Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Autonomes Fahren soll 2025 möglich sein
Nachrichten Wirtschaft Autonomes Fahren soll 2025 möglich sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:21 07.11.2019
Von Anne Holbach
Nur selten muss der Sicherheitsfahrer im autonom fahrenden Elektro-Golf auf der Hamburger Teststrecke eingreifen. Quelle: Christian Charisius
Hamburg/Kiel

„Wir arbeiten an einem marktreifen selbstfahrenden System, das wir bereits ab Mitte der kommenden Dekade kommerzialisieren wollen“, sagt der VW-Vizechef für Autonomes Fahren, Alexander Hitzinger.

In Hamburg fahren seit April fünf speziell ausgerüstete Elektro-Golfs auf einer drei Kilometer langen Teststrecke. Sie sind laut VW in der Lage, das Verkehrsgeschehen rund zehn Sekunden im Voraus zu berechnen.

E-Golf erkennt Fußgänger und Fahrzeuge

Sensoren auf dem Dach, in den Kotflügeln sowie im Front- und Heckbereich der Fahrzeuge überprüfen die Umgebung. Wenn Fußgänger über die Straße gehen, bremst der Wagen ab. Ein Display im Armaturenbrett bildet sie als rote Säule ab. Fahrzeuge erscheinen als blaue Rechtecke, Gebäude als Klötze.

Lesen Sie auch: Erfahrungsbericht – Ist das E-Auto eine echte Alternative zum Benziner

Doch wenn ein Müllwagen den Weg blockiert, muss VW-Entwickler Jens Spehr eingreifen. Das Wechseln auf die Gegenfahrbahn sei nicht programmiert, „weil wir nicht genug Sichtweite nach vorn bekommen“, so dessen Kollege Simon Grossjohann. Trotzdem ist VW zuversichtlich, bis zirka 2025 marktreif zu sein. 

Experte: Testrouten sind "aufgepimpte Strecken"

Dass hochautomatisierte Systeme auf der Autobahn funktionieren, hält Seydell für realistisch. So könnte etwa im Stau ein Auto erkennen, dass der Vordermann sich in Bewegung setzt - und automatisch anfahren. Vollautonomes Fahren in der Stadt stelle sich aber noch schwierig dar, bei den Testrouten handele es sich um „aufgepimpte Strecken“. 

Witterungsbedingungen sorgen für Probleme

„Wenn sich ein anderer Verkehrsteilnehmer nicht regelkonform verhält, bekommt ein solches System Probleme“, so Seydell. „Auch Witterungsbedingungen sind ein Killer.“ Bei Schnee könnten optische Sensoren die Fahrbahnmarkierung nicht mehr richtig erkennen. Auch Herbstlaub und nasse Straßen seien schwierig.

Lesen Sie auch: Ohne Ladesäulen keine E-Autos

„Wenn die Hersteller das in den Griff kriegen, würde ich mich aber nicht scheuen, mich in so ein Auto zu setzen.“

Vorreitermärkte werden wohl China und die USA

Vollautonomes Fahren im großen Stil sei „eine Herkulesaufgabe“, sagt auch Hitzinger. Denn es gebe eine unendliche Zahl von Verkehrsszenarien, die von Algorithmen abgedeckt werden müssten. Daher müssten die Systeme bis zur Serienreife verkehrs-, aber auch datensicher entwickelt sein, um mögliche Cyber-Angriffe abwehren zu können.

Wenn es soweit ist, dürften China und die USA Vorreitermärkte werden. In Europa sei es schwieriger, bis dahin rechtliche Rahmenbedingungen festzulegen.

Schleswig-Holstein testet an vier Stellen autonome Busse

Schleswig-Holstein hat bislang vier Testfelder für autonomes Fahren. Im Kreis Herzogtum Lauenburg ist seit Mitte Oktober der Tabula-Shuttle unterwegs – ein elektrischer, automatisiert verkehrender Bus mit Platz für zehn Passagiere und eine Fahrzeugbegleitung.

„Autonome Busse können eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden öffentlichen Nahverkehrs sein und ein wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten“, sagt Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP).

Erste Bilanz ist positiv

In Sylt fährt seit Mai der NAF-Bus. „Die ersten Erfahrungen in Keitum sind sehr positiv.“ Insgesamt fuhr der Bus schon 3000 Kilometer und beförderte mehr als 9000 Gäste. Auch auf dem Greentec-Campus in Enge-Sande verkehrt ein NAF-Bus, in Lunden ist ein Versuch im Aufbau.

Wünschenswert wären Projekte, die über eine Insellösung hinausgehen und eine Verknüpfung zwischen Stadt und ländlichem Raum darstellen, heißt es aus dem Ministerium.

SPD: Ohne 5G-Netz läuft es nicht

Bis autonome Busse flächendeckend genutzt werden könnten, dauere es bestimmt noch 15 Jahre, schätzt Kai Vogel. „Wir haben kein flächendeckendes 5G-Netz, und das ist Zwangsvoraussetzung“, sagt der SPD-Politiker. Die CDU betont indes, dass Schleswig-Holstein eine hohe Breitbandabdeckung vorweisen könne und die Voraussetzungen damit gut seien. 

Mehr zum Thema

Vier Jahre nach dem längsten Lufthansa-Streik gehen am Donnerstag die Flugbegleiter der Gewerkschaft Ufo erneut in den Ausstand. Ihr Streik über 48 Stunden trifft Unternehmen und Passagiere hart. 1300 Flüge fallen aus.

06.11.2019

Die Sorge vor Negativzinsen treibt viele Sparer um. Deutschlands größtes Geldhaus hat jetzt klar gemacht: Durchschnittliche Sparer müssen damit nicht rechnen. Im Gegensatz zu großen Unternehmen und sehr vermögenden Privatkunden.

06.11.2019

Durch gezielte Sabotage entsteht jährlich ein Gesamtschaden von knapp 103 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Selbst große Konzerne wie Bayer sind schon Opfer von Spionage geworden. Die größte Gefahr für Unternehmen kommt aber nicht von außen.

06.11.2019