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Wissen Alexander Gerst zu Mondflügen: „Wir können sehr viel lernen über uns selbst“
Nachrichten Wissen Alexander Gerst zu Mondflügen: „Wir können sehr viel lernen über uns selbst“
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16:21 07.06.2019
Space-Selfie: Selbstporträt von Alexander Gerst außerhalb der Internationalen Raumstation ISS. Quelle: Alex Gerst/Nasa
Erfurt

Für den Astronauten und ehemaligen ISS-Kommandant Alexander Gerst (Astro-Alex) ist der Sinn einer Mondmission nicht, Lebensraum für die Menschen zu schaffen – sondern wissenschaftlicher Art. „Wir fliegen nicht zum Mond, weil der so schön lebenswert ist“, sagte er am Freitag in Erfurt. „Der ist relativ grau, staubig, da ist ein Vakuum, grelles Sonnenlicht, minus 150 Grad in der Nacht, plus 150 Grad am Tag.“ Stattdessen könne man vom Mond „sehr viel lernen über uns selbst“, so der 43-Jährige.

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Raumfahrt-Show für 15 000 Jugendliche

Zusammen mit dem 77 Jahre alten Astronauten Ulf Merbold – der einzige Deutsche, der dreimal im All war – präsentierte Gerst in Erfurt eine Raumfahrt-Show für 15 000 Kinder und Jugendliche. Thema der Veranstaltung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) war der Mond, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der ersten bemannten Mondlandung am 20. Juli 1969.

„Wir fliegen nicht zum Mond, weil wir denken, die Erde ist nicht mehr gut genug, oder wir grasen die ab wie ein Heuschreckenschwarm und fliegen dann weiter zum nächsten Planeten – das ist überhaupt nicht unser Ziel“, so Gerst weiter. „Wir fliegen zum Mond, um dort mehr über uns selbst zu erfahren und das zurück zur Erde zu bringen. Um, unter anderem, die Erde zu einem lebenswerteren Ort zu machen und die zu bewahren für zukünftige Generationen.“

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Gerst glaubt an bemannte Marsmission in absehbarer Zeit

Die beiden Astronauten sprachen nicht nur über den Mond, sondern auch über die Möglichkeit einer bemannten Marsmission. Er sei sich relativ sicher, sagte Gerst, dass die Generation, die jetzt aufwächst, eine solche erleben würde. Zwar sei eine Marsmission mit vielen Herausforderungen verbunden, etwa einer Abwehr der Strahlung oder der Notwendigkeit, ein lebenserhaltendes System zu konzipieren, das für mehrere Jahre funktioniert. „Das sind Dinge, die wir lösen müssen, die sind nicht einfach, da sind aber Heerscharen von Ingenieuren und Ingenieurinnen dran. Letztendlich ist da nichts dabei, wo die Physik sagt, das geht nicht.“

Merbold sagte, dass es spannend sei, „dass wir Riesenschritte unternehmen müssen, um uns gegen diese Strahlung zu schützen, wenn wir zum Mars fliegen wollen. Aber auf der Erde wird uns dieser Komfort von der Natur geschenkt. Und das meine ich, das sollte uns mal zum Nachdenken bringen – wie grandios unsere Erde ist.“

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Von RND/dpa