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Wirtschaft Fachkräftemangel zwingt Gastronomie zu Ruhetagen
Nachrichten Wirtschaft Fachkräftemangel zwingt Gastronomie zu Ruhetagen
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09:25 08.11.2019
Von Ulrich Metschies
Ruhetage, gekürzte Speisekarten, eingeschränkte Öffnungszeiten: Das Gastgewerbe kämpft gegen Personalmangel. Quelle: Jens Büttner
Kiel

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der unbesetzten Stellen von 2014 bis 2019 um 431 auf 1365 gestiegen – ein Plus von 46 Prozent. Während größere Unternehmen den Mangel einigermaßen bewältigen können, bangen vor allem kleine Betriebe im ländlichen Raum um ihre Zukunft.

Personalsituation ist das größte Geschäftsrisiko

Von einer „sehr bedenklichen Entwicklung“ spricht die Industrie- und Handelskammer Kiel. Aktuell bewerten fast 80 Prozent der rund 5200 Betriebe im Land die Personalsituation als größtes Geschäftsrisiko: „Unsere Beherbergungsbetriebe berichten, dass sie für bestimmte Aufgaben, etwa Zimmerreinigung oder Küchentätigkeiten, kaum noch Personal finden“, sagt IHK-Tourismus-Expertin Julia Körner. Auch den Restaurants fehlten zunehmend geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Körner: „Zum Teil besteht der einzige Ausweg darin, die Öffnungszeiten zu reduzieren oder zusätzliche Ruhetage einzulegen.“ 

Gastronomie: Überstundenverbot für Auszubildende

Während die Arbeitgeber vor allem den demografischen Wandel und eine „Vernachlässigung der Ausbildung“ durch die Politik der vergangenen Jahre als Gründe für die Probleme nennen, sprechen die Gewerkschaften von einer „Spirale aus überhöhter Belastung, ausufernden Arbeitszeiten und hoher Personalfluktuation“. Viele Unternehmen würden Auszubildende als billige Arbeitskräfte ausnutzen. „Betriebe mit Vorbildcharakter werden wirtschaftlich durch Konkurrenten unter Druck gesetzt, die Azubis zur Senkung der Lohnquote nutzen“, sagt Philipp Thom von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Er fordert ein Überstundenverbot für Auszubildende, „damit diese in den Betrieben wieder das erhalten, was ihnen zusteht: Ausbildung“

Das Gastgewerbe in Schleswig-Holstein

In der Hotel- und Gaststättenbranche Schleswig-Holsteins gibt es laut Branchenverband Dehoga rund 5200 Betriebe mit mehr als 80 000 Beschäftigten. Landesweit bilden rund 400 gastronomische Unternehmen in sechs Ausbildungsberufen aus. Das Gastgewerbe ist der Hauptträger des Tourismus in Schleswig-Holstein. Der touristische Umsatz pro Jahr beträgt 5,2 Milliarden Euro.

In zusätzlichen Restriktionen sieht der Branchenverband Dehoga Schleswig-Holstein keine Lösung des Problems. Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis verweist darauf, dass minderjährige Auszubildende ohnehin keine Überstunden machen dürfen, volljährigen Azubis hingegen seien diese in Maßen zumutbar. 

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht im Kräftemangel einen „Flaschenhals“ für die Entwicklung des Tourismus in Schleswig-Holstein. Die Branche leide nach wie vor unter ihrem schlechten Image. Buchholz plädiert für die Anwerbung von Kräften in Drittstaaten und eine Verbesserung der Ausbildung. 

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