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Wirtschaft Angst vor hartem Brexit wächst im Norden
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10:15 17.01.2019
Von Christin Jahns
Dennis Snower, Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, warnt vor den Folgen eines ungeregelten Brexits für die Wirtschaft im Land. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

"Tragisch" nennt Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) die Entscheidung des britischen Unterhauses. Er warnt davor, ein ungeregelter Brexit dürfte den Handel zwischen der EU und Großbritannien zum Erliegen bringen. So würde es nach Experteneinschätzungen rund fünf Jahre dauern, die personelle und physische Infrastruktur aufzubauen, um einen Handel ohne Abkommen zu kontrollieren, sagte Snower. Die Entscheidung des Parlamentes hätte aus Snowers Sicht nur dann etwas Gutes für sich, wenn sie zu einem zweiten Referendum führen würde.

Ungewissheit ist für Unternehmen "bitter"

Ob ein zweites Referendum kommt, der Austritt noch einmal verschoben wird oder ganz und gar ungeordnet verläuft, ist allerdings weiter ungeklärt. "Das britische Parlament hätte für die nächsten Etappenziele grünes Licht geben können auf der noch langen Wegstrecke", sagt Werner Koopmann, Geschäftsbereichsleiter International bei der Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK). "Das ist nicht gelungen. Damit ist zwar kein Katastrophenfall eingetreten, aber es ist für die Unternehmen bitter, dass die Zeit der Ungewissheit noch nicht zu Ende ist."

Auch der Unternehmensverband Nord (UVNord) bedauert die Entscheidung des britischen Unterhauses. "Gerade die norddeutsche Industrie ist eng mit dem Königreich verwoben, was das Beispiel Airbus eindrucksvoll belegt", sagt UVNord-Präsident Uli Wachholtz. Ähnlich äußert sich Fabian Kruse, Präsident des Außenhandelsverbandes AGA. "Die Händler in Schleswig-Holstein wünschen sich jetzt eine wie auch immer geartete Übergangsphase."

Ruhe vor dem Sturm

Die Landesregierung hat sich nach Darstellung von Europaministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) auf alle Brexit-Szenarien vorbereitet. So wolle man den Unternehmen im Land im Falle eines geregelten Brexit mindestens bis Ende 2020 – also bis zum Ende der im Austrittsabkommen vereinbarten Übergangsphase – Kontinuität ermöglichen. Im Landesrecht solle das Vereinigte Königreich in diesem Zeitraum weiterhin als Mitgliedstaat der Europäischen Union gelten.

Die IHK schließt die realistische Option eines harten Brexit aktuell aus. Auch bei der Förde Sparkasse und Commerzbank geht man eher davon aus, dass der Austrittstermin noch einmal verschoben wird, um Zeit zu gewinnen. An den Aktienmärkten hingegen herrsche momentan die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, sagt Sparkassen-Sprecher André Santen. "Solange es keine klare Tendenz gibt, werden sich Anleger voraussichtlich abwartend verhalten. In dieser Phase sind auch noch keine spürbaren Auswirkungen für die Wirtschaft und die Unternehmen im Land zu befürchten."

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