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Neumünster Eisbär Kap als Samenspender
Region Neumünster Eisbär Kap als Samenspender
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08:00 18.07.2018
Von Thorsten Geil
Foto: Eisbär Vitus spielt im Tierpark Neumünster bei der Sommerhitze gern im Wasser mit Bällen.
Eisbär Vitus spielt im Tierpark Neumünster bei der Sommerhitze gern im Wasser mit Bällen. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Bevor die Entscheidung von Kaps Umzug endgültig getroffen wurde, haben Reproduktionsmediziner für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) untersucht, ob Kap überhaupt zeugungsfähig ist.

Das damalige Karlsruher Männchen Vitus ist es nämlich nicht, weil seine Hoden in der Bauchhöhle liegen. Das wurde aber erst festgestellt, nachdem er sich zwar über Jahre bei der Karlsruher Eisbärendame sehr viel Mühe gegeben hatte, sie aber nicht trächtig wurde.

Groß angelegte Untersuchung

In Neumünster wurde 2017 eine groß angelegte Untersuchung aufgebaut. „Aus dem Eisbärenstall gingen die Proben sofort in unseren Konferenzraum. Dort wurde ein mobiles Labor eingerichtet, sodass die Fachleute sofort das Sperma des Bären untersuchen konnten“, erzählt Verena Kaspari, Direktorin des Tierparks Neumünster.

Das Ergebnis war eindeutig: Kap ist höchst zeugungsfähig. Die Zucht-Experten baten Verena Kaspari, von dem gewonnenen Sperma mehrere Proben einfrieren zu dürfen, um sie für weitere Zuchtversuche zu sichern. Dem stimmte sie sofort zu. „Das ist eindeutig im Sinne des Artenschutzes und der Erhaltungszucht“, sagte sie.

Vitus lebt jetzt in Neumünster

Die EEP-Leute und die Zoos Neumünster und Karlsruhe vereinbarten einen Tausch der Bären. Kap soll in Baden möglichst auf natürliche Weise Vater werden, und der unfruchtbare Vitus lebt jetzt in Neumünster. „Wir wollen hier nicht züchten, weil wir für die Eisbären nur ein Stallgebäude haben. Wenn eine Bärin aber ein Junges führt, setzt es sie unter Stress, wenn sie das Männchen ständig sieht und riecht. Das wäre nicht tiergerecht“, sagt Verena Kaspari.

Als sich in Hagenbeck herausstellte, dass auch Bärenmann Blizzard unfruchtbar ist, griff die Tierparkleitung auf eine europaweite Datenbank zu und interessierte sich für die Gene von Kap. Verena Kaspari und das EEP stimmten zu, und nun hat Kap als Samenspender in Hamburg ausgeholfen.

Ende des Jahres wird man frühestens wissen, ob eine künstliche Befruchtung bei Eisbärin Victoria im Tierpark Hagenbeck geklappt hat, denn bei Eisbären lässt sich das erst gegen Ende der Tragzeit feststellen.

Hier sehen Sie weitere Bilder von den Eisbären in Neumünster und von Knut, dem Berliner Bären.
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