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Wirtschaft Alte Windräder sollen weiterlaufen
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10:00 28.01.2019
Von Christin Jahns
Vor mehr als 20 Jahren, als die Windräder noch klein: Ein Spaziergänger im Herbst 1997 im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog (Kreis Nordfriesland). Quelle: Wulf Pfeiffer/dpa
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Kiel

Für den Weiterbetrieb der alten Windkraftanlagen sollten die Windmüller in Schleswig-Holstein sich um ein entsprechendes Gutachten bemühen, heißt es beim Tüv Nord. Die Chancen stünden oftmals gut.

Windkraftgegner reagieren auf die Debatte alarmiert. Denn interessant ist das Tüv-Angebot insbesondere für die 500 Anlagen, die nach der neuen Landesplanung außerhalb der sogenannten Vorranggebiete stehen und deshalb nicht erneuert werden dürfen. Eine Reparatur ist dagegen erlaubt.

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Aus Sicht der Gegner würde der Weiterbetrieb der Anlagen eine Ausweitung der Windflächen durch die Hintertür bedeuten.

Bundesverband Windenergie unterstützt den Vorstoß

Eine Expertengruppe beim Tüv befasst sich mit dem Weiterbetrieb bereits, seit die ersten Anlagen 20 Jahre alt wurden, erklärt Peter Baulig vom Tüv Nord. Denn die Nachfrage der Betreiber und Behörden sei hoch. Auch der Bundesverband Windenergie unterstützt den Vorstoß: „Ein Weiterbetrieb älterer Windkraftanlagen ist besonders dort sinnvoll, wo ein Repowering aufgrund neuer Landespläne zu Vorranggebieten für Windkraft nicht möglich ist“, sagt Marcus Hrach.

Beim Repowering werden alte Anlagen durch neue, leistungsfähigere ersetzt. Hrach: „Die Alt-Anlagen stehen unter Bestandsschutz. Sie sind zwar in der Regel weniger effizient, können aber angesichts des aktuellen Genehmigungsstaus für neue Anlagen auch zur Überbrückung dienen.“

Windkraftgegner fürchten Wildwuchs statt Flurbereinigung

Nach Daten des Bündnisses „Gegenwind Schleswig-Holstein haben die fraglichen 500 Windräder eine Gesamtleistung von etwa 0,5 Gigawatt und belegen 0,25 Prozent der Landesfläche. Gegenwind-Vorsitzende Susanne Kirchhof wirft der Landesregierung vor, sie argumentiere bisher damit, dass Alt-Anlagen außerhalb der Vorrangflächen abgebaut werden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könnten.

„Wenn das nun nicht passiert, weil die Anlagen weiterbetrieben werden – mit dem Segen des Tüv – und sich durch neue Fördertöpfe wieder rechnen, dann findet durch die neue Flächenausweisung keine Flurbereinigung statt, sondern der Wildwuchs bleibt bestehen“, kritisiert Kirchhof.

Der Strompreis entscheidet über den Weiterbetrieb der Windkraftanlagen

Allerdings muss sich der Weiterbetrieb der alten Anlage auch rechnen – und das hängt in erster Linie vom Strompreis ab. Experten zufolge sind vier bis fünf Cent Einspeisevergütung je Kilowattstunde nötig, aktuell werden an der Leipziger Strombörse etwas mehr als fünf Cent gezahlt. Demnach könnte sich ein Weiterbetrieb der Anlagen zur Überbrückung durchaus rechnen.