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Wirtschaft Im Windland boomt die Sonnenkraft
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14:59 13.08.2019
Von Ulrich Metschies
Der Solarpark bei Felde.
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Nach schwierigen Jahren blickt die Branche in Deutschland wieder in eine sonnige Zukunft. Weil die Preise für die Technik durch Massenimporte aus China auf einen Bruchteil früherer Jahre geschrumpft sind, sind Solaranlagen auf Freiflächen nicht nur eine reizvolle Anlagealternative für Landwirte und andere Privatinvestoren, sondern auch für große Projektentwickler.

Schleswig-Holstein: Enerparc AG hat zehn Solarparks gebaut

Beispiel: die Hamburger Enerparc AG. Bereits zehn Solarparks hat das international agierende Unternehmen in Schleswig-Holstein gebaut. Die Firma ist auch Betreiber der Anlagen. Zwei weitere Projekte stehen unmittelbar vor Baubeginn, fünf Parks seien „konkret in Planung“. Allein im vergangenen Jahr sind landesweit insgesamt neun Anlagen mit einer Leistung von jeweils mehr als einem Megawatt ans Netz gegangen, rund 135 sind es damit insgesamt. Und die Entwicklung zeigt steil aufwärts, allein bei Enerparc hat man derzeit „einigen Dutzend Projekte“ auf dem Radar.

Solarenergie im windigen Norden? Der schleswig-holsteinische Geestrücken sei sicherlich nicht spitze beim Ertrag, räumt Enerparc-Vorstand Stefan Müller ein. Doch dieser Standort biete eine Reihe anderer Vorteile: vergleichsweise geringere Bodenertragswerte und damit niedrigere Pachten, flache Topographie und gute Bebaubarkeit zum Beispiel. Dass die Sonne derzeit nur fünf Prozent zur regenerativen Energieerzeugung in Schleswig-Holstein beisteuert, ist aus Müllers Sicht eine Momentaufnahme: „Photovoltaik-Freiflächen werden kurzfristig zum Arbeitspferd der Energiewende aufsteigen.“

Solarpark: Schleswig-Holstein bietet ausgezeichnete Voraussetzungen

Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, müsste es nach Berechnungen des Bundesverbandes Solar einen jährlichen Zubau von etwa zehn Gigawatt Photovoltaik geben. „Wir werden die jährlich installierte Leistung etwa vervierfachen müssen“, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Die Solarbranche geht deshalb davon aus, dass die Bundesregierung das Ausbauziel für Sonnenenergie heraufsetzen wird. Bislang lag es bei 2,5 Gigawatt im Jahr. Bis 2020 könnte Sonnenenergie nach Verbandsschätzung etwa zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs decken. Als relativ dünn besiedeltes Flächenland biete Schleswig-Holstein „ausgezeichnete Voraussetzungen“ für große Photovoltaikanlagen. Die Einstrahlungswerte und damit die Solarstromernten stünden denen im Süden kaum nach. Auch in Norddeutschland lasse sich „sehr günstig“ Solarstrom erzeugen: „Hier besteht erheblicher Nachholbedarf.“

Neuer Solarpark in Bredenbek

Das sieht auch der Kieler Unternehmensberater und Solarexperte Gerrit Müller-Rüster so: „Im Vergleich zu Süddeutschland haben wir hier zwar vielleicht weniger Sonne. Man muss im Wettbewerb aber immer berücksichtigen, dass die Flächen auch da sein müssen.“ Müller-Rüster berät unter anderem den Landwirt Detlef Decke bei der Realisierung eines Solarparkes in Bredenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde). In der vergangenen Woche hatte die Gemeindevertretung den Aufstellungsbeschluss für das Projekt gefasst, und damit den Weg für die Realisierung geebnet. Mit einer Leistung von jährlich zehn Megawattstunden könnten die knapp 35000 Module etwa 2500 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.

Gas geben beim Ausbau der Solarenergie will auch Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne): „Photovoltaik ist eine wichtige Säule der Energiewende in Schleswig-Holstein.“ Nachholbedarf sieht er vor allem im öffentlich Bereich. Der vom Bund eingezogene Ausbaudeckel von 52 Gigawatt müsse gelockert werden. Gleichzeitig fordert Albrecht die Bundesregierung auf, ein funktionierendes Mieterstrommodell zu etablieren, um den weiteren Zubau von Gebäudeanlagen zu stimulieren.

Gas geben beim Ausbau der Solarenergie

Mehr als 46 Gigawatt (GW) Solar-Leistung wurden bundesweit bislang installiert. Das entspricht der Bruttoleistung von gut 50 großen Kohlekraftwerken und macht Deutschland zum Solarstromland Nummer eins in Europa und zur Nummer vier weltweit. Der Boom wurde aber teuer erkauft – vor allem in den Anfängen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): 2002 bekamen die Investoren eine Garantie, dass sie ihren Strom jahrelang für 48 Cent die Kilowattstunde einspeisen dürfen. Heute bekommen die Betreiber von Photovoltaikanlagen je nach Größe nur noch bis zu 11,47 Cent. Größere Photovoltaikanlagen ab einer Leistung von 750 Kilowatt müssen sich jedoch in freien Ausschreibungen um die staatlichen Fördergelder bewerben. Hier lag der Mittelwert im vergangenen Jahr nur noch bei 4,69 Cent pro Kilowattstunde.

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