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10:00 15.10.2017
Von Jan von Schmidt-Phiseldeck
Eva-Maria Lange (70) und ihr Mann Rolf (80) kommen aus Warin bei Wismar und sind nun das zweite Mal am Stellplatz an der Holtenauer Schleuse. Quelle: Ulf Dahl
Fockbek/Osterrönfeld

Noch nie zuvor seien so viele Wohnmobile und Wohnwagen wie in diesem Jahr zugelassen worden, teilt der Caravaning Industrie Verband (CIVD) mit, der die Interessen nahezu aller deutschen und europäischen Hersteller vertritt. Mit knapp 60000 Fahrzeugen rechnet der Verband in diesem Jahr (plus 17 Prozent), knapp eine halbe Million sind es insgesamt. Die Diskussion über den Verbrennungsmotor und Fahrverbote, sagt ein Sprecher, sei derzeit zwar grundsätzlich ein Thema. "Wir wollen uns keinen zukunftsfähigen Lösungen verweigern."

Aufgrund fehlender Alternativen seien aber die Hersteller der Basisfahrzeuge für Wohnmobile "in der Verantwortung und der Pflicht", Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die auch künftig über die Straßen rollen dürfen. "Und mit einem Euro-6-Diesel ist man jetzt auf der sicheren Seite", sagt der Verbandssprecher. Versuche mit Hybridmotoren seien nicht nachgefragt worden, Modelle mit Elektromotor derzeit keine Option: "Zu viel Gewicht, zu geringe Reichweite, kaum Ladeinfrastruktur – das ist noch ein langer Weg hin zur Praxistauglichkeit." Die Freude der Deutschen am Wohnmobil, das im Durchschnitt für mehr als 70000 Euro verkauft wird, bleibe auch im nächsten Jahr ungebrochen – "wir rechnen mit mindestens derselben Steigerung wie in diesem Jahr".

Der Hersteller

Als Weltmarktführer für Wohnwagen (derzeit 12000 Einheiten jährlich) setzt das Fockbeker Unternehmen Hobby jetzt verstärkt auf den Bau von Wohnmobilen. Mit einer eigenen Fertigung seit Anfang des Jahres will Hobby-Geschäftsführer Holger Schulz von der starken Nachfrage profitieren: "Wir sind da mit unseren Kapazitäten nicht am Ende, sondern werden eine Schippe drauflegen."

2500 Einheiten sind im laufenden Geschäftsjahr geplant, 4000 wären künftig möglich. Zum "sauberen Euro-6-Dieselmotor" des Basisfahrzeugs, einem Fiat Ducato, sieht Schulz derzeit keine Alternative – "nicht vor 2030". Auch werde das Unternehmen, auch aufgrund der Erfahrungen aus Krisenjahren, die Produktion von Wohnmobilen und auch Wohnwagen sorgfältig an die Marktgegebenheiten anpassen. "Das sind wir unseren 1200 Mitarbeitern schuldig."

Der Händler

Die Diskussion um drohende Fahrverbote und den Dieselmotor hält Bernd Eichstedt für überzogen: "Ich sage meinen Kunden: Lasst Euch nicht verrückt machen. Und wer sich seinen Traum erfüllen möchte, lässt sich von der Diskussion nicht abschrecken." Eichstedt ist Geschäftsführer des Caravanparks "Spann an". Das Familienunternehmen mit Sitz in Osterrönfeld, das auch ein umfangreiches Werkstadtangebot und Stellplatzanlagen bietet, ist seit 25 Jahren am Markt und zählt bereits zu den größten deutschen Händlern. Dass Schleswig-Holsteiner an der Spitze der Wohnmobil-Besitzer stehen, verwundert ihn nicht: "Das passt zu unserer Mentalität, zum Urlaubsland Schleswig-Holstein und der Lage an den Meeren. Jeder will ans Wasser."

Und das nicht nur mit dem Wohnmobil: "Vor ein paar Jahren habe ich noch 80 Prozent Wohnmobile verkauft, jetzt hält sich das Geschäft die Waage. Der Wohnwagen ist stark im Kommen", sagt Eichstedt. Das Wachstumspotenzial von Freizeitfahrzeugen insgesamt sieht er dagegen bereits am Limit: "Der Markt ist gesättigt, und es gibt zu wenig Stellplätze." Deshalb sei es umso wichtiger, bei möglicherweise zurückgehenden Verkaufszahlen guten Service bieten zu können: "Alleine 20 Monteure stehen in der Werkstatt und wir suchen laufend nach weiteren Kfz-Elektrikern oder Tischlern", sagt Eichstedt. Derzeit sei der Markt gerade für gebrauchte Wohnmobile "völlig überhitzt, die gehen nach Jahren fast ohne Wertverlust über den Tisch, so stark ist die Nachfrage".

Der Kunde

Früher waren sie zelten, dann gab es den ersten kleinen Wohnwagen, seit 17 Jahren sind sie mit dem Wohnmobil unterwegs: "Die Freiheit, das Lebensgefühl, das macht es einfach aus", sagt Eva-Maria Lange. Die 70-Jährige aus der Kleinstadt Warin bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern hat gemeinsam mit ihrem Mann Rolf vor zwei Jahren in ein neues Gefährt mit Euro-6-Diesel investiert – "jetzt fahren wir mit grüner Plakette". Die Diskussion um mögliche Fahrverbote in Städten verfolgt sie aufmerksam: "Das könnte für die Stellplatznutzung in der City schon problematisch werden."

Weil die Plätze immer voller würden, sei spontanes Reisen nicht immer einfach, sagt Lange. Ihr Mann (80) sieht das Positive: "Als wir vor 17 Jahren auf das Wohnmobil umgestiegen sind, saßen da fast nur Rentner hinterm Steuer. Jetzt freuen wir uns, dass auch junge Leute diesen Traum vom Reisen entdeckt haben."

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