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Wirtschaft Streit um Abgasreinigung
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14:56 13.03.2015
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Abgaswäscher sind nach einer Studie im Auftrag des Naturschutzbundes Nabu keine umweltfreundliche Lösung, um Schadstoffe aus dem Schiffsverkehr zu reduzieren. Quelle: Frank Behling
Hamburg/Kiel

Abgaswäscher sind nach einer Studie im Auftrag des Naturschutzbundes Nabu keine umweltfreundliche Lösung, um Schadstoffe aus dem Schiffsverkehr zu reduzieren. Die ökologischen Risiken der sogenannten Scrubber würden ignoriert, während die wirtschaftlichen Erwartungen überschätzt werden, teilte der Nabu am Freitag in Hamburg mit. Der Reederverband widersprach den Umweltschützern. Scrubber sind Entschwefelungsanlagen, die dem Abgas des Schiffes die Schadstoffe entziehen.

Je nach Art des Scrubbers sei nach einer Modellrechnung der Schiffsbetrieb mit schwefelarmem Kraftstoff deutlich günstiger, heißt es in der Studie. Scrubber seien auch deshalb abzulehnen, weil sie es den Reedern weiter ermöglichten, mit Schweröl zu fahren, anstatt in höherwertige Kraftstoffe und umweltfreundliche Antriebstechniken zu investieren.

Dagegen erklärte der Verband Deutscher Reeder (VDR), Scrubber seien eine Möglichkeit, die neuen Schwefelgrenzwerte einzuhalten. „Je nach Alter und Statik des Schiffs, Fahrtgebiet und Investitionsmöglichkeiten kann die Nutzung eines Scrubbers für eine Reederei sinnvoll sein“, sagte ein VDR-Sprecher. Die weltweiten und europäischen Umweltgesetze erlauben den Einsatz von Scrubbern. „Reedereien, die zum Schutz der Umwelt viel Geld in Scrubber investiert haben, müssen diese Anlagen nun auch betreiben dürfen.“

Seit Jahresbeginn gelten auf Nord- und Ostsee deutlich schärfere Grenzwerte für Schiffsabgase. Die überwiegende Mehrheit der rund 14 000 Schiffe, die diese Bereiche befahren, erreichen diese Grenzwerte durch Kraftstoffe mit wenig Schwefel. Weltweit fahren nach Angaben des Nabu 80 von 55 000 Handelsschiffen mit Scrubbern, weitere 300 seien geordert.

Insgesamt habe der Schutz der Meeresumwelt gute Fortschritte gemacht, erklärte am Freitag die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Monika Breuch-Moritz. Die strengen Grenzwerte für Schiffsemissionen hätten Innovationen in der maritimen Branche angestoßen. „Bei neuen Schiffen wird über alternative Treibstoffe nachgedacht“, sagte Breuch-Moritz. „Das erheblich sauberere Flüssig-Erdgas LNG oder Wasserstoff als Brennstoff haben durch die Grenzwerte die Chance auf Realisierung.“ Sie hoffe sehr, dass es international keine Verzögerungen mehr geben werde und im Jahr 2020 weltweit nochmals niedrigere Grenzwerte in Kraft treten.