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Wissen Masern in SH: Die wichtigsten Fragen und Antworten
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16:08 29.03.2019
Symbolbild. Quelle: action press
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Hannover

Die Maserngefahr in Schleswig-Holstein ist noch immer nicht gebannt. Ein Gesundheitsamt hat am Freitagvormittag die Dahlmannschule und die Theodor-Storm-Schule in Bad Segeberg geschlossen. Dort war jeweils ein Kind an Masern erkrankt.

Warum dürfen Schulen Ungeimpfte vom Unterricht ausschließen?

Um die Ausbreitung übertragbarer Krankheiten zu verhindern, dürfen die Schulträger Kindern und Lehrern ohne ausreichenden Impfschutz vorübergehend verbieten, die Schule zu betreten. Das ist in Paragraf 28 des Infektionsschutzgesetzes geregelt.

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Bei der Anmeldung ihrer Kinder an einer Kindertagesstätte müssen Eltern seit Inkrafttreten des Präventionsgesetzes Mitte 2015 bundesweit einen Nachweis über eine Impfberatung vorlegen. Zur Impfung verpflichtet werden sie aber nicht. In Schleswig-Holstein wurde bereits im Jahr 2001 eine verpflichtenede ärztliche Bescheinigung bei Aufnahme in eine Kindertagesstätte als Instrument etabliert.

Wie ist die ungewöhnlich starke Ausbreitung der Masern zu erklären?

Seit 1970 werden in Deutschland Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren routinemäßig gegen Masern geimpft, die Krankheit schien hierzulande dauerhaft auf dem Rückzug zu sein. Womöglich hat das dazu geführt, dass viele Eltern inzwischen die Gefahr einer Ansteckung unterschätzen und ihren Kindern die kurzzeitig unangenehme Pikserei und eventuelle Unpässlichkeiten nach der Impfung ersparen wollen.

„Man erinnert sich nicht mehr an die Opfer von Masernepidemien“, sagt Professor Matthias Stoll, Infektologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, der eine wachsende Impfmüdigkeit beobachtet. Häufig werde die zweite Impfung vergessen, die im Abstand von mindestens vier Wochen nach der ersten zur Immunisierung erforderlich ist. Bis zum Schuleintritt waren im Jahr 2016 in Schleswig-Holstein über 97% der Kinder einmalig gegen Masern geimpft. Die Impfquote für die zweite Impfung lag bei 92,9% - sie stagniert seit einiger Zeit um diesen Wert.

Ist das Risiko einer Impfung möglicherweise höher als das einer Ansteckung?

Mediziner weisen darauf hin, dass Masern nicht selten zu Hirnhautentzündungen mit dauerhaften geistigen Einschränkungen führen und sogar tödlich enden können. Sie raten insbesondere von sogenannten Masernpartys ab, bei denen Eltern ihre Kinder bewusst dem Risiko einer Ansteckung aussetzen. „Impfung rettet Leben“, sagt Ärztekammer-Vorstandsmitglied und Kinderarzt Thomas Buck.

Im Internet kursieren unterdessen längst widerlegte, teilweise sogar gefälschte Studien über angebliche immense Impfrisiken, wie die von Andrew Wakefield, die bis heute als „alternative Wahrheit“ verbreitet werden. Leichte Nebenwirkungen der Impfung, wie Fieber oder Hautflecken, können allerdings kurzzeitig auftreten. Je weniger Geimpfte es gibt, desto größer wird aber die Gefahr einer – schwerwiegenderen –Ansteckung. Eine höhere Impfquote erhöhe auch die Sicherheit jener, die sich nicht impfen lassen dürfen, etwa Menschen mit einer Immunschwäche und Schwangere.

Müssen Erwachsene die Impfung im Lauf des Lebens noch mal auffrischen?

Die zweifache Impfung mit im Kleinkindalter soll lebenslang vor einer Ansteckung schützen, Gleiches gilt für eine überstandene Masernerkrankung. Die Impfungen enthalten lebende abgeschwächte Viren, die im Körper eine natürliche Infektion nachahmen. Viele Erwachsene haben ihren Impfpass verlegt oder verloren und wissen auch nicht, ob sie als Kind Masern hatten.

Das Gesundheitsamt empfiehlt in solchen Fällen eine Blutuntersuchung mit „Titer“-Bestimmung. Antikörper im Blut geben dabei Aufschluss über den persönlichen Schutz. „Bei Unsicherheit sollte zusätzlich das individuelle Gespräch mit dem Hausarzt gesucht werden“, sagt Sprecher Holger Scharlach. Bei Erwachsenen kann die Krankheit besonders problematisch verlaufen.

Wie sieht es mit Impfungen gegen Röteln, Windpocken und andere „Kinderkrankheiten“ aus?

Zur Masernverhütung wird in der Regel ein Mehrfachimpfstoff eingesetzt, der zusätzlich gegen Mumps und Röteln schützt und der gleich im Anschluss mit einer Injektion gegen Windpocken kombiniert wird. Die anderen Kinderkrankheiten sind zwar in der Regel mit weniger Komplikationen verbunden als Masern. Insbesondere Röteln können aber, wenn Schwangere sich infizieren, zu schweren Fehlbildungen beim Baby und zu Fehlgeburten führen. Auch die besonders ansteckenden Windpocken bedrohen das Leben von Ungeborenen. Wirksame Medikamente gegen all diese Krankheiten gibt es bisher nicht.

Welche Impfungen werden außerdem empfohlen?

Für Empfehlungen ist in Deutschland die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin zuständig. Daran orientieren sich auch das Landesgesundheitsamt und die niedersächsische Ärztekammer sowie die Krankenkassen – Letztere übernehmen dann die Kosten komplett.

Der Internetauftritt des RKI bietet Hilfe unter anderem in Form eines Impfkalenders. Die Kommission aktualisiert stetig auch die Impfempfehlungen für Erwachsene. Sie weist beispielsweise die derzeitigen Risikogebiete für die Übertragung des FSME-Virus durch Zecken aus, in denen zu einer Impfung geraten wird. Als jüngster Rat kam die Empfehlung für Menschen ab 60 Jahre hinzu, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Die Gürtelrose wird durch Erreger ausgelöst, die nach einer Erkrankung an Windpocken lebenslang im Körper schlummern und nochmals zuschlagen. Das Ansteckungsrisiko bei einer Gürtelrose ist aber deutlich geringer.

Masern: Krankheitsverlauf

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten. Sie können schon durch einen kurzen Kontakt oder Einatmen übertragen werden – Sprechen, Husten, Niesen setzt die Erreger frei.

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit liegt zwischen sechs und 21 Tagen. Bereits drei bis fünf Tage nach der Ansteckung ist die Krankheit ansteckend.

In dieser Zeit treten auch die ersten Symptome auf: Krankheitsgefühl, Appetitverlust, Husten, Schnupfen und Fieber.

Nach weiteren drei bis fünf Tagen tritt der charakteristische Ausschlag auf. Unmittelbar davor ist die Ansteckungsgefahr am größten.

Der Ausschlag bleibt etwa vier bis sieben Tage bestehen, es dauert aber mindestens sechs Wochen, bis der Körper sich vollständig erholt hat.

Eine Masernerkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Die Gefahr einer Masernerkrankung besteht darin, dass die Viren schwere Lungenentzündungen, Hirn- oder Hirnhautentzündungen hervorrufen können. Daraus können dauerhafte Lähmungen, Sprechstörungen und andere gefährliche Defekte entstehen.

Zwei Impfungen im Kleinkindalter führen zur lebenslangen Immunität. Die erste Impfung sollte im Alter zwischen elf und 14 Monaten erfolgen, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Von Gabriele Schulte