Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Wissen Klimawandel sorgt für mehr weibliche Meeresschildkröten
Nachrichten Wissen Klimawandel sorgt für mehr weibliche Meeresschildkröten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 02.01.2019
Eine Grüne Meeresschildkröte nach dem Schlüpfen. Quelle: University of Exeter/dpa
Bissau/Exeter

Der Klimawandel droht die Bestände von Meeresschildkröten zu verweiblichen. Da das Geschlecht der ungeschlüpften Tiere stark von der Temperatur im Ei abhängt, dürfte der Anteil der Weibchen in Zukunft drastisch steigen, berichten Forscher um Ana Patricio von der englischen University of Exeter. In einer großen Kolonie der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) in Westafrika könnten ihren Berechnungen zufolge bis Ende des Jahrhunderts – je nach Ausmaß der Erwärmung – 76 bis 93 Prozent der Tiere Weibchen sein. Das lasse die Population anfangs zunehmen – aber nur so lange, wie die Temperaturen in den etwa 70 Zentimeter tief im Sand vergrabenen Eiern keine kritischen Werte erreichen. Eine weitere Gefahr für die Population sieht das Team im Anstieg des Meeresspiegels.

Dass die Geschlechtsentwicklung des Schildkröten-Embryos im Ei von der Temperatur abhängt, wissen Forscher schon lange. Je wärmer, desto höher der Anteil weiblicher Schlüpflinge. Bei der Grünen Meeresschildkröte im Bijagós-Archipel vor der Küste von Guinea-Bissau – einer der größten Brutkolonien dieser Art weltweit – liege der Anteil der weiblichen Schlüpflinge derzeit bei etwa 52 Prozent, schreibt das Team im Fachblatt „Global Change Biology“.

Meeresschildkröten könnten Eier tiefer vergraben

Anhand von mehrjähriger Untersuchungen auf der nur etwa 0,4 Quadratkilometer (43 Hektar) kleinen Insel Poilão und der Berichte des Weltklimarates (IPCC) erstellte das Team Prognosen für die Bestandsentwicklung unter verschiedenen Klimaszenarien bis Ende des Jahrhunderts. Demnach wären dann je nach Grad der Erwärmung zwischen 76 und 93 Prozent der Jungtiere weiblich. Damit würde die Zahl der eierlegenden Weibchen ansteigen und eventuell zunächst auch die Gesamtpopulation. „Aber wenn die Temperaturen weiter steigen, kann das Überleben für ungeschlüpfte Schildkröten schwieriger werden“, wird Erstautorin Patricio in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert.

Lesen Sie hier:
Plastikmüll bedroht speziell junge Meeresschildkröten

Zusätzliche Probleme bereite der steigende Meeresspiegel, der auf der Insel bis 2100 zwischen 33 und 43 Prozent der Gelegeplätze überfluten dürfte: „Das Zurückweichen der Strände mag stellenweise unproblematisch sein, aber die von uns untersuchten Schildkröten lebten auf einer kleinen Insel, deshalb gibt es eine Grenze für das Zurückweichen“, sagt Patricio. „Andernorts gibt es vielleicht natürliche Hindernisse oder menschliche Bebauung, die das Hochrücken der Strände landeinwärts verhindern.“

Nicht berücksichtigen konnten die Forscher in ihrer Analyse mögliche Anpassungsleistungen der Meeresschildkröten, die ihnen das Überleben in wärmerer Umgebung erleichtern könnten. Denkbar sei unter anderem, dass sie etwa ihre Eier tiefer vergraben als bisher oder auf schattige Flächen ausweichen.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Pünktlich zum neuen Jahr hat „New Horizons“ ein Rendezvous mit einem Himmelskörper in Rekord-Entfernung erlebt. Das hat die Sonde zurück an die Erde gesendet. Queen-Gitarrist Brian May hat unterdessen zu Ehren von „New Horizons“ einen Song veröffentlicht.

01.01.2019

„Osiris Rex“ ist Bennu ganz nahe gekommen. Die Sonde umkreist seit Montagabend in nur 1,5 Kilometern Entfernung den Asteroiden – so dicht wie nie ein Raumfahrtzeug zuvor.

01.01.2019

2018 haben viel mehr Menschen als im Jahr davor Gewebe gespendet. Das zeigen die vorläufigen Zahlen bis zum Stichtag 27. Dezember. Ein Grund dafür ist die gestiegene Unterstützung der Kliniken.

01.01.2019