Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Tuifly muss Reisenden Entschädigung zahlen
Nachrichten Wirtschaft Tuifly muss Reisenden Entschädigung zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:18 15.02.2017
Entschädigung für Tuifly-Kunden: Das Amtsgericht Hannover entschied für die Kläger. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Nach dem Chaos um ausgefallene und verspätete Flüge im vergangenen Herbst muss die Airline Tuifly zwei Klägern Entschädigungen zahlen. Das entschied das Amtsgericht Hannover am Mittwoch. Ein Rentnerehepaar aus Bergisch Gladbach hat Anspruch auf 800 Euro Entschädigung, weil es fast vier Stunden später als geplant auf Kos landete. Eine fünfköpfige Familie aus Celle bekommt statt der geforderten 4000 Euro von Tuifly nun 2000 Euro, weil ihre Reise ganz abgesagt wurde. Insgesamt sind mehr als 600 Zivilverfahren beim Amtsgericht Hannover abhängig.

Bisher wollte Tuifly die Urlauber nicht auf Basis der EU-Fluggastrechteverordnung entschädigen, weil es die massenhaften Krankmeldungen von Crews im Herbst als wilden Streik wertete. Besatzungen von Tuifly hatten sich reihenweise krankgemeldet, nachdem Pläne für ein Bündnis mit der Touristiksparte von Air Berlin und der arabischen Fluglinie Etihad bekanntgeworden waren. Die Mitarbeiter fürchteten um ihre Jobs und wollten schlechtere Tarifbedingungen verhindern.

Anzeige

Bis zu 9700 betroffene Fluggäste am Tag

Am 7. Oktober 2016 hatte Tuifly den Betrieb wegen massenhafter Krankmeldungen der Besatzungen fast komplett einstellen müssen. Auch an den Tagen davor und danach gab es viele Flugausfälle. Auch Air Berlin war betroffen. Denn 14 Tuifly-Jets samt Personal sind seit Jahren im Streckennetz der Berliner eingeplant - und blieben an diesen Tagen ebenfalls am Boden. Tui musste insgesamt rund 3000 Reiseverträge kündigen. Wie viele Kunden insgesamt strandeten, ist von Tuifly nicht zu erfahren. Für den heftigsten Tag, den 7. Oktober, hatte die Tochtergesellschaft des Reisekonzerns Tui von 9700 betroffenen Fluggästen berichtet.

Die Chronik der Tuifly-Flugausfälle

Ende September 2016: Die kriselnde Fluglinie Air Berlin gibt bekannt, dass sie bis zu 1200 Mitarbeiter entlassen und einen Teil ihrer Flotte an die Lufthansa abgeben will.

30. September: Der Ferienflieger Tuifly soll offenbar einen neuen Mehrheitseigentümer bekommen: Etihad. Der Mutterkonzern Tui will seine Chartergesellschaft in einen Verbund mit Air Berlin einbringen. Die Tuifly-Mitarbeiter haben Bedenken, dass mit der Gründung einer neuen Gesellschaft in Österreich ihre Tarifverträge nicht mehr gültig sind und Personal abgebaut werden soll.

3. Oktober: Zum Start der Herbstferien in Niedersachsen fallen die ersten Tuifly-Flüge aus, weil sich Personal krank meldet.

4. Oktober: Weitere Flugausfälle bei Tuifly und Air Berlin.

5. Oktober: Air Berlin verhandelt mit Großaktionär Etihad und der Tui über eine Zusammenlegung des Air-Berlin-Touristik-Geschäfts in einem neuen Verbund. Es kommt zu einer spontanen Versammlung der Mitarbeiter vor dem Tuifly-Sitz in Langenhagen. An dem Tag fliegen die meisten Maschinen flugplangemäß.

6. Oktober: Massive Flugausfälle: Keine einzige Tuifly-Maschine hebt ab, weil sich das Personal massenhaft krank gemeldet hat. Air Berlin kann nur 30 von 90 Flügen durchführen.

7. Oktober: Tuifly hat für den Tag selbst alle Flüge abgesagt, hat allerdings zehn andere Maschinen gechartert, um Fluggäste nach dem Urlaub wieder nach Deutschland zu fliegen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies zitiert alle Beteiligten an einen Runden Tisch. Daraufhin sagt das Unternehmen den Mitarbeitern zu, dass die neue Gesellschaft, in der Tuifly aufgehen soll, für mindestens drei Jahre ihren Sitz in Hannover haben soll und die Verträge der Tuifly-Mitarbeiter bestehen bleiben.

8. Oktober: Weil nach den Flugausfällen der vergangenen Tage viele Flugzeuge nicht an den Orten sind, wo sie sein sollen, gibt es weitere Flugausfälle. Tuifly chartet erneut andere Maschinen, um Urlauber nach Deutschland zurückzubringen.

9. Oktober: An dem Sonntag läuft der Flugbetrieb bei Tuifly wieder weitgehend normal.

Von dpa/RND