Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Was wird aus HDW in Kiel?
Nachrichten Wirtschaft Was wird aus HDW in Kiel?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:23 17.09.2009
Kiel

Unterdessen wurden neue Details über den geplanten Aussteig des Konzerns aus dem zivilen Handelsschiffbau durch. Wie berichtet, sollen zum 1. Oktober große Teile der TKMS-Standorte Kiel und Emden an mittelständische Unternehmen verkauft werden und Teile der Belegschaft in die neuen Firmen übergehen oder abgebaut werden.

„Dank KMS“ und „Kein Verkauf der HDW G.“ stand an großen Plakaten am Dock 8A.

Wie inzwischen bekannt wurde, plant die TKMS-Führung auch eine finanzielle Unterstützung der Rönner-Gruppe, damit sie die Fertigungsanlagen sowie knapp 200 Mitarbeiter der HDW Gaarden übernimmt. Außerdem wurde vom TKMS-Konzern die Kieler Firma Gosch Schlüter angesprochen, ob sie bereit wäre, Mitarbeiter und den Bereich der Instandhaltung der Werft zu übernehmen und eine Niederlassung auf dem Werksgelände zu gründen. Die Geschäftsführung von Gosch Schlüter bestätigte die Gespräche, wollte aber keine Details nennen. Sie verwies auf laufende Verhandlungen.

Die Rönner-Gruppe soll nach den Planungen der Konzernführung künftig die Fertigungsanlagen und Hallen sowie die Docks 7 und 8 betreiben. Gleichzeitig wurde aber auch bekannt, dass der Konzern zwar den U-Bootbau in Kiel konzentrieren will, dennoch auch Kapazitäten für den militärischen Überwasser-Schiffbau erhalten möchte. Auch langfristig sieht TKMS gute Chancen für den Bau von Fregatten, Korvetten, Landungsschiffen und Versorgern. Dies soll in Kiel aber nur als verlängerte Werkbank für die Konstruktionsabteilung in Hamburg geschehen.

Beim Treffen der Betriebsräte der TKMS-Werften amDonnerstag wurde das Konzept des Konzerns scharf kritisiert. Die Betriebsräte forderten von der Konzernleitung ein Konzept, dass sich auf die Zukunft ausrichtet und sich an der Nachfrage innovativer maritimer Technologie orientiert. So kann der Bau umweltfreundlicher Schiffe genauso eine Auslastungsgarantie bringen wie der Bau von Windkraftanlagen. Deshalb fordern die Betriebsräte in einer gemeinsamen Erklärung auf die Ausgliederung oder die Schließung ziviler Neubaukapazitäten zu verzichten. Der Umstand, dass der TKMS-Vorstand den Verkauf der Betriebe in Kiel und Emden zum 1. Oktober plant, bezeichneten die Arbeitnehmervertreter als „terminliches Diktat“ und forderten eine Aussetzung um die offenen Fragen zur Zukunft zu klären. „Die klare Aussage der Versammlung war: Wir wollen bei Thyssen bleiben“, sagte Kiels IG-Metall-Chef Wolfgang Mädel. Die Botschaft an die Konzernleitung steht auch: „Wir lassen euch nicht aus der Verantwortung“, so Mädel.

Gleichzeitig begrüßten die Betriebsräte die Ausrichtung auf den Offshore-Sektor als Zukunftsbranche.