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Wirtschaft Coop gibt Handel komplett an Rewe ab
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08:33 22.06.2019
Von Ulrich Metschies
Rewe hat künftig bei der Supermärkte Nord ganz allein das Sagen. Quelle: Rolf Vennenbernd
Kiel

Die Kieler Coop eG verabschiedet sich komplett aus dem Geschäft, mit dem die Genossenschaft einst groß geworden ist: Das Unternehmen veräußert seine 30-Prozent-Beteiligung an der Supermärkte Nord Vertriebs GmbH & Co. KG (Kiel) an die Rewe.

Jetzt ist Rewe ganz allein Herr im Haus

Damit ist der Kölner Handelsriese alleiniger Herr im Haus der Supermärkte Nord. Die gute Nachricht für die rund 77000 Mitglieder der Kieler Genossenschaft: Ihre Rabatte und Einkaufsvorteile als „Cooptimisten“ sind vertraglich langfristig gesichert. Der Komplettverkauf der „SuNo“an Rewe soll bereits bis Mitte Juli formal abgeschlossen werden. Auf der jüngsten Vertreterversammlung war der endgültige Abschied aus dem Handelsgeschäft besiegelt worden.

Beteiligung "nicht zukunftsweisend"

„Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Minderheitsbeteiligung an der SuNo für die Coop eG nicht zukunftsweisend ist“, sagt Coop-Geschäftsführer Norman Boje. Seit der Auslagerung des defizitären Handelsgeschäftes konzentriert sich die Coop auf die Entwicklung und Bewirtschaftung von Immobilien. Insgesamt besitzt die Genossenschaft mit einem Mitgliederkapital von 83,7 Millionen Euro 41 Immobilien, darunter 31 Einzelhandelsmärkte, die an die SuNo vermietet sind.

"SuNo" schreibt weiter tiefrote Zahlen

Die verzeichnet nach Angaben der Rewe in den umgeflaggten Märkten kräftige Umsatzsteigerungen, doch das Ergebnis ist weiterhin tiefrot. „Mit der Erhöhung unserer Anteile an der SuNo zeigen wir, dass wir an die Zukunft des Unternehmens glauben“, sagt Peter Maly, der das operative Geschäft der Rewe verantwortet: „Dennoch liegt ein harter und steiniger Weg vor uns. SuNo ist ein Sanierungsfall.“ Derzeit gehe man davon aus, dass die Supermärkte Nord „frühestens 2021 die Gewinnzone erreichen“ könne. Um das zu schaffen, müssen das Unternehmen weiter „Prozesse und Strukturen auf den Prüfstand stellen“. Was das für den Standort und Firmensitz Kiel bedeuten könnte, blieb am Freitag offen.

Rewe-Einstieg hatte Coop das Leben gerettet 

Die Supermärkte Nord war 2016 aus einem spektakulären Deal hervorgegangen, mit dem sich die Coop von einer existenzbedrohenden Schuldenlast befreit hatte. Die Kölner übernahmen damals, kritisch beäugt vom Bundeskartellamt, die Mehrheit an der neuen Gesellschaft Supermärkte Nord KG, in die die Coop ihr operatives Handelsgeschäft ausgelagert hatte: mehr als 160 Sky-Märkte, elf Verbrauchermärkte und auch ihre Logistikzentren in Kiel und Güstrow. Aus diesem Deal flossen der Coop rund 30 Millionen Euro zu, auch alle Bankverbindlichkeiten zog Rewe glatt. Im Gegenzug sollte der Retter 55 Prozent an der Supermärkte Nord erhalten. Doch dabei blieb es nicht. Aktuell hält Rewe 70 Prozent, die Coop 30 Prozent an der Supermärkte Nord.

Umflaggung der Sky-Märkte kurz vor dem Abschluss

Nachdem das Kartellamt von Coop und Rewe verlangt hatte, zehn Sky- und zwei Rewe-Märkte an Wettbewerber zu verkaufen, betreibt die Supermärkte Nord derzeit mit rund 8000 Beschäftigten rund 150 Märkte in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sowie in Teilen Niedersachsens und Brandenburgs. Die Umflaggung der Märkte von Sky zu Rewe steht inzwischen kurz vor dem Abschluss.

Coop: Langer Aufstieg, schleichender Niedergang

Die Geschichte der Coop steht für einen langen Aufstieg, dem in den vergangenen 20 Jahren jedoch ein schleichender Niedergang folgte, der dem Unternehmen 2016 fast die Existenz gekostet hätte. Hervorgegangen war die Genossenschaft aus dem 1899 gegründeten Allgemeinen Konsumverein Kiel. Nach dem Krieg wurden 1946 elf Konsumgenossenschaften im Land wiedergegründet. 1963 eröffnete der erste konsumgenossenschaftliche Supermarkt Deutschlands in Kiel. In der Coop Schleswig-Holstein eG waren 1972 alle ehemaligen Konsumgenossenschaften Schleswig-Holsteins vereinigt. 1986 erfolgte die Übernahme der coop Lüneburger Heide, Wittingen (Niedersachsen), 1988 die Übernahme der Wandmaker GmbH, Tellingstedt. Der Rewe-Konzern ging mit einer stillen Beteiligung bereits seit 2007 an Bord. Als relativ kleiner Player hatte Coop mit dem harten Wettbewerb im Lebensmittelhandel erheblich zu kämpfen. Hinzu kamen erhebliche Managementfehler. Trotz millionenschwerer Verluste zahlte das Unternehmen hohe Dividenden. Durch den Verkauf von Grundstücken und die Aktivierung von Markenrechten („Unser Norden“) in der Bilanz hatte das Unternehmen zuletzt in erheblicher Höhe außerordentliche Erträge generiert.

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