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Wirtschaft Windland Schleswig-Holstein: Hier ist der Strom am teuersten
Nachrichten Wirtschaft Windland Schleswig-Holstein: Hier ist der Strom am teuersten
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06:00 14.09.2019
Von Anne Holbach
Entgelte für abgeregelte Windkraftanlagen treiben unter anderem die Strompreise in die Höhe, sagt Martin Kruse, Energieexperte der IHK zu Kiel.
Kiel

Vergleichsweise teuer ist Strom in Hamburg (1192 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (1173 Euro) sowie in Brandenburg (1189 Euro).

„Hintergrund sind die Netzentgelte, die hier höher sind als in anderen Ländern“, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale. Steuern und Abgaben machen über die Hälfte des Preises aus. Allein die Netzentgelte haben einen Anteil von rund 24 Prozent. Das sind Gebühren, die die Versorger für Betrieb und Ausbau ihrer Infrastruktur erheben. In Schleswig-Holstein stieg der Strompreis von 2018 auf 2019 bundesweit am stärksten. Familien müssen nun im Schnitt 38 Euro mehr bezahlen.

Schleswig-Holstein: Ein Kostentreiber ist der Ausbau der Netze

„Ein wesentlicher Kostentreiber ist der Ausbau der Netze im Rahmen der Energiewende“, so Ove Struck von der Schleswig-Holstein Netz AG. Die Netzentgelte belasteten Bundesländer mit vielen Windkraftanlagen deswegen besonders. Erst 2023 sollen sie vereinheitlicht sein. Hinzu komme, dass der Betrieb von Infrastruktur für Strom in eher ländlichen Regionen teurer sei als in städtischen Ballungsgebieten. „Im Bereich der Übertragungsnetze führt die Energiewende zu einer Benachteiligung der nord- und ostdeutschen Länder“, heißt es auch von den Stadtwerken in Kiel. Die SH Netz fordert eine bundesweit einheitliche Umlegung der Ausbaukosten. „Energiewende und Klimaschutz sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Die entsprechenden Kosten müssen damit auch bundesweit solidarisch getragen werden“, so Struck.

Lesen Sie auch einen Kommentar von Anne Holbach zu den Strompreisen

Kosten werden auf die Verbraucher umgelegt

Zudem treiben Entgelte für abgeregelte Windkraftanlagen die Preise in die Höhe, sagt Martin Kruse, Energieexperte der IHK zu Kiel. „Diese Kosten in dreistelliger Millionenhöhe werden auf die Verbraucher umgelegt.“ Die hohen Preise wirkten sich negativ auf die Wirtschaft aus. Laut Kruse sorgen sie auch dafür, dass sich stromintensive Unternehmen nicht so schnell im Land ansiedelten wie andernorts. „Es ist absurd, dass Schleswig-Holstein den hier vorhandenen Stromüberschuss nicht zu seinem eigenen wirtschaftlichen Vorteil nutzen kann“, sagt Gabriel Felbermayer, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft. „Die norddeutschen Bundesländer sollten ihre Bemühungen vorantreiben, den Strom hier vor Ort günstig nutzen zu können. Ihnen muss ermöglicht werden, sich als Standort für preisgünstigen ,grünen’ Strom anzubieten.“ Das würde aus seiner Sicht auch die Akzeptanz der Bürger für Windkraftausbau erhöhen.

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