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Wirtschaft Spediteure verlangen Stau-Gebühr
Nachrichten Wirtschaft Spediteure verlangen Stau-Gebühr
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07:00 01.07.2014
Von Jan von Schmidt-Phiseldeck
Etliche Speditionen verlangen jetzt von ihren Kunden eine zusätzliche Stau-Transportgebühr von 75 Euro pro Fahrt. Quelle: dpa
Kiel

Thomas Rackow, Geschäftsführer des Logistikverbandes Schleswig-Holstein, hält einen Zuschlag „in der Sache für richtig“. Die Zuspitzung von Verkehrsengpässen in Schleswig-Holstein und im Nadelöhr Hamburg bedeute, dass das Zeitfenster für Lkw-Fahrer immer enger werde. „Die Unternehmen müssen reagieren, eine Zusatzgebühr ist der erste Schritt“, so Rackow. Sein Verband werde noch vor den Sommerferien ein Gespräch mit dem Verkehrsminister führen, um über Baustellenmanagement und zusätzliche Fahrzeitfenster für die Branche zu diskutieren: „Die Regelungen des Sonntags- und Ferienfahrverbotes müssen auf den Prüfstand“, fordert Rackow.

 Das unterstreicht auch Christian Carstensen von der gleichnamigen Spedition in Flensburg. Das Ferienfahrverbot sei ein „großes Problem“ und würde die Situation der immer häufigeren Standzeiten der Lkw zusätzlich verschärfen: „Urlauber dürfen fahren und wir nicht – das passt doch nicht zusammen“, sagt Carstensen. Sein Unternehmen mit etwa 115 Fahrzeugen werde deshalb eine Zusatzgebühr erheben müssen, wenn sich Engpässe auf den Autobahnen weiter verschärfen würden.

 Solche Zusatzkosten, die jetzt „Hausspediteur“ Voigt Logistik aus Neumünster ab dem 1. August angekündigt hat, ärgern Oliver Tauffenbach, Geschäftsführer von Adolf Nissen Elektrobau aus Tönning: „Wir sind auf Produkte aus Fernost angewiesen, da tut jeder Euro in der Kalkulation weh.“ Voigt hatte die als „temporär“ gekennzeichnete Extragebühr mit der angespannten Verkehrs- und Abfertigungssituation im Hamburger Hafen sowie Baumaßnahmen am Elbtunnel und der A7 begründet. Sebastian Schulze vom Unternehmensverband Nord wertet diesen Schritt einiger Speditionen als „Alarmzeichen“ für die Wirtschaft: „Die Verkehrssituation muss so schnell wie möglich verbessert werden, damit unsere Unternehmen im Wettbewerb bestehen können.“

 Für Minister Meyer, der einer Lockerung der bundesweit geltenden Lkw-Fahrverbotsregeln kritisch gegenübersteht, könnten Kooperationen der Transportunternehmen und das Ausweichen vom Hafen Hamburg auf den Jade-Weser-Port die Lage entschärfen: „Das birgt sicherlich noch Potenzial – auch ohne eine Aufhebung des Sonntagfahrverbots.“