Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wissen Bei Gefahr, wenn Mensch nicht mehr helfen kann: Sind Roboter in Zukunft unsere Lebensretter?
Nachrichten Wissen Bei Gefahr, wenn Mensch nicht mehr helfen kann: Sind Roboter in Zukunft unsere Lebensretter?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:23 07.06.2019
Mit dem „Great Diver“ soll eine autonome Erkundung der Tiefsee möglich sein. Die Präsentation fand im Rahmen der Vorstellung eines Berichts statt, der den Einsatz von Robotern in „lebensfeindlichen Umgebungen“ analysiert. Quelle: Uli Deck/dpa
Karlsruhe

Sie sehen teils martialisch aus, haben aber etwas vom freundlichen Superhelden Spider-Man: Lernende Roboter, die für Menschen durchs Feuer gehen, tief untertauchen, in verseuchte Areale vordringen oder die Wände hochklettern. Einige Exemplare stellte das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) jetzt vor – zusammen mit einem Bericht, der die Potenziale solcher Systeme in „lebensfeindlichen Umgebungen“ auslotet. Aus Sicht der Wissenschaftler könnten diese schon in vier bis sechs Jahren Menschen bei heiklen Einsätzen unterstützen – bei Bränden, Chemieunfällen, Erdbeben, beim Rückbau von Atomkraftwerken oder bei der Wartung von Windrädern.

Roboter waren beim Notre-Dame-Brand im Einsatz

„Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist mit enormen Chancen für unsere Gesellschaft verbunden“, ist KIT-Präsident Holger Hanselka überzeugt. Ferngesteuerte Roboter sind zwar schon in Aktion: beim Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris etwa, im Weltraum, in der Tiefsee oder in kontaminierten Gebieten. Die wenigsten können aber selbstständig auf neue Herausforderungen reagieren. Künftig sollen lernende Roboter deshalb komplexe Situationen „verstehen“ können, heißt es im Bericht der Plattform Lernende Systeme, einem Zusammenschluss von Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft im Bereich Künstliche Intelligenz.

Der universelle Kletterroboter mit Transportwagen und Trägergerät kann mittels Diodenlaser thermisch Oberflächen abtragen und freimessen kann. Sein Haupteinsatzgebiet sind kerntechnischen Anlagen. Quelle: Uli Deck/dpa

Roboter könnten Risiken für Retter senken

Lernende Roboter sollen sich an veränderte Situationen anpassen, ohne dafür neu programmiert werden zu müssen. Ziel ist: Menschen in Gefahrensituationen zu unterstützen und damit Risiken für Retter deutlich zu senken. Rettungseinsätze in schwer zugänglichen Umgebungen würden dadurch kostengünstiger oder überhaupt erst möglich.

So sollen die Maschinen mit Hilfe ausgeklügelter Sensorik zum Beispiel schnell ein detailliertes Lagebild erstellen, eine Kommunikations- und Logistikinfrastruktur für Rettungsarbeiten aufbauen, Verletzte suchen, Gefahren identifizieren und eindämmen. Oder sie sollen – wie der Great Diver – unter Wasser autonom unterwegs sein, etwa Fundamente einer Offshore-Windkraftanlage begutachten und bei Bedarf Unterstützung durch Taucher oder ferngesteuerte Systeme anfordern.

Wer haftet, wenn die Maschine Entscheidungen trifft?

Deutsche Wissenschaftler sind im internationalen Vergleich technologisch schon sehr weit, sagt Jürgen Beyerer, KIT-Professor für Interaktive Echtzeitsysteme und Leiter der Arbeitsgruppe „Lebensfeindliche Umgebungen“. Bevor die lernenden Roboter weltweit zum Einsatz kommen, müssen neben technischen Fragen – wie der Interaktion mit Menschen – auch Fragen der Verantwortung, Entscheidungshoheit und Sicherheit geklärt werden. „Wir können alles programmieren“, sagt KIT-Professor Tamim Asfour, Leiter der Forschungsgruppe für Humanoide Roboter. Letztlich gehe es darum, eine Situation zu verstehen. „Das ist auch für einen Feuerwehrmann schwierig.“

Ein Knackpunkt sind Dilemma-Fragen wie die: Wer ist zuerst zu retten? Eine Maschine kann falsch entscheiden. Doch auch der Mensch macht täglich Fehler, betont KIT-Präsident Holger Hanselka. „Das wird dann aber akzeptiert.“ Was eine Maschine letztlich entscheiden darf, müsse in der Gesellschaft diskutiert werden. „Der Mensch als Einsatzkraft und Entscheider wird dabei auch zukünftig - vor allem bei Einsätzen zur Rettung von menschlichem Leben - nicht ersetzbar sein“, so das Fazit der Wissenschaftler in ihrem Bericht.

Lesen Sie auch:

Digitalisierung: Warum wir uns vor künstlicher Intelligenz fürchten

Wissenschaftler im Interview: Warum sollen Schüler Programmieren lernen, Ranga Yogeschwar?

Von RND/dpa

Normalerweise tragen Exoplaneten wenig romantische Katalognummern. In diesem Jahr gibt es eine Ausnahme: Erstmals dürfen Bundesbürger einen „eigenen“ Planeten benennen. Schulklassen und Hobbyastronomen sind aufgerufen, Namensvorschläge einzureichen.

07.06.2019

Kopfschmerzen treffen laut einer neuen Studie Mädchen häufiger als Jungen. Zudem klagen 40 Prozent der befragten Schulkinder über chronische Schmerzen. Auch die Rolle von digitalem Medienkonsum oder Sport wird beleuchtet. Ein Ergebnis hat die Projektgruppe alarmiert.

07.06.2019

50 Jahre ist es her, dass Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betreten hat. Zum Jubiläum sprechen in Erfurt die beiden deutschen Astronauten Alexander Gerst und Ulf Merbold über den Zweck der Raumfahrt – und darüber, wofür sie nicht stehen soll.

07.06.2019