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08:52 21.10.2018
Margit Haupt-Koopmann: "Insgesamt läuft die Beschäftigungsaufnahme der Geflüchteten besser als erwartet." Quelle: Patrick Seeger/dpa
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"Insgesamt läuft die Beschäftigungsaufnahme der Geflüchteten besser als erwartet", sagte Regionaldirektorin Margit Haupt-Koopmann. Die Flüchtlinge profitierten dabei auch von der anhaltend guten Konjunktur. 2017 bekamen 2500 von ihnen Jobs, in diesem Jahr waren es allein bis Ende September 2900.

Jobs sind konjunkturgefährdet

Die meisten Flüchtlinge wurden allerdings als Helfer beschäftigt, besonders im Gastgewerbe, in der Logistik und im Reinigungsgewerbe. Diese Arbeitsplätze könnten gefährdet sein, wenn die Konjunktur ins Stocken kommt. "Die größte Herausforderung der nächsten Jahre besteht darin, die Beschäftigung nachhaltig zu machen", sagte Haupt-Koopmann.

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Falls es auf dem Arbeitsmarkt wieder enger werden sollte, könnten Flüchtlinge dort an Sprach- und Qualifikationsdefiziten scheitern. "Genau deshalb werden wir - die Arbeitsagenturen und Jobcenter - hier mit unseren vielfältigen Qualifizierungsangeboten gegensteuern."

Betriebe sollen Flüchtlinge weiterbilden

Haupt-Koopmann appellierte an die Betriebe mit saisonalen Einflüssen, wie Bau und Gastronomie, gerade im Winter die von ihnen beschäftigten Flüchtlinge weiter zu qualifizieren. "Genau hierfür können sie unser Förderprogramm (Wegebau) für gering qualifizierte und ältere Mitarbeiter in Betrieben bis 250 Beschäftigte nutzen." Nach zwei bis drei Jahren sollen sie dann anerkannte Abschlüsse haben.

"Wir wollen, dass die Flüchtlinge dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen, und wir mit ihnen nicht die Langzeitarbeitslosen von morgen produzieren", sagte Haupt-Koopmann. Viele Betriebe seien - auch aus der Not geboren - mittlerweile bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen, auch wenn diese noch nicht die eigentlich erwünschten Sprachkenntnisse haben.

Frühjahrsaufschwung soll genutzt werden

Die Arbeitslosigkeit von Flüchtlingen ist in diesem Jahr seit Mai rückläufig. Ende September waren noch 7200 Geflüchtete ohne Job und damit 1700 oder fast 18 Prozent weniger als vor einem Jahr. Darüber hinaus befinden sich insgesamt noch einmal 7200 Geflüchtete in Integrations- und Sprachkursen. Bis Februar werden 5000 von ihnen ihre Sprachkurse beendet haben. Sie brauchen dann Anschlussperspektiven. "Hier wollen wir gezielt den Frühjahrsaufschwung nutzen", sagte Haupt-Koopmann.

Rund 70 Prozent der Flüchtlinge haben - nach deutschen Maßstäben - keine abgeschlossene Berufsausbildung, oft aber verwertbare Berufserfahrungen. "Gemeinsam mit den Kammern geht es darum die beruflichen Kompetenzen festzustellen und, wo möglich, zertifizieren zu lassen", sagte die Agenturchefin. Während einer Beschäftigung Teilqualifikationen zu erwerben, könne auch ein Weg sein. "Beim Thema Qualifikation stehen wir aber noch am Anfang. Hier brauchen wir einen langen Atem."

Ausbildung ist der Königsweg

Flüchtlinge seien nicht die Fachkräfte von morgen, sondern von übermorgen. Besonders bei den Jüngeren - 20 Prozent der Flüchtlinge sind unter 25 - sei die Bereitschaft groß, nicht nur mit einem beliebigen Job Geld zu verdienen, sondern Berufsabschlüsse zu erwerben, sagte Haupt-Koopmann. "Die meisten haben begriffen, dass dies der Königsweg ist."

Von RND/dpa

20.10.2018
Laura Treffenfeld 20.10.2018