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Wissen Neid bei Paaren: Macht Konkurrenz die Liebe kaputt?
Nachrichten Wissen Neid bei Paaren: Macht Konkurrenz die Liebe kaputt?
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12:37 08.03.2019
Wenn das Konkurrenzdenken zwischen einem Paar zu groß wird, kann das der Beziehung schaden. Quelle: Fotolia
Göttingen

Wer hat die größere Summe auf der Gehaltsabrechnung? Wer hat den spannenderen Freundeskreis? Und wer spielt besser Tennis? So sehr sich zwei Menschen auch lieben: Manchmal mogelt sich Wettbewerbsdenken in den Beziehungsalltag. „Dass Partner bei bestimmten Themen miteinander wetteifern, passiert häufig und ist normal“, sagt Anika Bökenhauer, Paartherapeutin in Göttingen.

Beruf, Kind, Hobby: Wer ist besser?

Meist konkurrieren Partner bei Themen, die in der Beziehung ohnehin eine Rolle spielen. Erfolg im Beruf, Kindererziehung, Haushalt oder Hobbys: All das sind Bereiche, in denen viele Menschen wachsam darauf blicken, wie sich der Partner so macht - und nicht selten ein zartes Gefühl des Triumphs verspüren, wenn sie selbst sich besser schlagen.

Partnerschaft: Woher kommt das Konkurrenzdenken?

Doch woher kommt der „Ich will besser sein als du“-Gedanke überhaupt? Dahinter stehe oft der Wunsch nach Abgrenzung, erläutert Vera Matt, die als Paartherapeutin in Berlin arbeitet. „Um nicht miteinander zu verschmelzen, treten die Partner in einen Wettbewerb.“ Mit bösen Absichten hat das in der Regel nichts zu tun. Oft stecken hinter dem Wetteifern sogar gute Motive: für die eigene Selbstverwirklichung einzustehen oder die Beziehung zu kämpfen.

Anika Bökenhauer hat dafür ein Beispiel: „Manchmal reiben sich Paare an der Frage, wer am meisten für die Beziehung tut. Dahinter steht der Wunsch, eine gute Partnerschaft zu haben.“ Dies sei ein gutes Ziel. Konkurrenz sei allerdings keine gute Strategie, um es zu erreichen. Denn wenn Partner zu Konkurrenten werden, mischen sich rasch Vorwürfe oder Überheblichkeit in die Beziehung.

Konkurrenz zwischen Paaren durch geringes Selbstwertgefühl

Doch nicht nur der Wunsch nach Abgrenzung kann für ein Kräftemessen in der Liebe sorgen. Auch ein geringes Selbstwertgefühl kann die Ursache sein. Wer das Gefühl verspürt, nicht gut genug zu sein, gibt sich womöglich besonders viel Mühe, um sich gegenüber dem Partner oder der Partnerin zu behaupten. „Wenn man sich selbst liebt, fällt es leichter, den Partner so zu akzeptieren, wie er ist“, sagt Ilona Burghoff, psychologische Beraterin in Burscheid (Nordrhein-Westfalen). Dies könne das Wettbewerbsdenken in der Beziehung verringern.

Neid und ständige Konkurrenz führt zum Beziehungsende

Kritisch wird es, wenn die Partner aus dem Duell-Modus nicht mehr herausfinden. „Wetteifert man bei einem bestimmten Thema, kann man später mit etwas Distanz feststellen: „Das war irgendwie blöd“. So hat das Paar die Chance, die Situation zu reparieren“, erklärt Bökenhauer. Versuchen die Partner jedoch, sich bei jedem Thema gegenseitig zu übertrumpfen, funktioniert das nicht mehr. Die ständige Konkurrenz führt dazu, dass die Partner zwischen Angriff und Rückzug pendeln – keine gesunde Basis für eine Beziehung.

Dazu kommt, dass eine Konkurrenz zwischen den Partnern auch Neid schüren kann. „Neid kann einerseits ein Motor sein, der dazu motiviert, etwas zu erreichen“, erklärt Matt. Problematisch wird er jedoch, wenn er in Missgunst umschlägt. Wenn man sich über die Beförderung oder die neue Jogging-Bestzeit des anderen nicht freuen kann, sondern sauer ist. Hinter Missgunst steckt oft ein geringes Selbstwertgefühl, das durch eine Therapie oder ein Coaching aufgearbeitet werden kann.

Ständige Konkurrenz macht auch Freundschaften kaputt

Auch für gemeinsame Freunde kann es unangenehm werden, wenn ein Paar ständig wetteifert. Bökenhauer rät Freunden solcher Paare dazu, ihr Verhalten der Situation anzupassen. Wünscht man sich einen schönen Abend ohne Streit, solle man die Themen, bei denen das Paar konkurriert, lieber umschiffen. Alternativ könne man die Rivalität auch humorvoll thematisieren oder später im Vertrauen mit einem der beiden Partner besprechen. „Das hängt vor allem davon ab, wie ansprechbar das Paar in Bezug auf dieses Thema ist“, so Bökenhauer.

Was ist der Kern des Wettstreits?

Doch wie lässt sich die Konkurrenz in einer Beziehung auflösen? Bökenhauer rät dazu, sich selbst zu erforschen. Welches Thema, welches Bedürfnis steckt hinter der Konkurrenz? Und: Lässt sich dieses Ziel auch erreichen, ohne mit dem oder der Liebsten in einen Wettstreit zu treten?

Der zweite Schritt ist, sich mit dem Partner zu besprechen. „Viele Partner trauen sich nicht, etwas zu sagen und hoffen, dass sich die Situation von allein klärt. Doch um die Konkurrenz aufzulösen, kommt das Paar nicht darum herum, miteinander zu sprechen“, so Burghoff. Sie rät dazu, dem Partner die eigenen Gefühle zu schildern und auch Verständnis für seine Sichtweise zu entwickeln. Das Gespräch über die Konkurrenz dürfe nicht selbst zu einem Kampf werden.

Temporäre Konkurrenz schadet nicht

Doch nicht jede Konkurrenz muss aus der Welt geschafft werden. „Ein bisschen Wettbewerb ist manchmal gar nicht schlecht, weil er die Beziehung spannend macht“, sagt Vera Matt. Wenn ein literaturbegeistertes Paar streitet, wer die spannenderen Bücher findet, kann das Schwung und Spaß in die Beziehung bringen. Davon profitieren beide Partner. „Gut ist es, wenn sich ein Paar an Werten misst, nicht an Leistung“, fasst Matt zusammen. Sie rät dazu, den Wettbewerb anders auszurichten – miteinander statt gegeneinander. „So kann man sich als Paar ein gemeinsames Ziel setzen, auf das man hineifert – etwa eine große Reise, ein gemeinsames Haus oder das Erlernen einer schwierigen Sprache.“ Auf diese Art und Weise treten die Partner in einen Wettbewerb, der sie noch enger zusammenschweißen kann.

Von RND / dpa

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