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17:39 21.06.2019
Von Anne Holbach
Foto: Stürmische Zeiten für die Senvion-Mitarbeiter: Zumindest die Gehälter im Juli sollen sicher sein. 
Stürmische Zeiten für die Senvion-Mitarbeiter: Zumindest die Gehälter im Juli sollen sicher sein.  Quelle: Joerg Boethling
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Osterrönfeld/Hamburg

Es soll sowohl Kandidaten geben, die sich eine Übernahme des gesamten Unternehmens vorstellen können, als auch den Kauf von substanziellen Teilen. Die Bieterfrist war am Montag abgelaufen. Konkrete Namen sollen nicht gefallen sein. 

Gamesa und Toshiba werden gehandelt

Das „Manager Magazin“ hatte in Berufung auf Verhandlungskreise die Siemens-Tochter Gamesa und den japanischen Konzern Toshiba ins Gespräch gebracht. Demnach soll auch der US-Finanzinvestor Blackstone interessiert sein. Senvion wollte sich auf Anfrage nicht zum Verkaufsprozess äußern.

Wir erwarten von jedem Investor, dass er ein langfristiges und industrielles Konzept für das Unternehmen mitbringt“, so Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Entscheidend ist für uns, dass möglichst viele Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie die Standorte erhalten bleiben.“

IG Metall: Auswirkungen auf Mitarbeiter noch nicht abschätzbar

Für eine Beurteilung der möglichen Investoren sei es zu früh: „Wir kennen bisher weder die Namen noch die Erwerberkonzepte. Deshalb lassen sich auch die Auswirkungen auf die Beschäftigten noch nicht abschätzen.“

Laut Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg müssten sich die Beschäftigten aber darauf einstellen, dass es zu Einschnitten beim Personal komme. In Osterrönfeld und Büdelsdorf sind rund 1000 Menschen bei Senvion beschäftigt.

Gehälter im Juli sicher

Große Erleichterung gab es demnach, weil Senvion die Juli-Gehälter offensichtlich aus Eigenmitteln bezahlen kann. Das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit, das die vergangenen drei Monate den Lohn der Mitarbeiter abgesichert hatte, läuft Ende Juni aus.

„Die Frage ist: Bis wann kann der Verkauf abgewickelt werden?“, sagt Bitter. Angepeilt ist nach Informationen unserer Zeitung dafür Ende September. Das heißt, das Unternehmen müsste noch zwei Monate finanziell überbrücken. Dafür wäre ein weiterer Kredit nötig.

Länder prüfen Bürgschaft "ergebnisoffen"

Wichtig sei, dass die Verhandlungen darüber zügig abgeschlossen würden, so Geiken. Erfreulich sei, dass sich die Regierungen in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein bereit erklärt hätten, die Absicherung des Massekredits durch Bürgschaften zu prüfen.

Aus dem Kieler Wirtschaftsministerium heißt es, es habe auf Fachebene erste Gespräche zwischen den Ländern gegeben. „Wir prüfen – ergebnisoffen – die Möglichkeiten einer Landesbürgschaft, die ja vom möglichen Investor und dessen Konzept abhängt“, so ein Sprecher. Die Federführung liege aber in Hamburg.