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20:00 16.04.2015
Von Jörn Genoux
Andreas Voswinckel, Gründer und Geschäftsführer, im Lager des Unternehmens. Rund 50000 Artikel vermarktet Limal derzeit. Es werden stetig mehr. So wirbt Voswinckel ab morgen in China um neue Kunden. Quelle: Karsten Leng
Neumünster

Logistik – bei Limal ist das eine hochkomplexe Dienstleistung. Für rund 120 Mandanten, wie Firmengründer Andreas Voswinckel seine Kunden nennt, vertreibt das Unternehmen Waren unterschiedlichster Art auf vielfältigen Kanälen im Internet. Waschmaschinen, Kinderschuhe, Kameras und Objektive, Gartenmöbel, diverse Elektronikgeräte, Nahrungsergänzungsmittel für Tiere, Einlagen für Sportschuhe, Autozubehör oder E-Zigaretten – wer durch das 25000 Quadratmeter große Lager im Gewerbe- & Service Park Nord in Neumünster geht, der fühlt sich wie in einer Mischung aus Baumarkt, Elektrohändler, Kaufhaus und Discounter. Rund 50000 verschiedene Artikel verkauft Limal an Kunden in ganz Europa, überwiegend Privatkunden. Das Unternehmen ist einer der größten Ebay-Händler. 80 Mitarbeiter sowie bis zu 20 Zeitarbeitskräfte sorgen in Neumünster dafür, dass die Ware ausgeliefert wird. In Hamburg, Berlin und München sowie in Prag und in Manchester ist das Unternehmen mit Niederlassungen vertreten.

 Limal betreibt für seine Kunden die gesamte Logistik, die nach einem Kauf auf Ebay, Amazon oder auf anderen Internetmarktplätzen anfällt: Lagerung, Auftragserfassung, Zahlungsmanagement, und Verpackung bis hin zur Bearbeitung der Rücksendungen (Retouren) und dem Kundenservice. Bauknecht beispielsweise verlässt sich auf allen Internet-Kanälen auf das Unternehmen aus Neumünster. Der Bauknecht-Online-Shop wurde von einer Limal-Tochter in Hamburg aufgebaut und wird nun von Neumünster aus betreut.

 Andere Kunden geben Teile des E-Commerce an Limal ab. So lassen zahlreiche namhafte Unternehmen ihre B-Ware in Neumünster vermarkten. „Wir nehmen aber nur Ware, von der wir ziemlich sicher sind, dass wir sie auch verkaufen können“, erklärt Voswinckel. Und daher steht vor jedem Geschäft eine intensive „Verkaufssimulation“: Werden Limal beispielsweise Auto-Kindersitze angeboten, dann analysieren Mitarbeiter mit Hilfe der Daten von Ebay, ob es für das Produkt überhaupt einen Bedarf im Web gibt. Sie schauen nach, wer das Produkt verkauft und wie die Marke positioniert ist. Anschließend erhält der Kunde ein Angebot wie dieses: „Wir verkaufen 500 Autositze in 50 Tagen zu einem Stückpreis von 69 Euro.“ Meist, so berichtet Voswinckel, liegen seine Mitarbeiter recht gut mit ihren Verkaufsanalysen. Als jüngst 1000 Fahrradhelme reingenommen wurden, waren 800 schon nach einer Woche weg.

 Der gelernte Schifffahrtskaufmann machte als einer der ersten in Deutschland 1999 seinen Master in E-Commerce-Logistik. Ein Jahr war er für eine Hamburger Spedition tätig, bevor er sich selbstständig machte. Siemens ließ die rund 10000 Handys, die wöchentlich als Vorführgeräte aus den Läden zurück kamen, über Voswinckels Firma als B-Ware verkaufen. Der Versandhändler Oppermann wurde auf die Firma aufmerksam und wurde schnell zum mit Abstand größten Kunden. Es folgte der Umzug von Hamburg nach Neumünster.

 Doch Oppermann ging in die Insolvenz, Voswinckel musste durch den Ausfall des größten Kunden ebenfalls Zahlungsunfähigkeit anmelden. Aber nur drei Wochen später hatte er Limal gegründet – und konnte bald durchstarten, weil alle anderen Kunden ihm die Treue hielten und zahlreiche neue gewonnen werden konnten. Das war vor 15 Jahren. Und Voswinckel treibt seither die Expansion voran. Heute steigt er in den Flieger nach China, um dort Kunden für Limal zu gewinnen: „Wir wollen für chinesische Unternehmen den europäischen E-Commerce-Markt erschließen.“

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