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Wirtschaft Sparkassen enttäuschen Prämiensparer
Nachrichten Wirtschaft Sparkassen enttäuschen Prämiensparer
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07:00 28.08.2018
Von Ulrich Metschies
"Sie können aussteigen, wann Sie wollen": Darauf hatte sich eine Nospa-Kundin verlassen - und wurde von ihrer Bank enttäuscht. Quelle: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein
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Kiel

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erhalten Kunden mehrerer Sparkassen in Schleswig-Holstein derzeit Benachrichtigungen über das Ende ihres Prämiensparvertrags – und sind entsprechend enttäuscht.

Von "Anlageziel" ist im Vertrag nicht die Rede

„Sie haben Ihr Anlageziel erreicht“ – mit dieser lapidaren Feststellung beginnt ein Schreiben der Nord-Ostsee Sparkasse (Nospa/Flensburg) an eine Kundin aus Husby (Kreis Schleswig-Flensburg). Deren Prämiensparvertrag erklärt die zweitgrößte Sparkasse des Landes ganz einfach für beendet. Verunsichert fragte die Kundin bei der Verbraucherzentrale nach. Welches Anlageziel soll jetzt erreicht sein? Von so etwas ist in ihren Unterlagen nicht die Rede. Und so war die Kundin bei Vertragsschluss vor 25 Jahren davon ausgegangen, dass sie selbst entscheidet, wann der Sparvertrag enden soll. So steht es auch im Verkaufsprospekt der Bank: „Sie können aussteigen, wann Sie wollen“. Ähnliche Benachrichtigungen über das Ende ihres Sparvertrages haben nach Angaben der Verbraucherzentrale auch andere Sparkassen-Kunden im Land erhalten – unter anderem mit dem Hinweis, sie hätten „die höchste Prämienstufe erreicht“.

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Viele Verträge sichern Kunden bis zu 50 Prozent Prämie zu

Prämiensparverträge, die schon lange laufen, sind für die Sparkassen teuer geworden. Denn viele dieser Verträge sichern dem Sparer nach 15 Jahren bis zu 50 Prozent Prämie auf seinen Sparbetrag zu. „So ergibt sich allein durch die steigenden Bonuszahlungen nach 25 Jahren eine Rendite von 2,1 Prozent pro Jahr – den Zins nicht mitgerechnet“, sagt Michael Herte, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Ob eine Sparkasse Prämiensparverträge kündigen kann, hängt nach Darstellung Hertes von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Dazu gehören zum Beispiel Regelungen über die Kündigungsfrist. Seine Empfehlung: Verbraucher sollten der Beendigung schriftlich widersprechen und von der Bank – ebenfalls schriftliche – Informationen über die Rechtsgrundlage anfordern. Dafür stellt die Verbraucherzentrale einen Musterbrief zur Verfügung. 

Doch nicht alle zwölf Sparkassen im Land ziehen bei Prämiensparverträgen die Reißleine. Namentlich nennt die Verbraucherzentrale neben der Nospa noch die Sparkasse Wedel. Für die Nummer eins im Land stellt sich das Problem offenkundig nicht: „Wir haben mit unseren Kunden keine Verträge mit unbefristeter Laufzeit abgeschlossen“, heißt es bei der Förde Sparkasse. Die Sparkasse Südholstein hat „aktuell nicht vor“, bestehende Verträge zu ihrem Produkt „Prämiensparen flexibel“ zu kündigen. Beide Institute bieten das Produkt bereits seit 2016 nicht mehr an.