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14:45 21.07.2019
Ein Grundstück auf dem Mond: Fliegen wir zukünftig auf unsere Sommerresidenz auf dem Mond? Quelle: dpa/gms
Hannover

Vor 50 Jahren, im Juli 1969, waren die ersten Menschen auf dem Mond. Seit 1972 hat ihn niemand mehr betreten. Doch für den Fall, dass das Weltall zukünftig zum gängigen Urlaubsziel wird, haben sich Menschen weltweit gewappnet und Grundstücke auf dem Mond gekauft. Stephan Hobe, Weltraumjurist und Direktor des Instituts für Luft-, Weltraum- und Cyberrecht der Universität zu Köln erklärt, was es mit dem umstrittenen Grund auf sich hat und wo der Haken ist.

Ein Stück Mond kaufen: Was sind Mondgrundstücke?

Es klingt verlockend: Ein riesiges Grundstück, in der Regel etwa 700.000 Quadratmeter groß, keine Nachbarn, mit denen man sich streiten kann und ein herrlicher Ausblick auf die Erde. Der einzige Nachteil ist die Lage, denn das Grundstück ist 384.000 Kilometer entfernt, auf dem Mond.

Wer sich im Internet offiziell ein Mondgrundstück kauft, erhält ein notariell beglaubigtes Eigentümerzertifikat mit integrierter Oberflächenkarte. „Doch das Papier ist das Einzige, was der Käufer erwirbt“, erklärt Weltraumjurist Hobe. „Der Mond hat laut Völkerrecht keinen Besitzer – somit kann auch niemand ein Grundstück auf dem Mond kaufen.“

Der Weltraumvertrag von 1967: Wem gehört der Mond?

Der Mond gehört allen und niemandem. Das regelt der Weltraumvertrag „Outer Space Treaty“ von 1967 zwischen den damaligen Supermächten, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion. „Der Mond unterliegt, genau wie andere Himmelskörper, nicht nationaler Aneignung. Er steht der Staatengemeinschaft zu“, zitiert Hobe den Vertrag.

Der Grund: Die Angst vor einem Wettrüsten im All war damals groß. Außerdem stand die Frage der wirtschaftlichen Nutzung des Erdtrabanten im Raum. „Seitdem ist klar: Eigentum auf dem Mond kann nicht erworben werden“, so Hobe. „Der Grund und Boden bleibt Allgemeingut.“

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Kein Staat darf sich den Mond aneignen – doch eine Privatperson?

„Der Irrglaube, man könne sich Grundstücke auf dem Mond kaufen, geht auf einen US-Amerikaner namens Dennis Hope zurück“, weiß der Experte. Aus finanzieller Not heraus kam er 1980 auf die Idee, Besitz auf dem Mond anzumelden. Bereits 2014 war er laut der englischen Boulevardzeitung Daily Mail zehnfacher Millionär. Seine Begründung: In Artikel 2 des Weltraumvertrags von 1967 sei zwar festgelegt, dass kein Staat das Recht dazu habe, sich den Mond anzueignen – von einer Privatperson sei aber nie die Rede gewesen. „Dass das Quatsch ist, kann man sich denken. Was Staaten nicht dürfen, dürfen einzelne Personen erst recht nicht“, sagt Hobe.

Der Mond in Zahlen

Und dennoch: Während die Rechtswissenschaftler die Hände über den Köpfen zusammenschlugen, teilte der US-Amerikaner die Karte des Erdtrabanten in drei Millionen Stücke und fing an, mit ihnen zu handeln. Angeblich gehören Tom Cruise, Mick Jagger, Arnold Schwarzenegger und George W. Bush zur Kundschaft von Hopes Firma „Moon Estates“.

Grundstücke auf dem Mond kaufen: Alles nur Betrug?

„Was Herr Hope macht, ist in gewisser Weise Betrug, denn die Rechtslage ist schwierig und er gibt vor, eine Legitimation zu haben, die er nicht hat“, erklärt der Experte. Dabei berufe sich der US-Amerikaner auf ein Grundstücksamt in Kalifornien. „Das ehrt die Vereinigten Staaten nicht besonders. Eigentlich müsste jedes Amt, das nur etwas Rechtskenntnis hat, eine solche Eintragung von sich weisen.“

Zeitgleich sei Hope ein Genie. Denn durch die niedrigen Preise gehen seine Machenschaften als Verkauf des Papiers, auf dem das angebliche Zertifikat gedruckt wird, durch – und das sei nicht verboten. „Man kauft sich im Prinzip das Zertifikat und die Illusion, ein Grundstück auf dem Mond zu besitzen“, so Hobe. Besondere Rechte hätte man dadurch nicht.

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Der Handel mit Mondgrundstücken in Deutschland

In Deutschland bieten gleich mehrere Firmen lunaren Boden „mit permanenter Sichtbarkeit von der Erde“ an, den sie von Unternehmer Dennis Hope abgekauft haben. Einige Händler versprechen sogar ein 90 tägiges Rückgaberecht sowie einen Versand innerhalb von 24 Stunden. Zu erwerben sind die Zertifikate auf Wunsch auch „mit persönlichem Mondduft“ und einem T-Shirt, auf dem die Aufschrift „Stolzer Besitzer eines Mondgrundstücks“ aufgedruckt ist.

50 Jahre Mondlandung

Grund und Boden auf dem Mond: Was wäre, wenn..?

„Wäre es möglich, ein Grundstück auf dem Mond zu kaufen, könnten nur Staaten die Rechte erwerben“, weiß Hobe. „Die Japaner haben beispielsweise darüber nachgedacht, ein Hotel auf dem Mond zu bauen.“ Allerdings verbietet der Weltraumvertrag Exklusivrechte: Damit wäre man allenfalls Eigentümer des Hotels und nicht Eigentümer des Grundstücks.

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Von Jessica Orlowicz/RND

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