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10:00 21.10.2019
Von Frank Behling
Auch die türkische Marine setzt auf Technik aus Kiel: Die „Papanikolis“ war das erste U-Boot des Typs 214, das von Thyssenkrupp Marine Systems gebaut wurde. Quelle: FB
Kiel

2009 hatte sich die türkische Marine für die Anschaffung von sechs U-Booten des in Kiel bei der Werft HDW entwickelten U-Boots des Typs 214 entschieden.

2015 startete der Bau der Boote in der Türkei. Die „Piri Reis“ ist bereits weit fortgeschritten. Das Boot soll noch in diesem Jahr zu Wasser kommen und 2023 in Dienst gestellt werden. 2017 und 2018 begann der Bau der Schwesterboote „Hizir Reis“ und „Murat Reis“. Die Vorbereitungen für den Bau von „Aydin Reis“, „Seydi Reis“ und „Selman Reise“ laufen. Die sechs Boote sollen bis 2023 in Dienst gestellt werden.

Mögliche Embargos umgehen

Die türkische Regierung legte bei dem Auftrag großen Wert auf eine umfangreiche Beteiligung türkischer Zulieferer. Zur Umgehung eines möglichen Embargos aus Deutschland gibt es auch Kontakte mit koreanischen Firmen, die am Bau von U-Booten des Typs 214 für die Marine Südkoreas beteiligt sind.

Die türkischen Boote des Typs 214 haben laut Flottenhandbüchern eine Länge von 65,3 Metern und eine Verdrängung von 1700 (aufgetaucht) beziehungsweise 1860 Tonnen (getaucht). Kernkomponenten sind die Bugsektion mit den acht Torpedorohren sowie die Technologie für den Antrieb.

U-Boote sollen zwei Wochen tauchen können

Die „Piri Reis“ und ihre Schwestern erhalten neben dem klassischen Dieselgenerator zur Stromerzeugung für den elektrischen Fahrmotor auch eine außenluftunabhängige Brennstoffzellen-Komponente. Damit sollen diese Boote bis zu zwei Wochen tauchen können. Die Bewaffnung soll aus 14 Torpedos oder Flugkörper bestehen, die über die acht Bugtorpedorohre verschossen werden.

Die sechs U-Boote des Tys 214TR sollen sechs zwischen 1972 und 1985 von HDW in Kiel und Göcük in der Türkei gebaute U-Boote des Klasse 209/1200 ersetzen. Darüber hinaus verfügt die türkische Marine noch über acht ebenfalls 1997 bis 2007 in Golcük mit Hilfe von HDW gebaute U-Boote der „Preveze“-Klasse (Typ 209/1400).

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Berlin schränkt Export an die Türkei ein

Die Bundesregierung begrüßt die Einigung auf eine Waffenruhe im Nordosten Syriens, hält den Rüstungsexportstopp für die Türkei aber zunächst aufrecht. Noch seien viele Fragen zu den Folgen der türkischen Militäroffensive ungeklärt, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die „verschärfte Rüstungsexportpolitik gegenüber der Türkei“ gelte fort. Alles, was dazu beitrage, die Kampfhandlungen im Nordosten Syriens zu beenden, die Situation zu deeskalieren und Zivilisten zu schützen, werde vom Auswärtigen Amt ausdrücklich begrüßt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die türkische Militär-operation gegen die Kurdenmiliz YPG sei „ein humanitäres Drama mit großen geopolitischen Folgen“. Deshalb werde die Bundesregierung „unter den jetzigen Bedingungen auch keine Waffen an die Türkei liefern“. Vorher hatte die Bundesregierung lediglich angekündigt, dass keine Exporte mehr von Waffen genehmigt werden, die in dem Konflikt eingesetzt werden können.

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Der Typ 214 wurde von HDW speziell für den Export entwickelt. Bislang haben Griechenland, Südkorea und Portugal diese Bootsklasse im Einsatz. Den Anfang machte die griechische Marine mit der von 2000 bis 2006 in Kiel gebauten „Papanikolis“. Drei weitere U-Boote werden für Griechenland bei Hellenic Shipyards gebaut.

In Kiel werden sowohl für die griechischen als auch für die türkischen U-Boote Schlüssel-Komponenten gebaut. Hinzu kommen die Topedorohr-Sektionen und die Antriebseinheiten. Sie werden als Material-Pakete im Seetransport nach Gölcük geliefert.

Weitere Unternehmen wären betroffen

Ein Embargo würde aber auch andere Unternehmen aus der maritimen Wirtschaft in Deutschland treffen. Die Firma Atlas Elektronik in Wedel liefert seit Jahrzehnten die Torpedos für die türkische Marine. Der Maschinenhersteller MTU aus Friedrichshafen ist der größte Lieferant von Antriebsmotoren für die Türkei.

MTU liefert auch für die neuen Korvetten der Milgem-Klasse je zwei Dieselmotoren des Typs 16V 595 TE90. Jeder dieser Motoren hat eine Leistung von 4320 kW. Deutsche Antriebstechnik ist außerdem in vielen Behördenschiffen der Türkei verbaut.

Die Schifffahrt steht häufig wegen ihres Antriebs in der Kritik. Viele verwenden noch das umweltschädliche Schweröl. Doch der Druck auf die Branche ist groß, speziell auf die Kreuzfahrtbranche.

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