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Wirtschaft 1. umfassendes Gutachten über Baukosten
Nachrichten Wirtschaft 1. umfassendes Gutachten über Baukosten
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17:47 12.05.2019
Foto: Für Schleswig-Holstein gibt es jetzt erstmals ein umfassendes Gutachten, das einen Überblick über die Kostenfaktoren beim Bau neuer Wohnungen gibt. 
Für Schleswig-Holstein gibt es jetzt erstmals ein umfassendes Gutachten, das einen Überblick über die Kostenfaktoren beim Bau neuer Wohnungen gibt.  Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Für das Gutachten wurden 7130 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von gut 1,4 Milliarden Euro analysiert. Das entspricht fast einem Drittel der in den vergangenen drei Jahren im Land fertiggestellten Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Das Gutachten wird am Montag in Kiel auf einer Fachtagung des für Wohnungsbau zuständigen Innenministeriums vorgestellt.

Da zum Vergleich mehr als 30.000 bundesweit erfasste Wohnungen herangezogen wurden, reicht die Bedeutung der Arbeit weit über das Land hinaus. Das Innenministerium spricht von der bundesweit umfassendsten Studie zu Baukosten im Mietwohnungsbau.

Aus dem Gutachten geht hervor, dass die reinen Baukosten im Land weitgehend gleich hoch sind. Wesentliche Differenzen ergeben sich demnach aus den Grundstückskosten in der jeweiligen Region und unterschiedlichen Ansprüchen. So werden neue Häuser für Mietwohnungen im Hamburger Umland, in Kiel und Lübeck deutlich häufiger mit Tiefgaragen gebaut als in kleineren Städten. Damit wird es erheblich teurer.

Besser auf die Tiefgarage verzichten?

"Mit diesem Baukostengutachten setzen wir bundesweit Maßstäbe", sagte Innenminister Hans-Joachim Grote der dpa. "Erstmals können wir umfassend aufzeigen, welche Faktoren die Baukosten nach oben treiben." Das Gutachten gebe einen ausgezeichneten Überblick über die Kostenfaktoren im Wohnungs- und Hausbau. "Wir liefern damit eine Art Werkzeugkasten für die frühzeitige Planung." So könnten Bauherren bereits bei der Planung einschätzen, ob beispielsweise ein Keller oder eine Tiefgarage zwingend notwendig sind, oder ob aufgrund der dafür anfallenden Kosten darauf verzichtet werden kann.

"Um einen weiteren Impuls bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums zu setzen, wollen wir die Zuschüsse in der Wohnraumförderung erhöhen – und zwar um bis zu 125 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche", sagte Grote. Damit würde dann den Investoren in den Hochpreisregionen zusätzlich zu dem zinsgünstigen Förderdarlehen ein Zuschuss von insgesamt 375 Euro pro Quadratmeter Neubau-Wohnfläche zur Verfügung stehen. "Dies ist ein wichtiger Beitrag, um die Kosten für die Investoren in einem bezahlbaren Rahmen zu halten."

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Keine Überraschung: Die höchsten Baukosten wurden für die Inseln und das Hamburger Umland ermittelt. Im Landesmittel wurden an Errichtungskosten 2581 Euro je Quadratmeter Wohnfläche errechnet und an Grundstückskosten 246 Euro je Quadratmeter. Es geht aber auch billiger. Immerhin 20 Prozent der erfassten Projekte wurden mit Baukosten um 1800 Euro je Quadratmeter Wohnfläche verwirklicht. Gegenüber Hamburg lagen die Gesamtkosten im Landesdurchschnitt um ein Viertel niedriger.

Wohnungen in SH kleiner als im Bundesdurchschnitt

Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die bauliche Qualität im Neubau in Schleswig-Holstein unabhängig vom Standort hoch ist. Administrative Anforderungen fallen demnach aber sehr unterschiedlich aus. Zu den Ergebnissen gehört auch, dass öffentlich geförderte Neubauwohnungen meist einen höheren energetischen Standard aufweisen. Im Bundesvergleich kommt der Norden energetisch auch deshalb besser weg, weil die hier gebauten Wohnungen in den letzten Jahren um zehn Quadratmeter kleiner waren als in Deutschland insgesamt.

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Eine gute Nachricht für Mieter: Dem Gutachten zufolge hat die Wohnungswirtschaft im Land etwa seit 2015/2016 die stark gestiegenen Baukosten nicht im gleichen Maß auf die Neubaumieten umgelegt. Den Kommunen raten die Gutachter, eine "gezielte Baulandpolitik sowie ein vorausschauendes Grundstücksmanagement" zu betreiben, um ausreichend Bauland vorzuhalten. Dessen Knappheit gilt als eines der wichtigsten Hindernisse für mehr Wohnungsbau.

Im Hinblick auf die Kosten im Verhältnis zum Nutzen empfehlen die Gutachter, Standards zum Beispiel für Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Brand- und Schallschutz oder Sturm- und Schneesicherheit nicht weiter zu erhöhen. Das Qualitätsniveau sei bereits sehr hoch. Es sollte auch immer geprüft werden, ob Keller oder Tiefgarage tatsächlich benötigt werden.

Von dpa

Ulrich Metschies 12.05.2019
Anne Holbach 12.05.2019