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Wissen Hafermilch: Kurzlebiger Trend oder langfristige Alternative zur Kuhmilch?
Nachrichten Wissen Hafermilch: Kurzlebiger Trend oder langfristige Alternative zur Kuhmilch?
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12:31 15.07.2019
Hafermilch kann sich als langfristige Alternative etablieren. Quelle: a_namenko/iStock
Hannover

Im Frühsommer 2018 begann die große Durststrecke: New Yorker Coffee-Shops und Supermärkten ging die Hafermilch aus. US-Medien berichteten von Hamsterkäufen und verzweifelten Kunden. Der Grund: Beim Marktführer Oatly gab es Lieferengpässe. Dabei hatte das im schwedischen Malmö ansässige Unternehmen laut Zeitungsberichten innerhalb von zwei Jahren seine Produktion um mehr als 1000 Prozent gesteigert, um den amerikanischen Markt zu sättigen.

Es reichte offenbar nicht. Eher kurbelte die Verknappung die Nachfrage noch weiter an. Doch anstatt in der schwedischen Fabrik in Hektik zu verfallen, bat Oatly-Geschäftsführer Mike Messersmith öffentlich um Verständnis dafür, dass man aus einem Päckchen Haferflocken nicht einfach so einen qualitativ hochwertigen Pflanzendrink herstellen könne. Engpässe trügen zum „Charme der Hafermilch“ bei und ließen die „Menschlichkeit des Unternehmens“ durchscheinen, zitierte ihn das Magazin „The New Yorker“.

Macht Hafermilch das Leben besser?

Was für ein Marketing-Clou: Wenn fleißige schwedische Pflanzendrinkmanufakteure mit großer Umsichtigkeit und Hingabe rohe Haferkerne mithilfe von Enzymen verflüssigen und alles liebevoll in recycelbare Kunststofftüten verfüllen, wie Oatly auf seiner Website Glauben macht, schmeckt der Inhalt doch gleich besser, als wenn man sich schnöde, allein auf den Profit ausgerichtete Massenproduktion am Fließband vorstellt.

So will das bereits 1994 von dem schwedischen Chemiker Rickard Öste gegründete Unternehmen auch nicht gesehen werden. Eigenen Angaben zufolge ist es darauf ausgerichtet, „Menschen zu helfen und ihr Leben zu verbessern“, was „immer vor dem rücksichtslosen Streben nach Profit steht“. Macht Hafermilch das Leben wirklich besser? Ist das das Geheimnis hinter dem Boom?

Cornflakes und Erdbeeren: Auch lecker mit Hafermilch als Alternative zur Kuhmilch. Quelle: silviarita/pixabay

Hafermilch: Produktion umweltfreundlicher als von Kuhmilch

Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung konsumieren immerhin 16 Prozent der Deutschen regelmäßig pflanzenbasierte Milchprodukte. Hafermilch hat laut der für Tierschutz eintretenden Albert-Schweitzer-Stiftung im Gegensatz zu Mandel- und Sojamilch zudem eine bessere Ökobilanz. Die vorwiegend im US-Bundesstaat Kalifornien betriebene Mandelproduktion erfordert viel Wasser und ist im großen Stil nicht ohne industrielle Bienenhaltung möglich.

Bei Soja hängt der Nachhaltigkeitseffekt von Art und Ort des Anbaus ab. Das gentechnisch veränderte Soja aus den großen Monokulturen Südamerikas gilt aus ökologischer Sicht als katastrophal. Europäisches Soja hingegen entspricht oftmals Biostandards und fördert die Bodenfruchtbarkeit. Haferanbau hat in Europa Tradition und verbraucht weniger Land und Energie als Mandeln und Soja. Allen drei Milchersatzprodukten ist gemein, dass sie weniger umwelt- und klimaschädliche Folgen haben als die mit Emissionen und Massentierhaltung einhergehende Gewinnung von Kuhmilch.

Risiko: Nicht alle Pflanzendrinks sind gesund

Gleichwohl ist nicht immer alles gesund, was Lebensmittelkontrolleure und Ernährungswissenschaftler in Pflanzendrinks finden: Spuren von Nickel etwa. „Das Schwermetall kommt umweltbedingt im Boden vor und kann von der Sojabohne aufgenommen werden“, warnt Jürgen Steinert, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift „Ökotest“. Bei einem Test des Verbraucherschutzmagazins von 18 Pflanzendrinks wurden Anfang des Jahres neben Nickel zum Teil auch genetisch veränderte Soja-DNA, künstliche Vitamine und Calciumphosphate entdeckt. Phosphat erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wenn die Sojabohnen Nickel aufgenommen haben, kann auch die Sojamilch belastet sein. Quelle: Jens Büttner/lmv

Auch in „Oatly! Hafer Calcium“ fanden sich Phosphat und Vitaminzusätze. Das Produkt wurde von den Testern daher nur als mittelmäßig bewertet. Oatly bestätigt die Inhaltsstoffe, begründete jedoch gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland die „Anreicherung“ damit, dass „Menschen, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, oft entsprechenden Bedarf an spezifischen Vitaminen und Mineralstoffen haben“. Die Kombination aus Calciumcarbonat und Calciumphosphat sei außerdem besonders gut für die Konsistenz und den Geschmack des Haferdrinks. Für diejenigen, „die es ganz natürlich mögen“, gebe es als Alternative den klassischen Biohaferdrink aus Hafer, Wasser und Meersalz.

Milchersatz: Hafermilch ist nicht zu exotisch

Drei natürliche Zutaten, um glücklich zu sein? Ernährungsforscherin Hanni Rützler, die in ihrem jüngst erschienen Food-Report 2020 unter anderem den Fokus auf „Plant Based Food“, also pflanzenbasierte Nahrung richtet, ist überzeugt, dass Pflanzen als Ausgangsprodukte für neue Nahrungsmittel künftig immer stärker gefragt sind. Einerseits, weil sie eine Alternative zu tierischen Produkten seien, andererseits aber auch, weil die regionale Küche wieder im Kommen sei. „Man greift dabei zurück auf kulturell Vertrautes und Traditionelles, wie etwa Hafer oder auch Lupinen und Erbsen und macht daraus etwas Neues – zum Beispiel Pflanzendrinks“, erläutert sie. Gerade der Geschmack von Hafer wecke Kindheitserinnerungen: „Als Milchersatz lässt sich der Hafer auf neue Weise genießen, ist aber nicht zu exotisch.“

Nachtisch aus Hafermilch: Pistazien-Nicecream

Zutaten

• 3 reife Bananen, tiefgekühlt

• 50 ml Kokosmilch

• 50 ml Hafermilch

• 50 g Pistazien, geschält

Optional: Kakaonibs, Kokosraspeln, gehackte Pistazien

So geht’s

1. Die Bananen am Vortag schälen, in Stücke schneiden und im Tiefkühler fest werden lassen.

2. Bananen und Kokosmilch im Mixer fein pürieren.

3. Die Pistazien hinzufügen und so lange untermixen, bis alle Stücke zermahlen sind.

4. Nun nach und nach etwas Hafermilch hinzufügen, bis die gewünschte cremige Konsistenz erreicht ist.

5. Bei Belieben mit Pistazien, Kokosraspeln und Kakaonibs bestreuen.

Kuhmilch wird nicht vom Markt gedrängt

In Zeiten der Globalisierung und teils komplizierter Zutatenlisten sei es vielen ein angenehmer Gedanke, zu essen und zu trinken, was quasi vom Bauern um die Ecke kommt. Rützler ist überzeugt, dass der Anteil pflanzlicher Produkte bei den Lebensmitteln künftig noch weiter steigen und damit auch die Landwirtschaft langfristig verändern wird. Dass die Kuhmilch vom Markt gedrängt wird, bezweifelt die Forscherin. Rützler ist sich aber sicher, dass es bei Tierhaltung und Herstellung Veränderungen geben wird. Die „Macht der Verbraucher“ sei nicht zu unterschätzen.

Hafermilch ist eine langfristige Alternative

Der Hafermilch-Boom ist also kein kurzlebiger Trend. Oatly hat inzwischen vorgesorgt: Um Lieferengpässe zu vermeiden, wird nun nicht mehr nur in Schweden, sondern auch in Finnland und den baltischen Staaten Hafer für die Produktion angebaut. Man bemühe sich nach Kräften, die große Nachfrage zu befriedigen. Zu diesem Zweck wurde jüngst eine Fabrik in den USA eröffnet, eine weitere ist in Planung. Oatly expandiert nach eigenen Angaben außerdem noch in diesem Jahr in die Niederlande und 2020 nach Singapur.

Von Kerstin Hergt/RND

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