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Wirtschaft Schleswig-Holstein hinkt dem Süden hinterher
Nachrichten Wirtschaft Schleswig-Holstein hinkt dem Süden hinterher
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10:13 24.07.2019
Von Anne Holbach
Der echte Norden, aber weniger Wirtschaftswachstum im Vergleich mit Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg.
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Kiel

„Der Süden hat wesentlich stärker von den Aufschwungjahren profitiert als der Norden“, sagt Analyst Klaus Schrader von Institut für Weltwirtschaft. Um dem entgegenzusteuern, brauche es einen Schulterschluss der Nordländer, fordert der UV Nord. 

Beim durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftswachstum zwischen 2008 und 2018 liegen Bayern und Baden-Württemberg deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 1,4 Prozent. Von den Nordländern kommt an diesen Wert nur Niedersachsen heran. Schleswig-Holstein schneidet mit 1,2 Prozent unterdurchschnittlich ab. Das niedrigste Ergebnis erreicht Mecklenburg-Vorpommern.

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Niedersachsen profitiert von hohem Industrieanteil

Grund für die Kluft zwischen den Bundesländern sei vor allem die unterschiedliche Spezialisierung einzelner Branchen, so Schrader. Die höchsten Wachstumsraten verzeichnen das verarbeitende Gewerbe und unternehmensbezogene Dienstleistungen. 

Niedersachsen könne dank seines eher hohen Industrieanteils mithalten. Die Stadtstaaten haben bei Dienstleistungen ihre Stärken. „Den ausgesprochen industriearmen Ländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gelingt es nicht, das zu kompensieren.“

Studienautoren: Politik soll industrielle Kerne besser pflegen

Schleswig-Holstein wird zwar nicht schlechter, bleibt bei der Aufholjagd aber zurück. „Die Politiker im Norden müssen sich stärker um die Pflege und Weiterentwicklung industrieller Kerne kümmern“, fordert Schrader. Bei Infrastruktur und regulatorischen Rahmenbedingungen könne die Politik etwas tun.

UVNord will mehr Kooperation zwischen den Ländern

„Die Zahlen sind für uns teilweise harter Stoff“, sagte UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz. Er sei aber überzeugt davon, „dass wir erhebliches Potenzial haben“.

Wenn der Norden im Gleichtakt mit dem Süden oder schneller laufen wolle, müssten Alleingänge ein Ende haben. „In Berlin und Brüssel spielt Norddeutschland keine Rolle, weil wir zu kleinteilig sind. Die Schwergewichte bekommen, was sie wollen“, so Wachholtz. „Wir müssen die Standortpolitik enger als bislang koordinieren.“

Das gelte für die Planung von Verkehrsinfrastruktur wie für die Raumordnung. Auch bei Demografie- und Fachkräftekonzepten sollten die Nord-Länder zusammenarbeiten. Zudem fordert er eine Harmonisierung der Bildungssysteme.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht sich durch die Studie bestätigt. Das Land packe den Ausbau der Infrastruktur an und habe gerade ein industriepolitisches Konzept entwickelt. Der Austausch mit den Küstenländern werde bereits gepflegt.