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Wirtschaft Geht es beim Gas nicht günstiger, Herr Meier?
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Stadtwerke Kiel: Eisfestival streichen würde Gaskunden nicht helfen

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18:00 30.11.2021
Von Ulrich Metschies
Heizen mit Gas wird kräftig teurer – auch die Stadtwerke Kiel heben die Preise an. Das Eisfestival streichen? Das würde nichts bringen, sagt Vorstandschef Frank Meier.
Heizen mit Gas wird kräftig teurer – auch die Stadtwerke Kiel heben die Preise an. Das Eisfestival streichen? Das würde nichts bringen, sagt Vorstandschef Frank Meier. Quelle: Patrick Pleul
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Kiel

Das wird ein teurer Winter für die Gaskunden in Deutschland. Auch die Stadtwerke Kiel geben einen Teil der rasant gestiegenen Beschaffungskosten an die Haushalte weiter. Wäre es nicht naheliegend, die lange Liste von Nice-to-have-Angeboten auf den Prüfstand zu stellen – vom Segelcamp über das Eisfestival bis zum Energieunterricht in der Grundschule –, bevor man finanziell ohnehin gestressten Kunden eine Preiserhöhung ins Haus schickt? Stadtwerke-Chef Frank Meier sagt im Interview, warum diese Rechnung nicht aufgeht.

Herr Meier, die Gaspreise gehen durch die Decke. Auch die Stadtwerke Kiel heben die Tarife an. Warum geht es nicht anders?

Frank Meier: Die Börsenpreise für Gas haben sich innerhalb weniger Monate vervielfacht. Auch andere Faktoren treiben die Kosten, wie etwa der steigende CO2-Preis. Von diesem Anstieg geben wir nur einen Bruchteil an unsere Kundinnen und Kunden weiter. Wir können die Entwicklung abfedern, weil wir unsere Gasbeschaffung langfristig organisieren. Aber ganz ohne Erhöhung kommen auch wir nicht aus.

Aber die Stadtwerke verdienen gutes Geld, haben im vergangenen Geschäftsjahr sogar ein Rekordergebnis eingefahren. Hätten Sie da nicht auf eine Gaspreiserhöhung verzichten können? Schließlich wissen viele Kunden schon jetzt kaum, wie sie ihre Energierechnung bezahlen sollen.

Als Wirtschaftsunternehmen können wir unsere Leistungen nicht unter Kosten verkaufen. Bei der Kalkulation der Preise orientieren wir uns an der Kostensituation. Wir können Gas nicht für 100 einkaufen und für 90 verkaufen. Ja, wir haben ein sehr gutes Ergebnis erzielt – vor allem dank Küstenkraftwerk und Gasspeicher. Aber wir können den Gaspreis nicht aus anderen Geschäftsbereichen quersubventionieren.

Warum nicht?

Das macht erstens wirtschaftlich keinen Sinn. Ein Bäcker würde auch nicht bei steigenden Mehlpreisen seine Brötchen günstiger anbieten, nur weil er im Getränkeverkauf gut verdient. Zweitens würden wir bei so einer wettbewerbsverzerrenden Politik Ärger mit dem Kartellamt bekommen. Wir haben für alle Sparten eine verursachungsgerechte interne Kostenkalkulation, und dazu sind wir auch durch unsere Aufsichtsbehörde gezwungen – etwa bei der Berechnung der Netzentgelte.

Aber es ist ja Geld da. Geld, das Sie zum Beispiel auch ausgeben für ein Eisfestival, für ein Segelcamp und vieles anderes, was der Region sicher guttut, was aber auch kostet. Warum profitieren von diesem Geld nicht die Kunden?

Das tun sie ja. Jeder profitiert auch von unserem sozialen Engagement.

Ich denke mehr an den Gaskunden mit knappem Budget.

Dem würde es überhaupt nicht helfen, wenn wir etwa das Eisfestival streichen. Dessen Finanzierung geht zulasten unseres Ergebnisses und damit eher zulasten der Anteilseigner. Um es ganz klar zu sagen: Kosten für unser gesellschaftliches Engagement spielen bei der Kalkulation von Strom-, Gas- oder Wärmepreisen keine Rolle. Selbst wenn es anders wäre, wenn wir also die Kosten für das Eisfestival und andere Aktivitäten in die Preiskalkulation einfließen lassen würden, würden die Kunden davon rein gar nichts mitbekommen. Denn auch, wenn wir uns stark gesellschaftlich engagieren: In Relation zum Umsatz fallen die Kosten dafür kaum ins Gewicht.

Was heißt das konkret?

Insgesamt belaufen sich die Kosten für unser soziales Engagement – vom Camp 24/7 über das Eisfestival bis zum Energieunterricht in den Grundschulen – auf grob gerechnet gerade einmal 0,05 Prozent vom Umsatz.

Bei etwa 500 Millionen Euro Umsatz wäre das also etwa eine Viertelmillion im Jahr?

Das ist eine sehr grobe Rechnung. Wir möchten mit einer Summe nicht hausieren gehen. Ich wehre mich auch gegen dieses Denken, dass man doch einfach bei gesellschaftlichen Ausgaben den Rotstift ansetzen kann, und dann wird schon alles billiger. Unsere sozialen Aktivitäten ermöglichen Angebote in der Stadt, die ohne uns nicht umgesetzt werden könnten. Für eine lebenswerte Region bedarf es Unternehmen, die sich entsprechend engagieren. Dieser Verantwortung stellen wir uns. Es ist einfach zu kurz gesprungen, zu sagen: Lass’ uns doch auf Sponsoring verzichten, und dafür Gas oder Wasser oder E-Mobilität oder welche Leistung auch immer billiger machen. Bei rund 500 000 Kundenverträgen würde dieser Effekt total verpuffen.

Wie wichtig ist soziales Engagement, um sich im Wettbewerb unterscheidbar zu machen?

Diejenigen, denen es nur darum geht, 100 Euro im Jahr zu sparen, die werden wir damit nicht beeindrucken. Die hoppeln in jedem Jahr zum billigsten Anbieter – und gehen trotzdem zum Eisfestival. Es gibt aber eine große Zahl von Kundinnen und Kunden, die wertschätzen sehr wohl, was wir als Unternehmen machen und welche Bedeutung wir für die Region haben.

Wie würden Sie denn diese Bedeutung beschreiben?

Wo soll man da ansetzen? Wir sichern die Versorgung mit existenziellen Gütern: Strom, Gas, Wasser, Fernwärme. Wir stellen Infrastruktur bereit – für die Daseinsvorsorge, aber auch, damit der Wettbewerb funktioniert. Wir investieren in klimafreundliche Energielösungen und E-Mobilität. Was viele nicht wissen: Wir zahlen unseren Eigentümern eine Dividende – das sind für das vergangene Geschäftsjahr allein 11,5 Millionen Euro für die Landeshauptstadt Kiel. Und ich vermute mal, dass wir mit fast sieben Millionen Euro einer der größten Gewerbesteuerzahler Kiels sind. Das alles ändert aber natürlich nichts daran, dass wir uns im knallharten Wettbewerb behaupten müssen.

Wie viele Kunden haben die Stadtwerke seit der Liberalisierung vor gut 20 Jahren verloren?

Unter dem Strich etwa ein Drittel. Am Anfang haben wir eigentlich nur verloren, doch mittlerweile halten Kundenverluste- und -gewinne sich die Waage. Wir sind gut dabei, selbstbewusst und zuversichtlich.