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Nachrichten Wissen Forscher entdecken einen Laubfrosch mit Daumen
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18:24 07.01.2019
Ecuador ist für seine Vielfalft an Fröschen bekannt. Auch der Scinax ilex ist dort beheimatet, der hat aber keinen Daumen. Quelle: Universidad Católica del Ecuado/dpa
Ecuador

Forscher in Ecuador haben eine neue und gefährdete Art des Laubfrosches entdeckt. Die kleinen Tiere wurden in einem Gebirgszug in den östlichen Anden, den Cordillera del Cóndor, gefunden – und weisen eine skurrile Besonderheit auf: Die Frösche haben einen Daumen.

Ecuador gilt als Land der Frösche. An kaum einem anderen Ort auf der Welt ist die Vielfalt der dort lebenden Amphibien so groß. Auch der Gebirgszug Cordillera del Cóndor ist bekannt dafür, vielen Tierarten eine Heimat zu bieten. Allerdings wird er von der internationalen Grenze zwischen Ecuador und Peru geteilt. Aufgrund von Grenzstreitigkeiten und weil das Gebirge nur schwer zugänglich ist, konnte es bisher noch nicht umfassend von Wissenschaftlern erkundet werden.

Perfekt getarnt auf 2000 Meter Höhe

Auf mehr als 2000 Metern Höhe fanden die Forscher rund um Santiago R. Ron von der katholischen Universität in Ecuador jetzt die neue Spezies. „Wir sind zwei Tage lang durch sehr steiles Terrain gelaufen. Dann, zwischen Schweiß und Erschöpfung, erreichten wir einen kleinen Wald“, beschreibt es der Biologe Alex Achiv, der an der Exkursion teilgenommen hat, gegenüber dem Wissenschaftsjournal „Science Alert“. „In den Flüssen wirkte das Wasser ganz schwarz und die Frösche saßen dort am Ufer, auf Ästen von braunen Sträuchern. Sie waren nur schwer zu entdecken, weil sie sich dem Untergrund anpassten.“

Daumen als Schutz vor Raubtieren?

Die gefundenen Exemplare sind dunkel gefärbt, teils sternförmig gesprenkelt, teils mit Streifen wie Tiger. Sie weisen klauenartige Vorderfüße auf, an denen der Daumen ist. Wofür die Froschart diesen Daumen brauchen könnte, ist bisher unklar. Die Forscher mutmaßen, dass der Daumen als Waffe beim Schutz vor Raubtieren oder beim Kampf mit Artgenossen zum Einsatz kommen könnte.

Morphologische Untersuchungen und genetische Tests bewiesen letztlich: Es handelt sich tatsächlich um eine ganze neue Spezies. Dieser gaben sie nun den Namen Hyloscirtus Hillisi – eine Ehrung für David Hillis, der bereits in den Achtzigerjahren drei Arten dieser Amphibiengattung in Ecuador entdeckt hatte.

Neue Art soll gefährdet sein

So beachtlich der Fund der neuen Laubfrosch-Art auch ist – ein Wermutstropfen bleibt: Die Forscher entdeckten nur zwei kleinere Gruppen mit wenigen Kaulquappen und Jungtieren. Grund dafür könnte sein, dass der Bergbau in dieser Gegend die Populationen von Amphibien gehemmt hat. Aufgrund der wenigen Exemplare fordern die Forscher, diese Art auf die Liste der bedrohten Tierarten zu setzen. Den detaillierten Forschungsbericht veröffentlichten die Wissenschaftler im Journal Zookeys.

Von RND/car

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