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09:59 14.10.2019
Von Anne Holbach
Der Elektroriese Media Markt warb früher mit einer Tiefpreisgarantie. Wenn ein Kunde ein Produkt woanders für einen günstigeren Preis entdeckte, konnten Verbraucher ihn dort auch bekommen. Weil die Preise im Netz sich inzwischen laufend verändern, bietet Media Markt diese Garantie nicht mehr an. Quelle: Wolfgang Thieme/dpa
Kiel

„Aus der vollkommenen Preistransparenz im Internet ist die völlige Intransparenz geworden, weil die Unternehmen alle nach Wegen suchen, aus der Preisvergleichbarkeit herauszukommen – etwa durch ständige Preisveränderungen, durch schwer durchschaubare Gebühren oder Exklusivangebote“, sagt E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Zudem seien die Preisunterschiede im Internet heute bei den seriösen Anbietern nicht mehr so groß wie früher, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln. Die Händler hätten gemerkt, dass eine aggressive Preispolitik eine scharfe Waffe ist, mit der man sich auch leicht selbst Schaden zufügen kann.

Es wird wieder spannender, mit dem Händler persönlich zu verhandeln

„Die wenigsten von uns feilschen gerne, und eine Weile lang hat uns das Internet diese Mühe abgenommen, weil man irgendwo immer ein super günstiges Angebot fand“, so Hudetz. Aber inzwischen seien die meisten Händler bei ihrer Preispolitik im Internet vorsichtiger geworden.

„Deshalb wird es wieder spannender, mit dem Händler persönlich über einen Preisnachlass zu verhandeln. Da geht vielleicht noch etwas, weil dieser Rabatt dann ja nicht gleich für alle anderen gilt“, rät der Branchenkenner.

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Heinemann sieht hier sogar schon einen Trend. „Der Kunde kann im Internet nicht über den Preis verhandeln. Im Laden kann er das – und er tut es auch immer öfter. Dadurch kommen im Endeffekt tatsächlich oft günstigere Preise heraus als im Internet.“

Manche Kunden versuchen in Schleswig-Holstein, am Preis zu drehen

Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord, erkennt hier noch keinen Trend. „Natürlich gibt es immer mal wieder Kunden, die versuchen, am Preis zu drehen. Die große Mehrheit ist das aber nicht“, sagt sie.

Mancher Kunde probiere, günstig an ein Ausstellungsstück heranzukommen, oder frage nach einem Mengenrabatt. „Wenn ich fünf Paar Schuhe kaufe, bekomme ich eine Einlegesohle dazu“, nennt sie ein Beispiel. Klassisches Feilschen wie auf dem Flohmarkt oder dem Basar sei aber kein typisch deutsches Verhalten.

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In vielen südlichen Ländern gehört Handeln dagegen zum guten Ton. Lange war hierzulande über das Rabattgesetz klar geregelt, wie viel ein Händler auf Kunden zukommen durfte. So durfte der Rabatt bei Barzahlung drei Prozent des Warenpreises nicht überschreiten. Seit 2001 darf der Preis für jedes Produkt und jede Dienstleistung frei vereinbart werden.

Haben Kunden unrealistische Preisvorstellungen?

Es sei spürbar, dass die Menschen inzwischen immer stärker Preise verglichen, so Petersen. Viele zückten im Laden ihr Smartphone und verlangten den gleichen Preis wie bei der Konkurrenz oder Internetanbietern. „Das wird immer krasser“, sagt Kristof Loll, Chef des Kieler Elektrofachhandels EP Loll.

„Wenn Kunden heute im Netz einen sehr günstigen Preis finden, bekommen wir das sofort um die Ohren gehauen.“ Über Preise lasse sich grundsätzlich reden. Ein Problem sei aber, dass einige Kunden unrealistische Vorstellungen hätten. „Die Margen, über die man verhandeln kann, sind nicht so riesig, wie sich das viele Menschen vorstellen.“

Kunden dürften zudem nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Sie müssten auch bedenken, welche Service- und Beratungsleistungen sie bekommen. „Wenn ich online eine Waschmaschine bestelle, geht die Lieferung meist nur bis zur ersten verschließbaren Tür“, so Loll. Dann trage niemand die Maschine hoch, schließe sie an und erkläre etwas dazu.

Kostenersparnisse können weitergegeben werden

„Es passiert uns relativ selten, dass Kunden versuchen, uns auf Preise herunterzuhandeln, die sie im Internet gefunden haben“, sagt dagegen Dirk Willmann, Geschäftsführer des Kieler Möbelhauses Dela. Das sei schon deswegen schwierig, weil beispielsweise Sofagarnituren oder Schrankwände meist individuell zusammengestellt werden.

„Dann gibt es die so auf den Kunden zugeschnittene Schrankwand mit der Front und den Maßen nicht vergleichbar im Internet.“ Wenn Kunden allerdings mehrere Räume mit Produkten aus dem Möbelhaus einrichteten, könnten Kostenersparnisse an ihn weitergeben werden.

Verbraucherzentrale SH rät: Preise vergleichen

„Es ist immer schlau, Preise zu vergleichen – vor allem, wenn es um größere Anschaffungen geht“, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Onlineangebote könnten hierbei Orientierung bieten. So ließen sich schnell vermeintliche Schnäppchenangebote im Laden entlarven, die manchmal gar nicht so günstig sind. Zugleich warnt sie aber davor auf allzu günstige Angebote im Netz hereinzufallen. Oft stecke dahinter kein echter Shop. Die Ware werde dann nie geliefert oder nur Fälschungen des eigentlich georderten Produkts.

Was das Feilschen angeht, rät sie dazu, es einfach auszuprobieren. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist ja nur, dass der Verkäufer nein sagt.“ Sie schätzt die Chancen auf Erfolg eher bei höherpreisigen Produkten hoch ein.

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