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Wirtschaft Nur 200 Stellen sollen in Kiel bleiben
Nachrichten Wirtschaft Nur 200 Stellen sollen in Kiel bleiben
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18:35 11.12.2018
Von Ulrich Metschies
Foto: Betriebsversammlung: Die Mitarbeiter der HSH Nordbank trafen am Morgen in der Halle400 in Kiel ein.
Betriebsversammlung: Die Mitarbeiter der HSH Nordbank trafen am Morgen in der Halle400 in Kiel ein. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Das Milliardengrab HSH Nordbank ist seit Ende November nicht mehr Eigentum der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Seitdem befürchten vor allem die Mitarbeiter in Kiel einen drastischen Personalabbau.  Dieser hat sich jetzt bestätigt. 

Das wurde auf der Betriebsversammlung besprochen

Wie es nach der Privatisierung der HSH Nordbank weitergeht, erfuhren die Mitarbeiter am Dienstag auf einer Betriebsversammlung in der Halle 400. Die wichtigsten Informationen im Überblick:

  • Vorstandschef Stefan Ermisch bleibt an der Spitze des Instituts und soll nach Informationen der Kieler Nachrichten einen neuen Dreijahresvertrag erhalten. Der Aufsichtsrat wird ausgewechselt, den Vorsitz übernimmt der spanische Banker Juan Rodríguez Inciarte.
  • Die Betriebsratsvorsitzende der HSH Nordbank, Simone Graf sagte den Kieler Nachrichten, dass von den jetzt über 700 Mitarbeitern letztlich nur 200 in einem Nebengebäude der jetztigen HSH Nordbank in Kiel bleiben werden. Offen ist, ob dies Mitarbeiter sein werden, die bereits am Standort Kiel gearbeitet haben oder sie zum Teil vom Standort Hamburg nach Kiel wechseln.
  • Ungefähr 300 Stellen werden zwischen den beiden Standorten gewechselt. 
  • Vorgesehen ist auch, dass von mehr als 180 IT-Mitarbeitern etwa 60 in der HSH Nordbank bleiben, sagte Graf. Gut 100 sollen zu einem Provider wechseln. Wer das sein wird, stehe noch nicht fest. Die 100 IT-Mitarbeiter sollen über den neuen Arbeitgeber aber weiter am Standort Kiel für die HSH Nordbank arbeiten.
  • Künftig sollen am Standort Hamburg noch 640 bis 670 Mitarbeiter arbeiten und in Kiel 190 bis 220. Der Rest ist im Ausland und an anderen Standorten in Deutschland.
  • Der Stellenabbau zieht sich durch alle Bereiche und Ebenen der Bank. Er sei wesentlich darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Aufgaben wegfallen und schlicht nicht mehr erledigt werden müssten, wie zum Beispiel das Management der komplizierten Ländergarantie und zahlreiche abgegebene Schiffskredite und andere Altlasten.
  • Lediglich 215 der Stellen würden zur Effizienzsteigerung abgebaut.
  • Am Ende werde die neue Hamburg Commercial Bank noch rund 930 Mitarbeiter beschäftigen, umgerechnet auf Vollzeitstellen.
  • Unklar blieb zunächst, in welchem Zeitraum der Stellenabbau vollzogen werden soll. Ebenso die genaue Rechnung, wie viele Arbeitsplätze bei der HSH Nordbank insgesamt wegfallen werden.
  • Fest stand bereits Ende November, dass Kiel seinen Status als gleichberechtigter Sitz verliert und dass das markante Hochhaus in der City verkauft werden soll. 

Gedrückte Stimmung nach der Betriebsversammlung

Simone Graf zeigte sich nach der Betriebsversammlung der HSH Nordban sehr betroffen und war den Tränen nahe. "Ich bin traurig, was aus dieser einst stolzen Bank wurde", sagte sie KN-online. Die Stimmung nach der Betriebsversammlung sei extrem schlecht.

„Es war eine sehr emotionale Veranstaltung“, sagte Betriebsratsvorsitzende Simone Graf. „Es sind viele Tränen geflossen.“  Für den Standort Hamburg war für den Nachmittag eine Betriebsversammlung angesetzt

Aus der HSH Nordbank wird die Hamburg Commercial Bank

Die HSH Nordbank war im Juni 2003 aus den Landesbanken in Hamburg und Kiel entstanden. Nachdem die Bank zwei Mal von den Ländern vor der Insolvenz gerettet wurde, musste sie auf Anweisung der EU-Kommission verkauft oder abgewickelt werden.

Zehn Monate nach Abschluss der Kaufverträge haben die Vertragspartner im November 2018 in einem Hamburger Notariat die sogenannte Closing-Vereinbarung unterschrieben. Damit geht die HSH Nordbank für einen Kaufpreis von einer Milliarde Euro an eine Gruppe von Investmentfonds, darunter die US-Finanzgrößen Cerberus und Flowers. Die HSH Nordbank wird ab Februar dann Hamburg Commercial Bank heißen.

Nach der Privatisierung bleiben allein die Steuerzahler in Schleswig-Holstein auf einem Schaden von mindestens 5,4 Milliarden Euro sitzen – im schlimmsten Fall können es mehr als sieben Milliarden werden. Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sprach im November deshalb auch von einem Desaster, das sich niemals wiederholen dürfe.

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