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Wirtschaft Erstes Barcamp für Frauen
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10:18 23.03.2019
Von Anne Holbach
Zeit für ein Selfie: Organisatorin Marion Mayr-Tschofenig (re.) freute sich mit Anne Wilby (li.) und Anja Scharfenberg über die vielen Teilnehmerinnen beim Frauen-Barcamp. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

„Wie mache ich mich nicht mehr klein? Darüber möchte gerne mit euch sprechen. Wer hat Interesse?“, fragt Jasmin Schümann. Und im Foyer des Kieler Wissenschaftsparks schnellen viele Arme nach oben. Über 300 Frauen und eine Handvoll Männer sind an diesem Freitagmorgen zum ersten Women@Barcamp der Kiwi gekommen.

Digitalisierung bietet Chancen für Frauen

In anderen Städten habe sich gezeigt, dass solche Formate gut angenommen werden und es bei Frauen viel Bedarf gibt, sich über ihre Sichtweise auf das Thema Digitalisierung auszutauschen, sagt Marion Mayr-Tschofenig.

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Eine Kernfrage sei: „Wie können Potenziale der Digitalisierung unsere individuellen Entwicklungs- und Karrierechancen verbessern?“ Mayr-Tschofenig denkt dabei sowohl an mehr Flexibilität und damit eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie als auch an die Vorteile von sozialen und kommunikativen Kompetenzen, die besonders Frauen zugeschrieben werden, in einer digitalen Welt.

Gründerinnen oft in der Unterzahl

Julia Sandmann vom Lernprojekt Perle möchte sich anschauen, was hier anders ist als auf einem normalen Barcamp. „Und ob ein solches Format eigens für Frauen notwendig ist.“ IT-Unternehmerin und Beraterin Katheryna Zarev ist sich dagegen sicher, dass es gut ist, wenn „Frauen hier auch mal unter sich sind“. Gerade weil sie in der digitalen Szene oft in der Unterzahl seien.

Auch Levke Schacht vom Blog Start-up Flensburg erzählt, dass sie bei Gründerevents selten auf viele Mitstreiterinnen trifft. „Ich finde es deswegen spannend, dass wir uns hier vernetzen und einander stärken können.“

Finanzen, Faken oder Überzeugen

Beim Barcamp gibt es keine vorher festgelegten Vorträge und Workshops. Die Teilnehmerinnen stellen sich einfach auf die Treppe und stellen die Themen vor, zu denen sie gerne eine Session anbieten möchten. Geld steht Frauen, heißt ein Vortrag. Eine andere Session befasst sich damit, wie man andere von den eigenen Ideen überzeugt. Eine Teilnehmerin stellt die provokante Frage: „Sind Männer geborene Faker?“

Haben Frauen mehr Angst als Männer?

Auch Furcht beim Gründen ist ein Thema. Sabrina Genuttis ist gerade dabei, sich als Dozentin selbständig zu machen. „Ich habe viele Ideen, die raus wollen, aber zugleich habe ich große Ängste“, sagt sie.

Bei Gründungsformaten begegneten ihr häufig Männer, die mit geschwellter Brust ihr Projekt anpreisen. Viele Frauen neigten dagegen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen.

Appell zu mehr Mut

Einige in der Runde hadern mit ihrem Selbstbewusstsein, haben Sorge um ihre Finanzen oder darum, ob sie als Alleinerziehende den Schritt in die Selbstständigkeit wagen können.

Eine Teilnehmerin appelliert dazu, mehr Mut zu haben. „Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann? Vielleicht, dass ich scheitere und Hartz IV bekomme.“ Das sei aber kein Grund, nicht an die eigene Idee zu glauben und es nicht zu wagen, eine Firma zu gründen.