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Wissen Färben mit Pflanzen: So einfach geht’s
Nachrichten Wissen Färben mit Pflanzen: So einfach geht’s
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09:54 16.09.2019
Viele Pflanzen haben von Natur aus einen eigenen Farbstoff, mit dem man seine Stoffe färben kann. Quelle: Dean Hearne

Brombeerrot, Kaffeebraun, Zitronengelb – dass die Natur voller Farben steckt, weiß jedes Kind. Dass man Kräuter, Früchte und Blumen auch zum Färben nutzen kann, scheint jedoch in Vergessenheit geraten zu sein. Die junge Britin Abigail Booth hat sich das Färben mit Pflanzen selbst beigebracht, nach dem Motto: Übung macht den Meister. Inzwischen ist Booth, die als Malerin und Installationskünstlerin arbeitet, eine echte Expertin auf dem Gebiet, mehr noch: „Naturfarbstoffe begeistern mich, weil sie mir die Natur näherbringen und weil ich festgestellt habe, dass sie zu meinem Wohlbefinden beitragen“, sagt sie.

Ab in die Natur und Pflanzen sammeln

Die einzige Regel, die es laut Booth beim Selbstfärben zu beachten gilt, lautet: Ab in die Natur! Denn bevor man in der Färberküche loslegt, muss gesammelt werden. Ob im Wald, auf dem Feld oder im Garten – überall gibt es Pflanzen, die sich wunderbar zum Färben eignen. Von Adlerfarn bis Weißdorn, von Avocado bis Zwiebel – die Natur hält eine immense Farbpalette bereit. Je nach Pflanze sind es mal die Blüten und Blätter, mal Früchte oder Zapfen, mal Rinde oder Stängel, mit denen der Färbersud angesetzt wird.

Booth rät, sich beim Herstellen der Naturfarbbäder möglichst auszuprobieren. „Es gibt kein richtig oder falsch“, sagt die Expertin. „Mit Pflanzen zu färben ist überall möglich, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land leben.“ Auch eine üppige Grundausstattung sei zum Selbstfärben nicht unbedingt nötig: eine Küchenwaage, eine Gartenschere, ein paar Edelstahltöpfe, Gläser und Holzlöffel reichen für den Einstieg völlig aus. Entscheidender ist hingegen die Auswahl des Stoffes: „Er sollte so naturbelassen wie möglich und entweder ungebleicht oder weiß sein“, sagt Booth. Sie selbst schwört auf Nesselstoff aus Biobaumwolle, denn der ist besonders vielseitig und farbecht.

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Zubereitung eines Farbbads

Schritt 1: Zum Ansetzen des Suds benötigen Sie einen Topf, in dem Sie den Stoff gut bewegen können. Den Topf etwa zu drei Vierteln mit Wasser füllen, damit er nach dem Einfüllen des Färbematerials und später des Stoffs nicht überläuft.

Schritt 2: Das vorbereitete Färbematerial zufügen und die Mischung bei geschlossenem Deckel langsam erhitzen. Nach etwa 20 Minuten sollte der Sud anfangen zu köcheln. Die Hitzezufuhr drosseln, damit er nicht zu kochen beginnt, und den Sud eine Stunde simmern lassen.

Schritt 3: Wenn der Sud nach einer Stunde Köcheln eine kräftige Farbe entwickelt hat, können Sie ihn von der Kochstelle nehmen. Ansonsten eine weitere Stunde simmern lassen.

Schritt 4: Den Sud durch ein mit einem Mulltuch ausgelegtes Sieb abseihen. Den abgeseihten, klaren Färbersud wieder in den Topf gießen und den Topf erneut auf die Kochstelle setzen.

Schritt 5: Den eingeweichten und gebeizten Stoff in den Färbersud legen. Alle Lufteinschlüsse mit einem Holzlöffel herausdrücken, sodass der Stoff vollständig eingetaucht ist. Den Färbersud währenddessen nur heiß halten, aber nicht köcheln lassen.

Schritt 6: Den Sud noch eine Stunde heiß halten, den Topf von der Kochstelle nehmen und den Stoff über Nacht oder länger im Sud ziehen lassen. Nach spätestens zwei Tagen sollte er kräftig durchgefärbt sein. Wenn Sie den abgekühlten Färbersud wegschütten möchten, können Sie damit Ihre Gartenpflanzen gießen.

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Färben mit Hundsrosen

Der Färbersud aus zerdrückten und gekochten Hagebutten ist fast farblos. Quelle: Haupt-Verlag

Hundsrosen sind sehr verbreitet und wachsen wild an Straßenrändern oder überwuchern Mauern. Im Früh- und Hochsommer sind sie übersät mit hellrosafarbenen Blüten; von Spätsommer bis Herbst reifen die rundlichen roten Hagebutten heran. Für einen starken Färbersud benötigen Sie eine große Schüssel Hagebutten. Pflücken Sie die Früchte am besten von verschiedenen Sträuchern, ohne diese komplett zu plündern. Der Färbersud aus zerdrückten und gekochten Hagebutten ist fast farblos. Darin eingeweichter Stoff nimmt einen blassen Rosaton an. Eine dramatische Veränderung lässt sich mit Eisenbeize erzielen, die das Rosa sofort in ein kräftiges Blaugrau verwandelt. Farbergebnis: blassrosa, Farbergebnis mit Eisenbeize: blaugrau.

Färben mit Holunderblüten

Wenn man Holunderblüten zerdrückt und in Wasser köchelt, werden die kräftigen rötlich-blauen Pigmente freigesetzt. Quelle: Haupt-Verlag

Holunderblüten werden im Frühjahr gern zur Herstellung von Sirup geerntet. Zum Färben verwendet man die Früchte, die ab Ende August wie dunkle Perlen in dichten Schirmtrauben von den Zweigen herabhängen und bei Vögeln und anderen Wildtieren auf dem Speiseplan stehen. Sammeln Sie die Beeren an verschiedenen Sträuchern, damit für Tiere auch im Herbst ausreichend Nahrung bleibt. Wenn man sie zerdrückt und in Wasser köchelt, werden die kräftigen rötlich-blauen Pigmente freigesetzt. Taucht man den gefärbten Stoff in Eisenbeize, verwandeln sich die Pupurtöne in warmes Grau. Mit der Rinde und den Blättern des Holunders lassen sich helle Rosa- und Grüntöne erzeugen. Farbergebnis: violett, mit Eisenbeize: grau.

Brombeeren kennt jeder. Bei Herbstspaziergängen nascht man sie im Vorübergehen, und manchmal wandern die leckeren Früchte eher in Marmeladengläser als in den Färbertopf. Pflücken Sie zum Färben am besten wilde Brombeeren, die Früchte von Kultursorten sind dafür zu schade. Wenn die Beeren an den Sträuchern zu fermentieren beginnen und bereits etwas mitgenommen aussehen, ist der beste Zeitpunkt zum Sammeln. Von allen Beeren besitzen Brombeeren die stärkste Färbekraft. Mit frischen Früchten erzeugt man ein leuchtendes Violett, das sich mit Eisenbeize zu einem kräftigen Graublau abdunkeln lässt. Farbergebnis: leuchtend violett, Farbergebnis mit Eisenbeize: graublau.

Pflanzen sammeln, Stoffe entschlichten, Färbersud ansetzen, Schönes nähen: Mit „Wild gefärbt“ hat Abigail Booth eine echte Färberbibel geschrieben. Das Buch, das hierzulande im Haupt-Verlag erschienen ist (160 Seiten, 26 Euro), erklärt auf anschauliche Weise, wie man der Natur die schönsten Farben entlocken kann. Quelle: Haupt-Verlag

Von Sophie Hilgenstock/RND

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