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Wirtschaft Ölbohrpläne liegen auf Eis
Nachrichten Wirtschaft Ölbohrpläne liegen auf Eis
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20:18 19.12.2014
Von Ulrich Metschies
RWE Dea will die Ölbohrplattform Mittelplate in der Nordsee weiter betreiben. Quelle: RWE Dea AG
Kiel

Sowohl RWE Dea als auch das kanadische Explorationsunternehmen PRD Energy legen ihre Förderpläne vorerst zu den Akten. „Vor dem Hintergrund der neuen Rahmenbedingungen müssen wir unsere Vorhaben neu auf den Prüfstand stellen“, sagte RWE-Dea-Sprecher Derek Mösche – und fügte hinzu: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Investitionen zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich sind, ist deutlich gesunken.“ Während Niedersachsen auf die Talfahrt des Ölpreises mit einer Senkung des Förderzinses reagiert habe, verhalte sich Schleswig-Holstein mit seiner Erhöhung „wirtschaftsfeindlich.“

Im April 2013 hatte RWE Dea mit der Ankündigung, drei Altfelder reaktivieren zu wollen, bei Anwohnern, Kommunalpolitikern und Umweltschützern im Großraum Kiel erhebliche Unruhe ausgelöst. Zu den Feldern Plön-Ost, Preetz und Schwedeneck-See kam kurze Zeit später noch das Gebiet Warnau hinzu. Insgesamt sah RWE Dea für die Produktion aus Altfeldern ein Potenzial von 360000 Tonnen in zehn Jahren. Zum Vergleich: In der Mittelplate, dem größten Erdölfeld Deutschlands, fördert der Konzern 1,38 Millionen Tonnen jährlich.

PRD Energy hält in Schleswig-Holstein fünf Erkundungserlaubnisse und eine Produktionsbewilligung, unter anderem in den Bereichen Elmshorn, Bad Bramstedt und Reinbek. Auch das rund 25 Kilometer lange Feld Gettorf haben die Kanadier auf dem Radar. Nun jedoch sollen die Aktivitäten ruhen – zunächst für ein Jahr. Beliebig lange abwarten können die Firmen nicht, da die Erkundungslizenzen auf fünf Jahre befristet sind.

Anders als RWE und PRD hat Max Streicher seine Schleswig-Holstein-Aktivitäten offenbar komplett beerdigt: Das bayerische Unternehmen kündigte dem Energieministerium in Kiel an, seine Aufsuchungserlaubnis für das Feld Rosenkranz-Nord zurückzugeben. Das Gebiet liegt in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg. Die „Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen“ war durch das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie zum 1. April 2013 erteilt worden und galt für fünf Jahre.

Weiterhin im „grünen Bereich“ sieht sich Central Anglia, ein deutsch-norwegisches Unternehmen, das bei Sterup (Kreis Schleswig-Flensburg) nach Öl bohren will: „Allerdings war auch für uns die Erhöhung des Förderzinses ein Schock“, sagte Mitgesellschafter Reinhard Gast. Wie die anderen Förderfirmen auch betont Central Anglia, auf das umstrittene Fracking verzichten zu wollen.

Mit dem Argument der Ressourcen-Schonung hatte Energieminister Robert Habeck (Grüne) Anfang Dezember angekündigt, den Erdölförderzins – also den Anteil des Marktwertes, den die Förderunternehmen an das Land abtreten müssen – auf den Höchstwert von 40 Prozent zu erhöhen: „Sollte ein Unternehmen zu der Entscheidung kommen, dass eine Förderung sich nicht lohnt, akzeptieren wir dies selbstverständlich.“

Bei den Kritikern der Förderpläne ist die Erleichterung groß. Für Reinhard Knof, Sprecher der „Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager“, ist der Teilrückzug der Förderfirmen ein „Etappensieg gegen umweltgefährdende Öl- und Gasgewinnung in Schleswig-Holstein“. Von Entwarnung jedoch wollte er nicht sprechen: „Sobald der Widerstand nachlässt, werden die Unternehmen es erneut versuchen.“

Bereits in den 80er Jahren hatte RWE Dea unter anderem die Erdöl-Lagerstätte Schwedeneck-See erschlossen. Sinkende Fördermengen und ein niedriger Ölpreis führten im Jahr 2000 zur Einstellung der Produktion.