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Wirtschaft Kiels erste Wasserstoff-Tankstelle startet 2023 – mit selbst produziertem Treibstoff
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Wasserstoff-Tankstelle in Kiel startet 2023

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17:50 22.12.2021
Von Ulrich Metschies
Ökostrom wird zu Wasserstoff, dieser befeuert wiederum die Brennstoffzellen in Autos oder Bussen: So sieht eine Vision für die Mobilität von morgen aus.
Ökostrom wird zu Wasserstoff, dieser befeuert wiederum die Brennstoffzellen in Autos oder Bussen: So sieht eine Vision für die Mobilität von morgen aus. Quelle: Foto: djd/Michelin Reifenwerke
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Kiel

Es ist ein ordentlicher Schub für die Verkehrswende in Schleswig-Holstein, Investitionsvolumen: rund zehn Millionen Euro. Ein Verbund regionaler Unternehmen und Investoren baut in Kiel ein weit umspannendes „Ökosystem“ für grünen Wasserstoff auf. Zur geplanten Infrastruktur zählt eine Produktionsanlage, die Sonnen- und Windstrom aus regionalen Anlagen in klima- und umweltfreundlichen Treibstoff verwandelt, sowie die erste Wasserstoff-Tankstelle in der Landeshauptstadt. Ab Sommer 2023 sollen am Standort in Kiel-Moorsee Autos, Busse und Lastwagen grünen Wasserstoff tanken können. Aktuell gibt es im Energiewendeland Schleswig-Holstein erst vier Wasserstoff-Tankstellen.

hy.kiel: Neuer Player der Wasserstoffwirtschaft

Kern der Initiative ist das neue Gemeinschaftsunternehmen hy.kiel, das vor wenigen Tagen von einem Bündnis klimabewegter Investoren gegründet wurde. Mit dabei: das Kieler Tankstellenunternehmen Anton Willer, die SVG Straßenverkehrsgenossenschaft Schleswig-Holstein aus Neumünster, die Dr. Curt Heinrich Nachfolger GmbH, der Mediziner und Privatinvestor Prof. Hans-Hinrich Sievers sowie der nordfriesische Energiewende-Spezialist GP Joule.

Gemeinsam für die Verkehrswende mit grünem Wasserstoff (v.l. ): Christian Heinrich, Ina Hoffmann, Ulf Kämpfer, Georg Willer, Tanja Schroeder, Axel Niesing, Thorben Hänel-Muhs, André Steinau und Prof. Hans-Hinrich Sievers. Quelle: Ulf Dahl

Zwei Brennstoffzellenbusse machen den Anfang

Erste Nutzer werden zwei Brennstoffzellen-Busse der Autokraft sein, die im Kreis Rendsburg-Eckernförde in den Einsatz gehen sollen. Betriebe aus Kiel-Wellsee mit Lastwagen-Güterverkehr wollen den Öko-Treibstoff nach Angaben der Initiatoren ebenfalls nutzen. Darüber hinaus werden auch im Fuhrpark der Gesellschafter der hy.kiel sowie der Kieler Nachrichten Wasserstoff-Fahrzeuge angeschafft. Aus Sicht von Christian Heinrich bedeutet das Projekt „ein klares Bekenntnis der Region zu klimaschonenden Technologien“ und steigert zudem die Attraktivität für bestehende und neue Unternehmen in der Region. Heinrich ist Gesellschafter der Dr. Curt Heinrich Nachfolger GmbH, die an der Kieler Nachrichten Gruppe beteiligt ist.

Bis zu 260 Tonnen Wasserstoff im Jahr

Der Elektrolyseur, der den grünen Wasserstoff aus erneuerbarem Strom produziert, wird ebenfalls an der Tankstelle in Kiel-Moorsee errichtet. Die Anlage wird zunächst bis zu 260 Tonnen jährlich erzeugen können. Diese Menge reicht aus, um den täglichen Tankbedarf von 15 Lastwagen, acht Bussen und 28 Autos zu decken. Anders gerechnet: Der Wasserstoff made in Kiel ermöglicht bei diesem Nutzungsmix eine emissionsfreie Gesamtreichweite von bis zu 26.500 Kilometern am Tag. Möglich ist es zudem, die am Elektrolyseur entstehende Abwärme in ein Fernwärmenetz einzuspeisen.

Akteure sehen ein großes Potenzial für Wasserstoff

André Steinau, Mitgeschäftsführer der hy.kiel sowie der technisch federführenden GP Joule Hydrogen GmbH, sieht durch das Vorhaben auch die Akzeptanz der neuen Technik zunehmen: „Mit der lokalen Wasserstoffproduktion direkt an der Tankstelle, den Wasserstoffbussen, den geplanten Lkw, unseren Firmenautos und hoffentlich vielen weiteren Pkw und leichten Nutzfahrzeugen wird das Ökosystem Wasserstoff direkt erfahrbar.“ Willer-Chef Axel Niesing, ebenfalls Geschäftsführer der hy.kiel, zeigt sich „stolz, die Energiewende mit grünem Wasserstoff voranzubringen und eine neue Technologie in unser Portfolio mit aufzunehmen.“ Thorben Hänel-Muhs, Vorstandsvorsitzender der SVG und ebenfalls in der Leitung des neuen Unternehmens aktiv, sieht Wasserstoff als einen elementaren Energieträger der Zukunft: „Nur unter Einbezug von Wasserstoff als grüne Antriebstechnologie ist es möglich, den Schwerlastverkehr und insbesondere den öffentlichen Nahverkehr langfristig klimaneutral zu gestalten.”

Kämpfer: „Initialzündung nicht nur für Kiel“

Begeisterung auch beim Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Mit diesem Vorhaben stellen wir sicher, dass die Kiel-Region auf diesem wichtigen Zukunftsfeld ganz vorne mit dabei ist.“ Und das könne eine Initialzündung nicht nur für Kiel, sondern für ganz Schleswig-Holstein sein. In diesem Kontext denke er „natürlich auch über Kooperationsmöglichkeiten nach, insbesondere mit unseren Stadtwerken“.

Brennstoffzellen-Autos, -lastwagen und die Wasserstoffbusse, die künftig im Linienverkehr eingesetzt werden, tanken ausschließlich grünen Wasserstoff und fahren somit emissionsfrei. Aus dem Auspuff kommt lediglich Wasserdampf. Darüber hinaus sind sie deutlich leiser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren – bei gleicher Reichweite und einer ähnlich kurzen Tankzeit.