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Wissen Desinfektionsmittel: Ist zu viel Hygiene wirklich schädlich?
Nachrichten Wissen Desinfektionsmittel: Ist zu viel Hygiene wirklich schädlich?
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13:35 07.06.2019
Vor öffentlichen Toiletten, in Kindertagesstätten oder in Krankenhäusern gibt es oft Desinfektionsmittelspender. Quelle: dpa-tmn
Hannover

Ob der Einkaufswagen, die Haltestange im Bus oder die Raststättentoilette – im Alltag wirkt es oft geradezu verlockend, vermeintlich praktisches Handdesinfektionsmittel dabei zu haben. Doch bringen die Fläschchen wirklich ein Mehr an Hygiene?

Wie funktionieren Handdesinfektionsmittel?

Desinfektionsmittel werden eingesetzt, um die Keimbelastung durch Bakterien, Pilze oder Viren zu reduzieren. „Sie sollen Mikroorganismen unschädlich machen“, erklärt Ernst Tabori, ärztlicher Direktor beim Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH). Wie genau ein Mittel wirkt, steht auf dem Produktetikett. Es wird zwischen folgenden Eigenschaften unterschieden:

Bakterizid: wirkt gegen Bakterien

Viruzid: wirkt gegen alle Viren, also behüllte und unbehüllte Viren, zum Beispiel Noro-Viren

Begrenzt viruzid: wirkt gegen behüllte Viren, beispielsweise HIV oder Hepatitis-C-Viren

Fungizid: wirkt gegen Pilze

Hände desinfizieren: Im Krankenhaus sinnvoll

Die meisten Handdesinfektionsmittel basieren auf Alkohol. „Alkohol wirkt sehr schnell und effektiv, wenn es um das Deaktivieren von Keimen geht“, so Tabori. Für Krankenhäuser oder Arztpraxen sei das praktisch, weil Patienten mit einem geschwächten Immunsystem nicht zusätzlich mit Keimen von Außen belastet werden. „Dennoch muss man sich bei allem, was hochpotent ist, vorher fragen, ob das zwingend nötig ist“, meint der Experte.

Handdesinfektion: Zu Hause nicht nötig

„Wenn wir zu Hause schmutzige Hände haben, wollen wir, dass sie sauber werden – und das macht nicht Desinfektionsmittel, sondern die klassische Seife“, so Tabori. Sie enthält sogenannte lipophile Anteile, also Anteile, die dafür sorgen, dass Fett und Öl wasserlöslich gemacht werden. Ein zusätzliches Desinfizieren sei nicht nötig. „Haushaltsbakterien und -viren werden auch von Seife problemlos beseitigt“, erklärt der Experte. Außerdem seien milde Seifen biologisch abbaubar und günstiger als hochpotente Produkte.

Hände desinfizieren: Hygienemaßnahme mit Folgen

Wer häufig Handdesinfektionsmittel benutzt, merkt: Der enthaltene Alkohol trocknet die Haut auf Dauer aus und lässt sie spröde werden. „Außerdem sind die Mittel oft mit Farb- oder Duftstoffen versehen. Darauf kann ein Mensch eventuell allergisch reagieren“, so Tabori.

Zudem gehören bestimmte Pilz- und Bakterienstämme in das biologische Umfeld von Menschen. Sie sind Bestandteil eines natürlichen Gleichgewichts, das durch Desinfektionsmittel zerstört wird – so könnten Mikroorganismen Toleranzen gegen bestimmte Wirkstoffe bilden. Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt davor, dass auf diesem Wege auch Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt werden können.

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Wann Handdesinfektionsmittel sinnvoll sein kann

Insbesondere in der Hauptreisezeit stellen Marktforschungsunternehmen ein Hoch der Nachfrage nach Handdesinfektionsmitteln fest. „In Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen oder auf Reisen, bei denen man sich die Hände nicht waschen kann, kann ein Handdesinfektionsmittel ausnahmsweise sinnvoll sein“, erklärt Tabori. Hinterher seien die Hände zwar nicht sauber, aber die Keime immerhin beseitigt.

Eine weitere Ausnahme: Die Pflege eines kranken Menschen mit schwacher Abwehr. „In diesem Fall gilt allerdings: Wenn ein Handdesinfektionsmittel gebraucht wird, um den Patienten nicht mit Keimen zu belasten, ordnet der Hausarzt es an“, so der Experte.

Flächendesinfektionsmittel im Haushalt überflüssig

Von Flächendesinfektionsmitteln im Haushalt rät Tabori grundsätzlich ab: „Sie belasten die Umwelt, indem sie ins Klärwerk geraten und dort biologische Abbauorganismen, wie Bakterien und Einzeller, zerstören.“ Die Verbraucherzentrale Hamburg rät deshalb zu einfachen Putzmitteln, zum Beispiel milden Allzweck- oder Essigreinigern.

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Von RND / Jessica Orlowicz

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