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Wissen Wandlung von Ärger in inneren Frieden
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08:45 17.12.2018
Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Es ist früher Montagmorgen, 8 Uhr. Anna und Andreas sitzen im Besprechungszimmer. Sie sind dem Drängen und Bitten ihres Kollegen Jörg nachgekommen, sich kurzfristig zu treffen, um ein Lieferproblem zu besprechen. Wer nicht kommt, ist Jörg. Um Viertel nach acht versuchen sie ihn auf dem Handy zu erreichen. Vergeblich. Sie reden sich immer mehr in Rage. Zwischendurch kommt aber auch Sorge auf, ob ihm etwas passiert sein könnte.

Ein paar Minuten später platzt Jörg durch die Tür. Bevor er noch Platz genommen hat, schnauzt ihn Andreas an: „Sag mal, hast du noch alle Tassen im Schrank? Erst machst du uns verrückt wegen eines kurzfristigen Termins, ich lasse andere wichtige Sachen liegen und du lässt uns hier warten. Keine Nachricht, nichts“. Anna setzt noch einen drauf: „Typisch für dich, alles hat sich um dich zu drehen, du bist so was von unsozial.“ Das ist längst nicht alles. Er verspürte den Impuls, den beiden Kontra zu geben, aber auch, sich zu erklären. Er bemerkte seinen Ärger auf die beiden, und gleichzeitig meldet sich ein leises Schuldgefühl.

Wertschätzende Kommunikation statt Aggression

Glücklicherweise beschäftigt sich Jörg seit geraumer Zeit mit den Themen Achtsamkeit und wertschätzende Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Er erinnerte sich an Rosenbergs Empfehlungen, in solchen Situationen erst mal die „Klappe zu halten“ und die Aufmerksamkeit auf seinen Atem zu lenken. Noch während Anna und Andreas ihrem Ärger Luft machten, blitzte in Jörg auch kurz Freude auf, dass er nicht so wie früher automatisch in Rechtfertigung und Gegenangriff übergegangen war. Wiederholt hatte er gute Erfahrungen gesammelt mit dem „Parken der Gefühle“. Statt seinen Ärger zu verdrängen, bat er ihn, so komisch das klingen mag, darum, jetzt erst mal Ruhe zu geben, allerdings mit dem Versprechen an den Ärger: „Heute nach der Arbeit werde ich mich innerlich um dich kümmern, mich mit dir auseinandersetzen.“

Dann, Anna und Andreas zugewandt: „An dieser Stelle möchte ich nur sagen, dass es widrige Umstände waren, weswegen ich so spät bin. Das bedaure ich sehr, und gleichzeitig kann ich euren Ärger nachvollziehen.“ Was Jörg dann weiter sagte und tat, war, den beiden Empathie zu geben. Er sprach aus, welche Gefühle und Bedürfnisse er bei ihnen vermutete, beispielsweise die nach Effizienz und Wertschätzung. Es dauerte nur kurze Zeit und die Situation entspannte sich dadurch merklich. Dann: „Wenn es euch interessiert, was mir heute passiert ist, dann erzähle ich es gern bei nächster Gelegenheit. Aber jetzt schlage ich erst mal vor, die Zeit zu nutzen, um bei unserem Thema weiterzukommen. Was haltet ihr davon?“ Es folgte ein sehr konstruktives Gespräch.

Mitgefühl entwickeln

Am frühen Abend wendet sich Jörg dem Konflikt vom Morgen zu. Er lässt die Szene noch einmal vor seinem geistigen Auge ablaufen. Wie nicht anders zu erwarten, meldet sich verstärkt die Empörung darüber, dass er von Anna und An­dreas zu Unrecht kritisiert wurde. Er lässt nun innerlich seinen Frust darüber los. Er schimpft und verurteilt – nur gut, dass es keiner hört.

Dann erinnert er sich an eine Methode, die er im Rahmen eines Achtsamkeitstrainings gelernt hat, nämlich eine Praxis zur Entwicklung von Mitgefühl, die zurückgeht auf die Meditationslehrerin Sharon Salzberg. Er schließt die Augen und spricht innerlich zu Anna und Andreas: „Ihr habt Gefühle – genau wie ich. Ihr habt Krankheiten erlebt – genau wie ich. Ihr kennt das Gefühl, nicht adäquat zu sein – genau wie ich. Ihr habt Fehler gemacht – genau wie ich. Ihr habt andere verletzt, beigetragen, dass sie verärgert waren – genau wie ich. Ihr möchtet Zufriedenheit, Erfüllung – genau wie ich. Ihr möchtet frei sein von Leid und Schmerz – genau wie ich. Ihr möchtet glücklich sein, geliebt werden – genau wie ich.“ Dann weiter innerlich zu den beiden: „Ich wünsche euch, dass ihr frei seid von Leid und Schmerz und die Ursachen dafür loslassen könnt. Ich wünsche euch, dass ihr Glück, Liebe und Zufriedenheit findet.“

Anschließend ist Jörg wieder verbunden mit der Erkenntnis, dass andere Menschen nicht automatisch die Schuld für seine Gefühle tragen, sondern Personen sind, die nicht leiden möchten, geliebt werden und glücklich sein wollen – genau wie er. Damit geht es ihm gut, richtig gut sogar.

Der Autor ist zu erreichen unter www.achtsamkeit-und-co.de.

Von Helmut Nowak

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