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Wirtschaft Costas neue Kolosse von der Ostsee
Nachrichten Wirtschaft Costas neue Kolosse von der Ostsee
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21:07 31.07.2019
Von Frank Behling
Die „Costa Smeralda“ und das Schwesterschiff „Costa Toscana“ entstehen als neue Flaggschiffe der Reederei Costa an der Ostsee.
Die „Costa Smeralda“ und das Schwesterschiff „Costa Toscana“ entstehen als neue Flaggschiffe der Reederei Costa an der Ostsee. Quelle: Frank Behling
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Turku

Die großen MaK-Motoren laufen, die Radaranlagen drehen sich und die 2600 Kabinen sind eingebaut. In zwei Monaten wird die italienische Reederei Costa ihr neues Flaggschiff in Dienst stellen. Das Besondere: Das neue Flaggschiff „Costa Smeralda“ kommt aus dem hohen Norden der Ostsee und nicht von einer Werft in Italien.

2023 sollen fünf Millionen Passagiere mit Costa fahren

Bei der Meyer Turku Werft in Finnland laufen in diesen Tagen die Vorbereitungen für die  Probefahrten des 337 Meter langen und fast 183900 BRZ großen Neubaus. Zeitgleich wurde am Dienstag der Bau des Schwesterschiffes „Costa Toscana“ in Turku begonnen. Die Reederei Costa hat ehrgeizige Ziele. „Wir wollen die Marke von fünf Millionen Passagiere pro Jahr 2023 mit Costa-Schiffen erreichen“, sagte Costa-Präsident Neil Palomba.

Motoren von Caterpillar aus Kiel und Rostock

Die „Costa Smeralda“ und „Costa Toscana“ sind Schwesterschiffe der „Aidanova“, die seit Dezember als erstes LNG-Kreuzfahrtschiff der Welt im Einsatz ist. Diese Schiffe sind mit in Kiel entwickelten und in Rostock montierten MaK-Dual-Fuel-Maschinen des Typs MaK M46DF ausgestattet. Sie werden überwiegend mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben und sollen den Schadstoffausstoß von Kreuzfahrtschiffen drastisch senken.

Drei große LNG-Tanks, moderne Energiemanagementsysteme und zwei Azipod-Elektromotoren runden das Antriebspaket ab. „Für uns als Werft ist dieser Auftrag ganz wichtig, um diese moderne Technologie auch in die Schifffahrt zu etablieren. Umweltverträgliche Schifffahrt ist möglich“, sagt Jan Meyer, Chef der Werft in Turku.

Beim Einsatz von verflüssigtem Erdgas als Treibstoff wird der Ausstoß von Schwefeldioxid und Feinstaub komplett vermieden. Der Stickoxidausstoß sinkt um 85 Prozent, der von CO2 um 20 Prozent gegenüber Marinediesel. „Durch den Einsatz dieser neuen Schiffe können wir 2020 unser Ziel der CO2-Reduktion um 20 Prozent der Flotte bereits drei Jahre früher als geplant erreichen“, sagt Neil Palomba, Präsident von Costa Cruises.

Bis 2020 sollen 85 Schiffe mit Abgastechnik nachgerüstet sein

Die Reederei-Gruppe umfasst 28 Schiffe mit 85000 Betten. Dazu gehören auch 13 Schiffe der Rostocker Reederei Aida. Bis 2023 werden fünf Schiffe der Flotte mit LNG fahren. Fast alle Schiffen haben dann Anlagen zur Abgasreinigung. „Bis 2020 werden 85 Schiffe der Carnival-Gruppe mit 400 Anlagen nachgerüstet sein“, so Palomba. Derzeit sind 77 Schiffe mit 220 Anlagen ausgerüstet.

Elf LNG-Schiffe bestellt

Die neuen LNG-Schiffe der sogenannten Helios-Klasse wurden von der Meyer Werft in Papenburg entwickelt. Neun dieser Schiffe hat der amerikanische Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation bei der Meyer Werft für seine Reedereien Aida, Costa, P&O und Carnival Cruise Line. Zwei ähnliche Schiffe sind in Italien bei der Fincanieri-Gruppe für Princess Cruises in den USA bestellt worden.

Die in Turku gebaute „Costa Smeralda“ wird im August mit der Erprobung starten. Anfang Oktober soll die Übergabe sein. „Wir wollen dieses Schiff am 20. Oktober in Hamburg präsentieren. Es ist dann das erste LNG-Kreuzfahrtschiff in Hamburg“, sagt Neil Palomba.

Erste Präsentation in Hamburg

Auch wenn der Baufortschritt des Neubaus im Moment durch die Urlaubszeit leicht hinter dem Zeitplan liegt, ist die Werft zuversichtlich. „Wir werden den Rückstand aufholen und das Schiff pünktlich abliefern“, so Werftchef Jan Meyer am Dienstag in Turku.

Die Werft befindet sich seit August 2014 im Besitz der Meyer-Gruppe und wird gerade für 200 Millionen Euro modernisiert. „Und das bei laufendem Betrieb“, sagt Meyer. Die Belegschaft wurde von 1500 auf 2000 Mitarbeiter aufgestockt.