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Wirtschaft Land schickt Standort Itzehoe ins Rennen
Nachrichten Wirtschaft Land schickt Standort Itzehoe ins Rennen
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17:55 24.05.2019
Von Christian Hiersemenzel
Am Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) in Itzehoe soll die erste Batteriezell-Forschungsfabrik Deutschlands entstehen - wenn das Projekt den Zuschlag erhält. Quelle: GMSH
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Kiel/Itzehoe

Baden-Württemberg und Niedersachsen gelten aufgrund ihrer Automobilindustrie als Favoriten, doch auch Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind eine starke Konkurrenz. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) will die Entscheidung spätestens am 8. Juli verkünden.

Batteriezellen gelten als Schlüsseltechnologie der Elektromobilität. Derzeit kommen allerdings 84 Prozent der Batterien aus Asien, und die Bundesregierung will diese Abhängigkeit durchbrechen. Das aktuelle Projekt wird vom Bund großzügig mit 550 Millionen Euro gefördert. Sollte Itzehoe den Zuschlag erhalten, würde das Land den Bau der Forschungsfertigung mit weiteren 145 Millionen Euro unterstützen, zehn Millionen Euro kämen vom Kreis Steinburg, fünf Millionen von der Stadt.

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Rohlfs: "Jetzt erst recht!"

Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) sprach am Freitag von einer Riesenchance, die Produktion von Batterien mit grüner Energie zu verknüpfen. Die in Europa angestrebte Mobilitätswende sei nur dann konsequent, wenn Batterien mit sauberem Strom produziert werden. Schleswig-Holsteins Westküste habe mit ihrer Windkraft das Potenzial, einer der führenden Industriestandorte der Zukunft zu werden. Die Ausschreibung des Bundesforschungsministeriums sei „nicht unbedingt“ für die kleineren Bundesländer konzipiert worden, sagte Rohlfs und sprach von einem Jetzt-erst-recht-Gefühl. „Wir haben eine reelle Chance. Die wollen wir nutzen.“

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Die CO2-freie Energieversorgung aus Wind- und Solarenergie sowie Biogas sei sozusagen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung, stellte Isit-Chef Axel Müller-Groeling fest. „Sonst kann man sich alle anderen Argumente abschminken.“ Schleswig-Holstein will seinen Anteil Erneuerbarer Energien in den nächsten sechs Jahren drastisch erhöhen. Die zehn Gigawatt, die allein mit Onshore-Windrädern erzeugt werden, entsprechen in etwa der Menge der einstigen drei Kernkraftwerke im Norden. Durch ein intelligentes Versorgungskonzept könne ein Teil der Erneuerbaren für die Forschungsfabrik genutzt werden.

Mindestens 100 Fachkräfte würden benötigt

Müller-Groeling wies auf die Nähe zur Hansestadt Hamburg mit ihrem Flughafen, der unmittelbaren Anbindung an die Autobahn 23 und den Hafen von Brunsbüttel hin. Logistisch sei das ideal. Man verfüge am Standort über die nötigen räumlichen Kapazitäten und gemeinsam mit der am Isit ansässigen US-Firma Vishay nicht zuletzt über einen etablierten Personalstamm von 140 Wissenschaftlern und Fachkräften. Man werde mindestens weitere 100 Fachkräfte benötigen, wovon ein großer Teil Mikrotechnologen, Fertigungstechniker und Mechatroniker sein sollen. Angesichts des Fachkräftemangels sei das eine Herausforderung.

Staatssekretär Rohlfs versprach, dass die Landesregierung für die Bewerbung kämpfen werde. „Die Zeit der Bescheidenheit ist für Schleswig-Holstein in Berlin vorbei.“ Allerdings hoffe er, dass am Ende nicht nach politischen, strukturell-kompensatorischen Gesichtspunkten entschieden werde. „Da hilft es, wenn das andere Bundesländer genauso sehen.“ Schleswig-Holstein wird von Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt.