Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wissen Wie Oslo bis 2030 klimaneutral werden will
Nachrichten Wissen Wie Oslo bis 2030 klimaneutral werden will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:10 04.11.2019
Von Heike Stüben
In Oslo werden in Neubaugebieten die attraktivsten Wege für Fußgänger und Radfahrer reserviert. Inzwischen nutzen mehr als Zweidrittel der Bewohner öffentliche Verkehrsmittel, das Rad oder die Füße für den Weg zu Schule, Uni, Ausbildung und Arbeit. 26 Prozent nehmen das Auto – meist von außerhalb. Im Schnitt fahren sie 27,5 Kilometer. Quelle: Didrick Stenersen / VisitOSLO
Oslo/Kiel

Rund zehn Kilometer muss Svend Erling Arentz jeden Tag bis zum Arbeitsplatz zurücklegen. Früher hat der junge Mann das mit dem Auto gemacht. Doch die Staus, die steigenden Kosten für Benzin und Maut nervten ihn, und er stieg um. Jetzt saust er mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde zum Job – auf einem E-Skateboard. Über eine Fernbedienung gibt er Gas und bremst. Sicher keine Lösung für jedermann. Aber für ihn, der auf dem Skateboard groß geworden ist, genau die richtige Methode.

Auch Heidi Sinding-Larsen ist umgestiegen. Ihre Tochter beteilige sich am Klimastreik und habe den unkritischen Einsatz des Autos infrage gestellt. „Es fühlte sich nicht mehr gut an, sich jeden Tag hinter das Steuer zu setzen, im Stau zu stehen und die Luft zu verpesten. Als in diesem Jahr die Maut auch noch kräftig für Benziner und Dieselautos stieg und sie jeden Tag allein dafür gut 8,50 Euro zahlen sollte, testete sie eine Woche lang die Alternativen – Bus, Zug und U-Bahn, Fahrrad. Danach kaufte sie sich ein E-Bike und fährt jetzt damit zur Arbeit.

EU adelte Oslo mit dem Titel Umwelthauptstadt 2019

Es sind Menschen wie Svend und Heidi, die die Verwandlung der norwegischen Metropole mittragen. Denn der Verkehrssektor ist mit rund 70 Prozent Hauptquelle für Treibhausgase. „Die größte Herausforderung ist es, die privaten Autos stärker aus der Stadt zu halten“, erklärte Bürgermeister Raymond Johansen von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei der Auszeichnung der EU zur Umwelthauptstadt 2019.

Dazu wird nun vor allem der Öffentliche Verkehrssektor ausgebaut, sollen alle Busse und Fähren so schnell wie möglich elektrisch fahren – so wie es Züge, U-Bahn und Straßenbahnen längst praktizieren.

Tatsächlich kann man bereits eine Veränderung fühlen: Es stinkt weit weniger als früher nach Diesel in Oslos Zentrum und es ist deutlich leiser. Ganze Straßen wurden für den Verkehr gesperrt und Flächen, die früher für fahrende und parkende Autos reserviert waren, werden heute zum Radfahren, Gehen, zum Erholen und als Treffpunkte genutzt.

Keine Kaufsteuer für Elektro-Autos in Norwegen

Und an den Autostraßen zeigen die Nummernschilder, wie viele Autofahrer schon auf alternative Antriebe umgestiegene sind: Elektro-Autos sind an den Buchstaben EK und EL zu erkennen. Kein Wunder: Beim Kauf eines Elektro-Autos wird keine Kaufsteuer fällig – bei einem Benziner und Diesel macht das sonst oft 10000 Euro aus. Zudem entfällt die Mehrwertsteuer von 25 Prozent, und die Kraftfahrzeugsteuer wird halbiert.

In Oslo hat man den Elektro-Mobilisten weitere Vorteile geboten: Sie zahlen keine Maut, dürfen kostenlos parken und die Busspuren benutzen. Diese Vorteile werden allerdings nach und nach wieder reduziert, weil sie nicht mehr als notwendig angesehen werden.

Ehrgeizige Pläne, aber nur wenig Zeit: Wie Oslo in zehn Jahren klimaneutral sein will.

„In den ersten acht Monate waren in Oslo 59 Prozent der zugelassenen Autos Elektrofahrzeuge und weitere acht Prozent aufladbare Hybridautos“, sagt Heidi Sörensen, die als Direktorin des kommunalen „Klimaetat“ den Wandlungsprozess der Stadt steuert. „Weil der Strom für das Laden aus Wasserkraft gewonnen wird, ist das ein echter Gewinn für das Klima.“

Selbst Baufahrzeuge sollen elektrisch betrieben werden

Nun sollen auch die anderen Bereiche nachziehen – vor allem der Schwer- und Lastverkehr. So müssen bei städtischen Bauprojekten die Baufahrzeuge und Maschinen elektrisch betrieben werden. Bis 2025 sollen alle Baustellen emissionsfrei arbeiten. Und bei den Bauten selbst wird auf Nachhaltigkeit gesetzt: Der neue Terminal des Flughafens besteht nicht nur aus umweltfreundlichen Materialien, sondern speichert im Winter den Schnee, um damit im Sommer das Terminalgebäude zu kühlen.

Klar ist aber auch: Oslo braucht viel mehr Wohnungen, mehr Büro- und Gewerbeflächen. Vier neue Stadtteile sind bereits entstanden. Folgt man der Hafenpromenade vom Opernhaus aus, kommt man zum neuen Stadtteil Sörenga. Wo früher der Containerhafen war, ist direkt an der Wasserkante ein grünes modernes Wohnviertel entstanden – mit einem Meerwasser-Schwimmbad direkt vor der Haustür.

Quartier Vulkan in Grünerlökka: ein nachhaltiges Projekt

Das interessanteste Projekt in puncto Nachhaltigkeit ist aber das Quartier Vulkan in Grünerlökka: umweltfreundliche Baumaterialien, eine zentrale Energieversorgung, die Thermalquellen in 300 Metern Tiefe anzapft, ein Bürogebäude, das mit Sonnenenergie aus der Fassade beheizt wird. Dazwischen viele Gemeinschaftsprojekte, Schulen, die Markthalle.

„Wir wollen nicht nur unsere Klimaziele erreichen, sondern damit auch mehr Lebensqualität für die Menschen schaffen“, sagt Bürgermeister Johansen. Und die Bürger? 75 Prozent stehen hinter den Klimazielen. 63 Prozent sind überzeugt, dass die Maßnahmen dazu Oslo zu einer besseren Stadt machen werden.

Öko-Tipps für Oslo-Besucher

Öko-Tipps für Oslo-Besucher

Nicht weit vom Hauptbahnhof von Oslo entfernt liegt das Umweltprojekt Losaeter: Der Stadt-Acker ist Arbeitsplatz von Oslos erstem Stadtbauern Andreas Capjon. Im Sommer trifft man sich mittwochs, erntet Gemüse und isst gemeinsam – eine gute Gelegenheit, Osloer kennenzulernen.

Eine andere ist das Restaurant Ett Bord (Ein Tisch): Carl Johan Bahre hat hier seinen Traum verwirklicht, Menschen beim Essen ins Gespräch zu bringen. Das Restaurant hat nur eine Tafel für 24 Menschen (Ruseløkkveien 3, http://ettbord.no/, unbedingt reservieren).

Oslo lässt sich gut per Leih-Rad erkunden (oslobysykkel.no).

Übernachten lässt sich mitten im neuen Stadtteil Vulkan im PS-Hotell – ein Inklusionsprojekt mit toller Dachterasse (Vulkan 22, www.pshotell.no/de-de).

Robust, wasserfest und mit Profilsohle – das ist der praktische Schuhtrend in diesem Winter. Combat Boots sind wie gemacht für Matsch und Regenwetter und außerdem sehen sie verdammt gut aus. Hier kommen die Musthave-Modelle der Saison:

04.11.2019

Die Kinder auf dem Rad mitzunehmen hat eigentlich nur Vorteile – viele Eltern finden den Transport im Anhänger äußerst praktisch. Doch das Fahrradfahren mit Anhänger ist nicht ungefährlich. Bevor die Kleinen mit an Board sind, sollten Eltern es einmal üben.

04.11.2019

In Thailand ist es ein vertrauter Anblick: Gebackene Grillen, Seidenraupen und Bambuswürmer liegen in Tüten verpackt in den Supermarktregalen. Ein Unternehmer plant nun auch den Export der außergewöhnlichen Snacks. Sind Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft?

04.11.2019