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Wirtschaft Bauern hoffen auf Regen
Nachrichten Wirtschaft Bauern hoffen auf Regen
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17:29 21.04.2020
Ein Landwirt fährt mit einem Traktor über eine trockene Ackerfläche. Die Trockenheit der vergangenen Wochen macht den Bauern zunehmend zu schaffen.  Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Rendsburg

Schleswig-Holsteins Bauern hoffen auf Regen. Die nach der ausgiebigen Nässeperiode im Januar und Februar bereits seit Wochen andauernde Phase ohne nennenswerte Niederschläge mit viel Sonne und zum Teil starken Winden hat Äcker und Felder nach Angaben der Landwirtschaftskammer ausgetrocknet. Davon zeugen unter anderem tiefe Schrumpfungsrisse in Böden. «Die Bodenwasservorräte wurden durch die starken Niederschläge im Januar und Februar bis zum Einsetzen des Wachstums nur im Oberboden aufgefüllt», sagte Kammersprecherin Daniela Rixen.

An einigen Standorten können die Pflanzen noch vom tiefer im Boden gespeichertem Wasser der Winterniederschläge zehren, sagte Rixen. Das trockene Wetter der vergangenen Wochen verschärfe allerdings zunehmend die Wasserverfügbarkeit. «Erste Bestände von Wintergetreide auf leichteren Böden zeigen bereits Reduktionen des Blattapparates aufgrund der trockenen Bedingungen.»

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An vielen Standorten seien die oberen Bodenschichten stark verkrustet und ausgetrocknet. Das mache auch Probleme beim Düngen. Ohne relevante Niederschlagsmengen sei es nicht möglich, wichtige Nährstoffe über die Düngung an die Pflanzenwurzel zu bringen. Für die Bauern bedeutet das, sehnlichst auf den nächsten Regen zu warten. «Weil das Wasser fehlt, sorgen sich bereits einige Landwirte, ob 2020 droht, ein extremes Jahr mit Futterknappheit zu werden wie 2018.»

Auch das Gras für Futterzwecke will nicht so recht wachsen. «Es hat zwar hohe Qualität, leidet aber unter Wassermangel», sagte Rixen. So sorgen sonnenreiche Tage und kühle Nachttemperaturen nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer für einen hohen Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten. «Unsere Experten sind der Meinung, dass teilweise auf ganz trockenen Standorten das Gras schon geerntet werden müsste - auch dort, wo die optimale Schnittreife noch nicht ganz erreicht ist», sagte Rixen.

Aktuell mittlere Waldbrandgefahr

Probleme bereitet den Landwirten derzeit auch die Kombination aus Trockenheit und Wind. «Besonders die sandigen Ackerflächen der Geest neigen zur Winderosion», sagte Rixen. Um die Winderosion zu mindern, sollten sie die Bodenbearbeitung nach den Prognosen des Agrarwetterdienstes organisieren. Dafür können sie nach Angaben der Landwirtschaftskammer für landwirtschaftliche Betriebe das frei nutzbare Portal «Isabel» des Deutschen Wetterdienstes nutzen. Neben dem Schutz der eigenen Felder könne so auch eine Gefährdung des Straßenverkehrs im ackernahen Bereich vermieden werden.

Nach Angaben der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten besteht aktuell eine mittlere Waldbrandgefahr. «Das wird in den kommenden Tagen auch so bleiben», sagte Sprecher Ionut Huma. «Das bedeutet konkret, dass wir uns zwar nicht in Alarmbereitschaft befinden, aber aufmerksam die Situation beobachten müssen.» Im Vergleich mit anderen Waldbesitzern sei es bei den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten «angespannt, aber noch relativ ruhig. Insbesondere, da unsere Waldstruktur mit hohen Anteilen Laub- und Mischwald bei weitem nicht so brandgefährdet ist wie reine Nadelwälder, ist die Gefahr in Schleswig-Holstein geringer als in vielen anderen Bundesländern.» Das könne sich aufgrund der ausgetrockneten Böden und anhaltenden Trockenheit aber ändern.

In Gebieten ist das Betreten der Wälder untersagt

Entsprechend warnte der Landesfeuerwehrverband, dass landesweit die Stufe 3 und teilweise bereits die Stufe 4 - zweithöchste Stufe einer Waldbrandgefahr - erreicht sei beziehungsweise in den nächsten Tagen zu erwarten sei, sagte LFV-Sprecher Holger Bauer. Die Gefahrenlage wird in Waldbrandwarnstufen angegeben, die von Stufe 1 mit sehr geringer Gefahr bis zur höchsten Waldbrandwarnstufe 5 abgestuft sind. Ab Stufe 3 kann das Verlassen der Wege untersagt werden, ab Stufe 4 können bestimmte Areale sogar ganz gesperrt werden. Damit soll verhindert werden, dass durch fahrlässiges Verhalten ein Waldbrand ausgelöst wird. In einigen Gebieten sei das Betreten der Wälder bereits untersagt, sagte Feuerwehrsprecher Bauer.

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Von RND/lno