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17:10 19.03.2017
Von Fatima Krumm
Zwei Generationen, eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge (von links): Gisela, Hartwig und Sohn Torben Schlachta. Quelle: Frank Peter
Kiel

Hartwig und Gisela Schlachta haben es gewagt, trotz Bedenken. „Ich habe ihm zuerst sogar abgeraten“, sagt Mutter Gisela, „weil es soviel Arbeit ist. Junge, überleg’ dir das, haben wir immer gesagt.“ Torben Schlachta hat überlegt. Und sich dafür entschieden. Seit Kurzem führt er das Kopiergeschäft Repro Renard an der Kieler Ringstraße. Die Unternehmensnachfolge glückte, doch das ist nicht selbstverständlich.

Niemand gibt gern ein Unternehmen ab, das er über Jahrzehnte geführt hat. Warum auch? Läuft doch alles bestens. Das Problem wird unterschätzt, verdrängt, beiseite geschoben. Und zwar von denen, die es am meisten betrifft: den Unternehmern. Ein Risiko für den Betrieb und seine Mitarbeiter: „Wenn erst der Arzt sagen muss, dass es Zeit ist, kürzer zu treten, dann ist die Lage kritisch“, sagt Nils Thoralf Jarck, verantwortlich für Unternehmensnachfolgen bei der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK).

In den kommenden zehn Jahren müssen nach Berechnungen der Kieler Unternehmensberatung HWB in Schleswig-Holstein rund 7000 Unternehmer einen Nachfolger finden. 220 000 Arbeitsplätze sind betroffen, Unternehmenswerte von 22 Milliarden Euro. Die Erfahrung zeigt, dass es nur für die Hälfte eine Lösung im Familienkreis gibt. Verbleiben also 3500 Firmen, für die die Nachfolgefrage ungeklärt ist. Tatsächlich dürfte die Zahl höher sein, denn die Berechnungen berücksichtigen nur Betriebe ab einem Jahresumsatz von einer Million Euro.

Torben ist mit Feuereifer und Begeisterung dabei“, sagt seine Mutter. Nach einer Ausbildung zum Feinwerkmechaniker und ein paar Semestern Mechatronikstudium stieg er 2013 ins Geschäft ein. Um der Tochter gerecht zu werden, verkauften die Eltern es an den Sohn. Sein technisches Verständnis kommt dem Geschäftsführer bei der Arbeit zu Gute. „Ich kann viel selber machen und so Kosten für den Techniker sparen“, sagt der 31-Jährige. Nur mit der Planung hätten sie früher anfangen sollen. „Das ist ganz schön viel Bürokratie“, sagt Gisela Schlachta, „aber es wird langsam übersichtlicher.“

„Die meisten Inhaber schieben das Problem auf“, sagt IHK-Experte Jarck. Und so steigt die Zahl der Firmen, für die eine Lösung gefunden werden muss, seit Jahren, und damit auch der Beratungsbedarf. Wer den Weg zur Beratung findet, der ist schon gut davor. Doch das sind die wenigsten. Hinzu kommt: Nur selten läuft es so, wie Berater es sich wünschen. Fünf Jahre vor der Übergabe sollte mit den Vorbereitungen begonnen werden; spätestens ab 55 Jahren, sagt Jarck, sollten sich Unternehmer ernsthafte Gedanken machen.

Zu Reinhard Meyers Geschäft zählt auch die Unternehmensnachfolge. Aus Erfahrung weiß der SPD-Wirtschaftsminister, dass es nicht immer so rund läuft wie bei Schlachtas. „Ich habe ein Unternehmen erlebt, in dem der Senior-Chef weit über 60 Jahre alt war, auf eine Person zeigte und sagte: Das ist mein Sohn, der ist über 40, aber der ist noch nicht so weit“, sagt er. Mit einem Förderprogramm, zugeschnitten auf Nachfolgelösungen, will die Landesregierung das Problem entschärfen: „Wir sehen, dass es für Unternehmensnachfolger nicht ganz einfach ist. Sie werden von der Bank oftmals anders behandelt als ihre Vorgänger“, sagt der Wirtschaftsminister.

Schlachtas bereuen die Entscheidung nicht, auch wenn die Verantwortung einen Nachteil für Torben hat. Die Arbeit vereinnahmt den jungen Inhaber sehr. Sein Hobby, die Musik, kann er nicht mehr ausleben. „Dafür ist einfach keine Zeit mehr.“

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