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Wirtschaft Reaktionen auf den Kahlschlag in Kiel
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16:39 11.12.2018
Betriebsratsvorsitzende Simone Graf informierte über die Presse über den Kahlschlag bei der HSH Nordbank. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die HSH Nordbank, die ab Februar die Hamburg Commercial Bank ist, plant nach Angaben des Betriebsrats insgesamt einen Abbau von über 700 Stellen. Bisher gibt es demnach 1700 Vollzeitstellen in Hamburg und Kiel.

Für den Standort Kiel seien bei der HSH Nordbank noch etwa 200 von bisher 700 Stellen vorgesehen, darunter 60 IT-Stellen, sagte Betriebsratschefin Simone Graf nach einer Betriebsversammlung mit Bankchef Stefan Ermisch in Kiel. 100 weitere IT-Mitarbeiter der Bank sollen zu einem Provider wechseln. Wer das sein werde, sei offen. Unklar blieb zunächst, in welchem Zeitraum der Stellenabbau vollzogen werden soll. Insgesamt sind laut Sabine Graf auch wechselseitige Stellenverschiebungen zwischen Kiel und Hamburg vorgesehen.

So reagieren Gewerkschaften auf den Kahlschlag bei der HSH Nordbank

Die Gewerkschaft Verdi sprach von einem „Desaster“. Auch die SPD kritisierte die Landesregierung von Schleswig-Holstein scharf. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) verwies auf die schwierige Ausgangslage. „Die Alternative zum Verkauf hieß Abwicklung. Im Interesse des Landesvermögens haben wir uns für den Verkauf entschieden.“

Die HSH Nordbank war 2003 aus der Fusion der Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein hervorgegangen und hatte in ihrer kurzen Geschichte mit vielen Krisen und Skandalen zu kämpfen. Nachdem sie zwei Mal von den Ländern vor der Pleite gerettet wurde, musste sie auf Anweisung der EU-Kommission verkauft oder abgewickelt werden.

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Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) betonte, die Landesregierung Schleswig-Holstein habe im Rahmen des Verkaufsprozesses immer wieder deutlich gemacht, „dass wir Kiel für einen hervorragenden Standort halten. Der jetzt verkündete Stellenabbau ist bitter“. Die Entwicklung der vergangenen Jahre sei nicht nur für das Land, sondern auch für die Beschäftigten der HSH Nordbank frustrierend.

Hat die Regierung die HSH-Beschäftigten im Stich gelassen?

Verdi-Sprecher Frank Schischefsky warf der Landesregierung vor, im Verkaufsprozess den Standort Kiel mit seinen Beschäftigten „schmählich im Stich gelassen“ zu haben. „Es ist ein Desaster, wie es leider zu befürchten war.“ Die Landesregierung von CDU, Grünen und FDP habe sich von den Investoren und Vorständen blenden lassen. „Die Landesregierung hat sich keinen Deut um die Menschen gekümmert, die einen Verkaufsprozess erst möglich gemacht haben, indem sie trotz aller Umstände hart um die Bank gekämpft haben; das ist ein Jamaika-Desaster“, sagte Schischefsky.

Verdi forderte eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, die sich um die Menschen kümmert. „An dieser müssen sich die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein beteiligen, wie auch die Investoren und die Bank selbst“, forderte Schischefsky.

Kritik an Ministerpräsident Daniel Günther

Der SPD-Finanzpolitiker Thomas Rother sagte, noch beim Arbeitnehmerempfang im Januar und bei der Landtagsdebatte im April habe Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) davon gesprochen, dass am Standort Kiel 200 bis 600 Arbeitsplätze bei der Bank erhalten bleiben könnten. Nun sei nur die Untergrenze erreicht worden.

Das günstige Ergebnis für das Land Schleswig-Holstein sei kein günstiges Ergebnis für die Beschäftigten und den Bankenstandort Kiel. „Ich bin gespannt, wie der Ministerpräsident am kommenden Donnerstag in der Landtagsdebatte diese Zahl erklären will“, sagte Rother. Die alten Eigentümer der Bank „haben leider nichts erreicht“

Von KN/dpa

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