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09:30 12.03.2019
Falten einfach wegcremen? Das wäre schön – funktioniert aber nicht. Quelle: Getty Images
Hamburg

Wenn sich das Älterwerden schon nicht aufhalten lässt, wollen wir wenigstens so lange wie möglich gut aussehen, körperlich gesund und fit im Kopf bleiben. Zu diesem Zweck greift mancher zu angeblichen „Wundermitteln“, die ein längeres Leben, knitterfreie Haut und einen immerwachen Verstand versprechen. Aber was ist wirklich von Cremes und Nahrungsergänzungsmitteln zu halten, die ewige Jugend versprechen?

Antifaltencremes zeigen kaum Effekt

„Sichtbar weniger Falten“ und „ein deutlich jüngeres Aussehen schon nach wenigen Tagen“ – mit solchen Versprechen werden Anti-Aging-Cremes beworben. Zugesetzte Substanzen wie das Coenzym Q 10 sollen das Hautbild angeblich verjüngen. Nur: Allzu viel sollte man nicht von solchen Cremes erwarten, trotz der teils astronomischen Preise. So bewertete etwa die Stiftung Warentest neun untersuchte handelsübliche Antifaltencremes, die das Coenzym Q 10 enthielten, mit„Mangelhaft“. Bei den meisten Frauen zeigte sich überhaupt kein Effekt, bei anderen nur ein geringer.

Auch teure Anti-Aging-Produkte versagen

Beim Kauf mehr zu investieren lohnt sich offenbar auch nicht. Teure Produkte mit Preisen bis zu rund 90 Euro versagten im Test genauso wie günstige für knapp 3 Euro. Einige der Cremes versorgten die Haut zwar gut mit Feuchtigkeit. Das könne aber nach Ansicht der Warentester auch eine normale Feuchtigkeitscreme ohne Anti-Aging-Effekt, die weniger kostet.

Sinnvoller, als auf vermeintliche Wundermittel zu setzen, ist es ohnehin, der Hautalterung vorzubeugen. „Am wichtigsten ist dabei ein guter UV-Schutz“, sagt Christiane Bayerl, Leiterin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden. Entsprechende Zusätze sind in vielen Tagescremes enthalten. Wer sich möglichst lange ein jugendliches Aussehen bewahren möchte, solle zudem möglichst auf das Rauchen verzichten. Aber auch Umwelteinflüsse sind nicht zu unterschätzen: „Es hat sich gezeigt, dass Schadstoffe aus der Luft die Hautalterung beschleunigen“, warnt die Dermatologin. „Ich empfehle daher, sich jeden Abend nicht nur gut abzuschminken, sondern sich auch gründlich das Gesicht zu waschen.“

Beugt Aspirin Krankheiten vor?

Ein vor allem in den USA verbreiteter Irrglaube ist, dass Acetylsalicylsäure (eher bekannt unter dem Handelsnahmen Aspirin) Krankheiten vorbeugt. Selbst Gesunde nehmen das Schmerzmittel dort täglich ein, in der Hoffnung, dass sie das vor etlichen Krankheiten schützt. Der Wirkstoff verdünnt lediglich das Blut und kann dadurch einer Verstopfung der Gefäße vorbeugen. Das wiederum senkt bei manchen Patienten das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Gleichzeitig erhöht sich aber das Risiko von Hirnblutungen, Magengeschwüren und Blutungen im Verdauungstrakt. Gesunde sollten Acetylsalicylsäure daher keinesfalls täglich einnehmen. Falsch ist auch die Annahme, dass der Wirkstoff das allgemeine Krebsrisiko senken kann: Studien zufolge verringert er das Risiko für einige Krebsarten, erhöht es aber für andere. Die tägliche Einnahme niedriger Dosen ist allenfalls für solche Patienten ratsam, die bereits einmal einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hatten.

Mehr Eiweiß gleich mehr Muskeln?

Sportler brauchen Eiweiß, auch Protein genannt. Da ist es kein Wunder, dass es gerade im Fitnessbereich zahlreiche Produkte gibt, die eine Zusatzdosis des wertvollen Stoffs versprechen. Doch ist die wirklich nötig? Denn in der Regel lässt sich der Eiweißbedarf eines Erwachsenen durch eine ausgewogene Ernährung gut abdecken, sagen Experten.

Fertigprodukte sehen sie daher eher kritisch: Protein kann den Muskelaufbau zwar positiv beeinflussen, wenn es kurz vor oder bis zu zwei Stunden nach dem Sport eingenommen wird, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Ein Mehr an Eiweiß bringe kein Mehr an Muskeln. Ein gezieltes und intensives Training sei effektiver, sagen Ernährungswissenschaftler.

Magnesium: Präparate sind überflüssig

Der Mineralstoff Magnesium soll angeblich dabei helfen, länger jung und leistungsfähig zu bleiben, und zudem Erkältungen vorbeugen. Er wird sehr häufig als Nahrungsergänzungsmittel gekauft, knapp 37 Millionen Packungen gehen in Deutschland pro Jahr über die Ladentheke. Dabei sind die meisten Deutschen über Lebensmittel ausreichend mit Magnesium versorgt, sagt Wiebke Franz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen: „Ein gesunder Mensch kann seinen Tagesbedarf mit einer ausgewogenen Ernährung gut decken. Magnesium kommt in sehr vielen Lebensmitteln vor, vor allem in Vollkorn- und Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Obst und vielen Gemüsearten.“ Mineralstoffpräparate seien daher relativ überflüssig: „Wer Magnesium über den empfohlenen Bedarf hinaus aufnimmt, verbessert weder seine körperliche oder geistige Leistung noch seine Abwehrkraft“, sagt Franz. Magnesium könne den Alterungsprozess nicht verlangsamen und auch nicht vor Herzinfarkt oder Krebserkrankungen schützen, wie manche Menschen glauben.

Muskelkrämpfe beim Sport eher Überbelastung

Verbreitet ist zudem der Glaube, dass Magnesiumpräparate helfen, Muskelkrämpfen beim Sport vorzubeugen. „Muskelkrämpfe können viele Ursachen haben, die ein Arzt abklären sollte“, sagt Franz dazu. „Meist sind sie allerdings kein Zeichen von zu wenig Magnesium, sondern von Fehl- oder Überbelastung.“

Zudem wird Magnesium nicht immer gut vertragen: Bei einer Überdosierung drohen Durchfälle und Magen-Darm-Beschwerden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät davon ab, mehr als 250 Milligramm Magnesium täglich in Form von Präparaten zu sich zu nehmen. In einem Test der Verbraucherzentralen wurde dieser Wert jedoch bei fast zwei Drittteln der Nahrungsergänzungsmittel überschritten.

B-Vitamine verhindern kein Alzheimer

Immer wieder kursiert das Gerücht, dass B-Vitamine helfen könnten, der Alzheimer-Demenz vorzubeugen. Richtig ist, dass diese Vitamine die Funktionen des Nervensystems unterstützen. Alzheimer lässt sich damit aber nicht behandeln. In einer Studie hatten Forscher der University of California Alzheimer-Patienten anderthalb Jahre lang mit hoch dosierten B-Vitaminen behandelt. Auf das Fortschreiten der Symptome hatte das keinen Einfluss. Zur Behandlung der Alzheimer- Krankheit sind die Vitamine unwirksam, so das Fazit der Autoren.

Daher rät auch die deutsche Alzheimer-Gesellschaft von solchen Vitaminkuren ab. Hoch dosierte Vitamine könnten „gegenwärtig nicht zur Behandlung oder Vorbeugung der Alzheimer-Krankheit empfohlen werden“, und sollten „nur bei nachgewiesenen Mangelzuständen“ als Nahrungsergänzung eingenommen werden, heißt es in einer Stellungnahme. Ganz allgemein lässt sich sagen: Gerade ältere Menschen sollten auf eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung achten, um lange gesund und leistungsfähig zu bleiben. Vitaminpräparate sollten aber höchstens jene Menschen nehmen, die es nicht schaffen, ihren Bedarf über das Essen zu decken.

Von RND / Irene Habich

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