem Erreichen von Klimazielen eine hohe Priorität ein. „Auf allen Schiffen der Colorline, die Kiel anlaufen, werden SCR-Scrubber eingesetzt“, teilt das Unternehmen mit. Ebenso sieht es bei der Stenaline aus.

Ein Leuchtturmprojekt sei deren Methanol-Fähre „Germanica“. Der Antrieb vermeide die Entstehung von Schwefel- und Partikelemissionen fast vollständig. Zudem setze die Reederei auf Künstliche Intelligenz, um jeweils tages- und wetterabhängig die beste Route zu finden und soTreibstoff einzusparen.

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