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18:30 16.01.2019
Alf-Synchronstimme Tommi Piper hat sich im RTL-Dschungelcamp über seine Prostata beschwert. Quelle: dpa/Montage RND
Hannover

„Scheiß Prostata“: Am fünften Tag des RTL-Dschungelcamps geht es am Lagerfeuer heiß her. Alf-Synchronstimme Tommi Piper lässt, nachdem keiner mit ihm auf die Toilette gehen will, seinen Gedanken freien Lauf. Er müsse – wegen seiner Prostata – oft Wasserlassen, und auch mit seinen 77 Jahren habe er noch Lust auf Sex. Beim Sex habe er aber leider ein weiteres Problem mit seiner Vorsteherdrüse: Er ejakuliere nach Innen.

Kann dieses nur kastaniengroße Organ direkt unter der männlichen Blase wirklich solche Probleme auslösen? Hier wichtigen Fakten:

Was ist die Prostata eigentlich?

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist ein kastaniengroßes Organ, das unterhalb der Harnblase liegt und einen Teil der Harnröhre bildet, durch den der Urin aus der Blase abläuft. An die Rückseite der Prostata grenzt der Mastdarm. Deswegen lässt sich die Prostata auch gut vom Arzt vom Enddarm aus mit den Fingern ertasten. Die Vorsteherdrüse dient der Bildung der Samenflüssigkeit, die zusammen mit den Spermien aus den Hoden das Ejakulat – den Samenerguss – bildet. Diese Produktion ist durch Testosteron – das männliche Geschlechtshormon – gesteuert.

Welche Erkrankungen der Prostata gibt es?

Zum einen die Prostataentzündung. Im Rahmen einer Infektion – mit beispielsweise Erregern – kann es zu einer Entzündung der Prostata kommen. Da die Erreger in den Drüsen gute Bedingungen vorfinden (warm und nährstoffreich), kann diese Erkrankung manchmal sehr langwierig sein. Tückisch ist, dass man sich häufig einfach nur allgemein krank fühlt. Die Prostata sendet selbst keine Schmerzreize aus. Lediglich die Tastuntersuchung der Prostata weist hier häufig den Weg zu der Diagnose.

Ab etwa 50 Jahre kommt es bei vielen Männern zu einer gutartigen Vergrößerung der Prostatadrüsen. Dies ist an sich ungefährlich, kann aber lästig werden. Nämlich dann, wenn die Vergrößerung so groß wird, dass der Harnablauf beeinträchtigt wird. Die Blasenentleerung dauert dann länger. Im Zweifel bleibt sogar Restharn in der Blase, was zu Komplikationen führen kann.

Die gefährlichste Erkrankung ist der Prostatakrebs. In Deutschland liegt die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr derzeit bei rund 60.000. Das Prostatakarzinom ist damit die häufigste diagnostizierte Krebserkrankung des Mannes.

Prostata-Vergrößerung: Gibt es eine gutartige und bösartige?

Während die gutartige Vergrößerung fast alle Männer im Alter trifft, ist die bösartige Vergrößerung seltener, aber eine der häufigsten Krebserkrankungen des Mannes.

Warum kann die Prostata beim Wasserlassen Schwierigkeiten bereiten?

Die Vergrößerung der Prostata schwächt den Harnstrahl. Es ist so, als stünde jemand auf dem Wasserschlauch. Daher muss die Blase einen höheren Druck aufbauen, was dann zu Problemen, wie dem nächtlichen Wasserlassen oder zu häufigem Harndrang führen kann.

Welche Rolle spielt die Prostata beim Sex?

Zum einen produziert die Prostata den Samenerguss, zum anderen ziehen sich die Muskeln in der Prostata beim Samenerguss koordiniert zusammen, so dass der Samenerguss herausgedrückt wird.

Ist häufiger Sex gut für die Prostata?

Weder gut, noch schlecht. Bei einer Entzündung hilft ein regelmäßiger Samenerguss die Entzündungszellen herauszuspülen. Sonst gibt es keine sicheren Zusammenhänge.

Inwiefern kann eine Erkrankung eine Impotenz hervorrufen?

Die Prostata selbst hat keinen direkten Einfluss auf die Potenz. Die Nerven, die die Gliedsteife steuern, laufen aber direkt an der Prostatahülle entlang, so dass Operationen an der Prostata hier Einflüsse haben können.

Können Probleme mit der Prostata bewirken, dass das Ejakulat im Körper verbleibt?

Wenn sich die Prostata vergrößert, produziert sie weniger Erguss, der dann auch schlechter herausgedrückt werden kann. Meist wird der Erguss dann – wie auch nach einer Prostataausschälung – in die Blase geleitet, was völlig unschädlich ist. Das Empfinden des Höhepunktes bleibt in der Regel bestehen.

Ab wann sollten Männer zu einer Prostata-Untersuchung gehen?

Vor dem 50. Geburtstag ist ein Krebs in der Prostata eher selten. Falls es in der Familie einen Krebsfall gegeben haben sollte, sind Früherkennungen und Untersuchungen schon früher als mit den üblichen 45 Jahren ratsam.

Als Marker zur Früherkennung von Prostatakrebs gilt – neben der digital-rektalen Untersuchung des Arztes – das so genannte prostataspezifische Antigen (PSA). Das ist ein Protein, das sowohl in gesundem, als auch vom Krebs befallenen Prostatagewebe nachgewiesen werden kann. Je höher der PSA-Wert, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Prostataerkrankung.

Unser Experte: Dr. Thomas Quack

Dr. Thomas Quack ist seit 1998 Urologe. Unter anderem ist er auch Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Urologen in Schleswig Holstein und Mitglied in der Patienten Akademie der Deutschen Urologen.

Dr. Thomas Quack ist Urologe in Plön, Schleswig Holstein. Quelle: DGU/Bertram Solcher

Von RND

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